Lanzenstechen im Ilmtal: Ritter-Spektakel lockt nach Kranichfeld
Wenn der „Thüringer Löwe“ alias Konrad von Weißensee ruft, kommen sie alle: Ritter, Krämer, Handwerker, Gaukler, Musiker – und, so die Hoffnung der Veranstalter, ein paar tausend Zuschauer. Am 3. und 4. Oktober wird der Planhof der Niederburg in Kranichfeld wieder zum Turnierplatz. Das Ganze läuft unter dem Titel „Turnier des Thüringer Löwen“.
Niederburg bei Kranichfeld: Mittelalterspektakel mit Ritterturnier
Wie Monika Hillmann, Assistentin der Geschäftsleitung der Bibow Communications GmbH, mitteilt, treten der Böhmische Keiler, der märkische Greif und der Brandenburger Hirsch gegen den Löwen an – allesamt Reiter mit Maske, Ross und Exerzitien. Zweimal täglich findet das Lanzenstechen, die Tjost, statt. Eine Feuer-Reit-Show beschließt laut Hillmann das Programm.
Musik, Markt und Rotznasen
Dazwischen: Händler, Handwerker und Tavernen, die sich für den Mittelaltermarkt über das Burggelände, den Planhof und die angrenzenden Freiflächen ausbreiten. Auf der Freilichtbühne und zwischen Tischen und Bänken spielen laut Mitteilung „Dulcimerfolk“, das „Duo Obscurum“ und „Unvermeydbar“. Dazu kommen Lutz der Enterbte mit seiner Wasserguillotine, gewagte Kunststücke eines Gauklers sowie ein buntes Kinderprogramm im Burghof. Wer im historischen Gewand erscheint, wird außerdem mit ermäßigtem Eintritt belohnt.
Die Kulisse liefert Kranichfeld selbst. Die Niederburg liegt zwischen Weimar und Erfurt auf einer Hangterrasse im Ilmtal, umgeben von dichtem Grün. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie im 12. Jahrhundert, um 1147. Erbaut wurde sie im Umfeld der Grafen von Schwarzburg/Käfernburg – nicht aus Freude an der Aussicht, sondern um wichtige Verkehrswege zu kontrollieren.
Eine Burg, zwei Herrschaften
1172 teilte man die Herrschaft. Auf dem höher gelegenen Berg entstand das „Oberschloss“, und die Trennung in Ober- und Niederkranichfeld prägte den Ort über Jahrhunderte. Nach wechselnden Herren im Hoch- und Spätmittelalter bekam die Burg um 1906 durch Umbauten im Stil des Historismus ihr heutiges, romantisch-burgähnliches Aussehen.
Und die Ritterspiele? Eine Sage
Ob auf der Niederburg tatsächlich Turniere ausgetragen wurden, lässt sich nicht belegen: Für offizielle königliche oder kaiserliche Ritterturniere fehlen aus historisch-wissenschaftlicher Sicht die Nachweise. Was bleibt, ist eine Thüringer Sage. Ritter Gernot soll nämlich ein friedliches Kräftemessen zwischen den Bewohnern des Oberschlosses und der Niederburg veranstaltet haben, um deren Streit beizulegen. Und Waffentraining, kleine Schaukämpfe und Reitübungen gehörten bei Burgherren im Mittelalter ohnehin zum Alltag. Historisch verbürgt ist das Turnier also nicht – undenkbar aber auch nicht.

Hard Facts:
- Mittelalterspektakel mit Ritterturnier
- Wann: Samstag, 3. Oktober, und Sonntag, 4. Oktober 2026
- Wo: Niederburg in Kranichfeld
- Öffnungszeiten: Sa 11 bis 20 Uhr; So 11 bis 19 Uhr
- Ritterturniere täglich jeweils 13:30 und 16:30 Uhr; Lanzenstechen täglich jeweils 13 und 16 Uhr; Feuer-Reit-Show Samstag 19 Uhr
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