
In ihrer Jahresausstellung zeigt die Herzogin Anna Amalia Bibliothek Drucke der Weimarer Cranach-Presse (1913–1931), aus ihrer Vorgeschichte und ihrem Umfeld. Anlass der Ausstellung ist der 100. Jahrestag der Gründung dieses Unternehmens durch den bibliophilen Kulturförderer Harry Graf Kessler. Dank der internationalen Interessen und Verbindungen Kesslers gelang es der Cranach-Presse, den Rang der zu Beginn des Jahrhunderts maßgebenden englischen Typographie- und Buchkunst zu erreichen. Durch das Zusammenwirken mit profilierten Künstlern wie Eric Gill, Aristide Maillol und Henry van de Velde konnte die Presse darüber hinaus Buchkunstwerke hervorbringen, deren Gestaltung richtungsweisend wirkte und die zu den schönsten des 20. Jahrhunderts zählen.
Im Juli 1913 gründete Harry Graf Kessler in Weimar die Cranach-Presse, die zu Beginn aus einer Handpresse, zwei Setzregalen und einem Farbtisch bestand. Der Name geht auf Kesslers Privatadresse zurück, dessen Wohnhaus sich in der Cranachstraße 15 befand. Die erste Werkstatt wurde zwischen 1913 und 1928 in der Kurthstraße 1a (heute Bauhaus-Straße) eingerichtet, nahe der Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule, die auf Initiative von Henry van de Velde 1908 gegründet wurde. Bis zum Ende ihres Bestehens 1931 waren die Arbeitsräume der Presse in der Ernst-Kohl-Straße 2 untergebracht. Als Mitarbeiter standen Kessler unter anderem die Drucker Erich Dressler und Max Kopp zur Seite sowie John Henry Mason, der ehemals für Thomas J. Cobden-Sanderson in der 1900 in London gegründeten »Doves Press« tätig war. Als Illustratoren engagierten sich beispielsweise Marcus Behmer, Edward Gordon Craig, Eric Gill, George Grosz oder Aristide Maillol.
Bedingt durch den Ersten Weltkrieg und die Abwesenheit Kesslers war die Arbeit der Cranach-Presse zeitweise stark eingeschränkt. Temporär wurde sie durch Henry van de Velde, dem Kessler eng verbunden war, weitergeführt. Kessler ging 1933 nach Paris, wo er das Ende des NS-Regimes abwarten wollte. Bis zu seinem Tod 1937 hielt er sich in Frankreich, der Schweiz und Spanien auf. Die Einrichtung der Cranach-Presse mit den Holzstöcken, Papieren und Pressen hatte man in Weimar zwischengelagert, bevor sie von Werner E. Stichnote für seine Druckerei in Potsdam erworben wurde und sie später im Zweiten Weltkrieg verlorenging.
Neben Hauptstücken wie den Eclogen Vergils und Shakespeares Hamlet zeigt die Ausstellung auch Objekte aus der Vorgeschichte der Presse wie eine Vorzugsausgabe von Nietzsches Zarathustra. Ein Überblick über politische Texte Kesslers aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg – größtenteils ebenfalls auf der Cranach-Presse gedruckt – zeigt schließlich das Engagement Harry Graf Kesslers vor dem Hintergrund der Biographie des Politikers und Diplomaten. Ein besonderer Akzent liegt auf historischen Fotodokumenten aus der Druckwerkstatt der Cranach-Presse.
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