
Die Ausstellung thematisiert die Durchführung der Reformation in Gera, die geprägt war vom Konflikt zwischen dem Herrn von Gera, Heinrich dem Älteren, und den sächsischen Kurfürsten. Unter Ausnutzung der gespannten reichspolitischen Lage konnte sich Heinrich der Ältere mehrere Jahre der Einführung von Luthers neuer Lehre widersetzen. Die Haltung des Herrn von Gera war ebenso politisch wie religiös motiviert; es ging ihm zum einen um die Wahrung seiner Souveränität als Landesherr gegenüber seinem Lehnsherren, dem Kurfürst von Sachsen, zum anderen aber auch um das Festhalten am katholischen Glauben. Erst 1533 gelang es Kurfürst Johann Friedrich dem Großmütigen, eine Kirchenvisitation in der Herrschaft Gera durchzusetzen. Dies hatte die Einführung der Reformation und die sukzessive Beseitigung der altgläubigen Relikte zur Folge.
Neben der Einführung der Reformation zeigt die Ausstellung auch die weiteren Entwicklungen im Territorium auf, welches ab 1564 die Bezeichnung „Herrschaft Reuß jüngerer Linie“ trägt. Nach der Niederlage Kurfürst Johann Friedrich des Großmütigen 1547 im Schmalkaldischen Krieg – und damit auch der Reußen, den Nachfolgern der Herren von Gera – verloren diese, bis auf die Herrschaft Kranichfeld, ihre Ländereien, die sie erst 1562 zurück erhielten.
Wenige Jahrzehnte später musste jedoch der im strengen lutherischen Glauben erzogene Landesherr Heinrich Posthumus Reuß jüngerer Linie feststellen, dass es um die Kirchenangelegenheiten in seiner Herrschaft Gera nicht gut bestellt war. So kam es in Folge einer erneuten Kirchenvisitation von 1600 bis 1602 auch zur Gründung des Gymnasiums illustre – einer Landesschule – zu dessen vornehmsten Aufgaben die Ausbildung einer neuen Geistlichkeit gehörte, die willens und auch in der Lage war, ganz im Sinne des evangelisch-lutherischen Glaubens zu wirken. Heinrich Posthumus, ebenso tolerant und weltoffen wie gläubig, strebte bereits als junger Landesherr nach wirtschaftlichem Aufschwung seiner Herrschaft. So förderte er den im Textilgewerbe tätigen und als Kaufmann erfolgreichen Nicolaus de Smit, der seine Heimat Flandern aus Glaubensgründen verlassen und sich 1595 in Gera niedergelassen hatte. Dies hatte den Aufstieg der Stadt Gera zu einem überregional bedeutsamen Textilstandort zur Folge.
Etwa einhundert Objekte aus dem 16. bis 19. Jahrhundert verdeutlichen diese Entwicklung. Dazu zählen herausragende Exponate wie die Postersteiner Kreuzigung (Altartafel) von Lucas Cranach d. Ä., der von Peter Breuer um 1500 geschaffene Hirschfelder Altar (Zwickauer Bildhauerschule), ein Epitaph aus dem Jahr 1616 für einen Geraer Kaufmann oder der „Leichenzug des Heinrich II.“ – ein Holzschnitt aus dem Jahr 1670 mit einer Darstellung des um 1550 nach dem Vorbild des Campo Santo (Arkadentyp) errichteten Geraer Friedhofes.
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