
Mitten in den Auseinandersetzungen der Reformation war es wohl der Meister der Thammenhainer Madonna, der die „Jenaer Marienkrönung“ um 1520 schuf.
Das Jenaer Marienkrönungsrelief ist ein Fragment, von dem sich bisher nicht sicher sagen lässt, ob es einst Teil eines Flügelaltars oder Epitaphs war. Die Darstellung der Krönung Marias im Himmel durch Christus bzw. durch die Dreifaltigkeit (Trinität) bezieht sich auf die Feier Mariae Himmelfahrt, die am 15. August als das wichtigste aller Marienfeste begangen wurde.
Unter der (in Jena nicht vorhanden) fliegenden Taube des Heiligen Geistes thronen Gottvater und Christus. Sie halten die Krone über dem Haupt der Maria, die demütig betend vor ihnen kniet. Noch halten sie mit spitzen Fingern die Lilienzacken der Krone, die sie Maria soeben aufs Haupt gesetzt haben. Die Jungfrau legt Fürbitte ein bei Gott für alle, die ihren Beistand in dieser und in jener Welt anrufen. Sie allein bietet sich der Anbetung dar als Mittlerin zwischen Gott und den Menschen.
Wie zahlreiche andere Bildwerke wurde die „Jenaer Marienkrönung“ kurz nach der Reformation aus der Jenaer Stadtkirche entfernt. Später soll sie auf dem „Burgkeller“ und im Germanischen Museum der Universität eine Heimstatt gefunden haben. In einer Kabinett-Sonderausstellung wird der Versuch unternommen, der Geschichte eines der schönsten Reliefs Thüringens zwischen Bildersturm und Wiederauferstehung nachzugehen.
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