
Die uran- oder arsenhaltigen Minerale in der neuen Schau stellen jedoch keine Gefahr für das Ausstellungspersonal oder die Besucher dar. „Wir haben extra Messungen durchgeführt und uns so versichert, dass die Radioaktivität weit unterhalb der gesetzlichen Gefahrenwerte liegt“, betont Kustodin Dr. Birgit Kreher-Hartmann. Und so muss niemand im Strahlenschutzanzug durch die Ausstellung laufen, die auch für Schüler attraktiv ist. „Wir wollen das Thema natürliche Strahlung erläutern“, sagt die Ausstellungsinitiatorin und verweist darauf, dass „wir überall von Strahlung umgeben sind“. Man müsse mit dem Thema sorgsam, aber nicht hysterisch umgehen, sagt Kreher-Hartmann und wird über Radioattraktivität auch auf Postern in der Ausstellung informieren.
Zu sehen sein werden bis 10. November 2013 in acht Vitrinen zahlreiche farbenfrohe Minerale aus dem eigenen Bestand, aber auch von Leihgebern aus Jena und Prag. Neben der bekannten, aber eher hässlichen „Pechblende“ stehen neonfarbene Uran-Minerale, wie der Autunit. Unter UV-Licht werden die Qualitäten dieser strahlenden Minerale besonders deutlich: sie leuchten in „knalligen“ Farben. Und noch bei Tageslicht können die Uran-Thorium-haltigen Minerale sehr farbenfroh aussehen. Man muss allerdings Experte sein um zu sehen, dass es die Farbe des Gesteins ist und dieses nicht von farbigem Staub oder versteinerten Pflanzen bedeckt ist.
Dass es gar eine „Farbstein-Industrie“ gibt, die sich darauf spezialisiert hat, unscheinbares Gestein in farbiges zu verwandeln, lernt man in der neuen Sonderausstellung ebenfalls. So nutzt man beispielsweise natürliche Radioaktivität, um aus dem ursprünglich weißen Steinsalz (Halit) eine blaue Version zu erstellen, die attraktiver und damit besser und teurer zu verkaufen ist. „Die Radioaktivität macht es schön“, erläutert Dr. Kreher-Hartmann einen Aspekt, der bei diesem Thema öffentlich selten diskutiert wird.
Den nachbearbeiteten Mineralen ist ebenso eine Vitrine gewidmet wie den Artefakten, die erst durch die strahlenden Oberflächen ihren Wert erhalten. So wird in der Ausstellung Uranglas gezeigt, aus dem alltägliche Gegenstände wie Schalen oder Aschenbecher hergestellt oder damit überzogen werden. Erst die leichte Radioaktivität des gläsernen Materials gibt den künstlerischen oder Gebrauchsgegenständen ihren speziellen Glanz – und macht sie dadurch kostbar.
Nicht zuletzt zeigt die neue Exposition, wie mit nicht strahlenden Mineralen und Gesteinen vor Strahlung geschützt wird. So wird etwa Baryt (Barium-Sulfat) präsentiert, der im Spezialbeton von Atomreaktoren mit verarbeitet wird, um ein Austreten der Radioaktivität zu verhindern. Ein anderes Mineral, das Bleierz Galenit, liefert den Rohstoff für die „Bleischürzen“, die beim Röntgen zum Schutz eingesetzt werden.
Und so präsentiert die neue Ausstellung der Mineralogischen Sammlung das breite Spektrum der steinernen Radioaktivität zwischen Heilung und Gefahr – und ist damit gleichzeitig für Experten wie Laien eine Attraktion.
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