Der t.akt-Lieblingsladen: Wie die Marienwerkstatt Eisenach ein bisschen bunter macht
Ob handgemachte Kunstwerke, lokale Leckereien, handverlesene Produkte – wir alle kennen diesen einen Laden, der uns begeistert und bei dem wir gerne unser Geld lassen. In unserer Serie „t.akt-Lieblingsladen“ stellen wir einige dieser besonderen Läden vor. Hierbei haben wir ausschließlich lokale, inhabergeführte Läden im Fokus. Diesmal ist unser „Lieblingsladen“ der kleinen Strickladen „Marienwerkstatt“ in Eisenach.
Lieblingsladen ist die Marienwerkstatt Eisenach
Wer in Eisenach durch die neu sanierte Marienstraße schlendert, bleibt spätestens bei der Nummer 9 hängen. Genauer gesagt an einem Fahrrad, das über und über bunt eingestrickt ist und als tägliches Fotomotiv für Einheimische und Tourist*innen dient. Dahinter verbirgt sich kein klassisches Omas-Stübchen-Geschäft, sondern die „Marienwerkstatt“.
DDR-Fleischerei im Werkstatt-Gewand
Nach einer Probephase an den Adventswochenenden 2025 feierte der Laden am 2. Januar 2026 seine offizielle Eröffnung. Hinter dem Konzept steckt Bärbel Philipp, die seit fast 24 Jahren als freie Lektorin arbeitet und diesen Beruf auch weiterhin – wenn auch in geringerem Umfang – ausübt. Wie Bärbel Philipp mitteilt, reifte die Idee zum eigenen Laden über viele Jahre. Bereits in der Kindheit lernte sie Stricken und Häkeln und probierte in den letzten zehn Jahren von Raglan- und Rundpassenpullovern über Zopfmuster bis hin zu englischen Anleitungen alles aus.
Das Gebäude blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Zu DDR-Zeiten befand sich in den Räumen eine Fleischerei. Nach jahrelangem Leerstand unterschrieb Philipp im Dezember 2024 den Mietvertrag und renovierte das Objekt knapp ein Jahr lang in kompletter Eigenleistung. Von Romantik-Kitsch fehlt hier jedoch jede Spur.
Nachhaltigkeit, Oktopusse und ein Herz für Nicht-Stricker
Der Name ist Programm: Die Räumlichkeiten sind bewusst als modern strukturierte Werkstatt eingerichtet. In der Mitte dominiert eine antike, funktionstüchtige Hobelbank. Die Wände kombinieren ein dunkles Grün im unteren Bereich mit Weiß im oberen Teil, ergänzt durch Lochbleche für Wollstränge und Zubehör, schwarze Metallregale sowie gelbe Farbakzente. Selbst die Präsentation der Wolle erfolgt in originalen Werkzeugkisten. Für Kund*innen steht zudem ein eigener Wollwickelservice mit Haspel und Wickler bereit.
Fair-Trade-Bedingungen und Tierwohl
Das Sortiment fokussiert sich stark auf Nachhaltigkeit, Fair-Trade-Bedingungen und Tierwohl. Neben deutschen Herstellern wie Pascuali, Lamana, Schoppel Wolle und Pro Lana bezieht die Werkstatt Garn von Rosa Pomar aus Portugal, um vom Aussterben bedrohte Schafrassen zu schützen, sowie vom norwegischen Hersteller Sandnes und der bayerischen Handfärberei Rohrspatz und Wollmeise. Nadeln bestehen vorwiegend aus Holz oder Bambus.
Zu den absoluten Kassenschlagern zählen:
- Die vegane Faser Arctic Pearl von Pascuali aus isländernischem Seegras und Zellulose.
- Die Project 10 Ledertasche des dänischen Herstellers Re:Design.
- Die Strickanleitung Sophie Scarf der bekannten dänischen Designmarke PetiteKnit.
Für Unentschlossene hat Philipp einen klaren Tipp: „Wenn man gerne handarbeitet, sollte man sich einmal ein Knäuel unserer Luxuswolle ROMA von Lamana gönnen. Reicht für ein kleines Halstuch und fühlt sich einfach wie ein Wölkchen an.“

Auch wer mit Nadeln wenig anfangen kann, kommt auf seine Kosten. Neben Keramik von Uli Richter, Ledertaschen und Souvenirs sorgen im Schaufenster wechselnde Strick-Arrangements – aktuell ein Oktopus nebst Fischen und Quallen – für Blicke. Hinzu kommen Illustrationen von Fibrevalleyart sowie Notizblöcke und Postkarten der Leipziger Künstlerin Slinga. Philipp ergänzt schmunzelnd: „Wenn man es nicht so mit Handarbeiten hat, dann hat man hoffentlich Humor und mag die Wortspiele auf unseren Postkarten und Notizblöcken von Slinga: Ich meine, wer muss nicht schmunzeln, wenn er auf einer Karte oder einem Sticker liest: SCHEISS MAUSAUFGABEN“.
Begegnungsort unterhalb vom Frauenplan
Durch die Lage nahe dem Bachhaus und Frauenplan zieht die Marienwerkstatt vermehrt auch ausländische Kundschaft an. Neben dem Verkauf verstehen sich die Räume als Treffpunkt. Jeden Donnerstagabend und Samstagnachmittag kommen Menschen zwischen Anfang 20 und Anfang 80 zu Handarbeitstreffs zusammen, bei denen Philipp Hilfestellung leistet oder Anleitungen übersetzt. Montags lässt sich der Raum für Gruppen mieten, ergänzt durch eigene Events wie etwa zum Valentinstag. Zudem stellt das Team mit einer mechanischen Rundstrickmaschine (addi Kingsize) eigene Mützen und Schals her.
Es war eine Chance
Als Lebenstraum möchte Bärbel Philipp das Projekt dennoch nicht verklären: „Ich bin weit davon entfernt, die Marienwerkstatt als die Erfüllung eines Traums zu bezeichnen. Es war eine Chance – die zum richtigen Zeitpunkt, mit dem passenden Objekt und mit Menschen, die uns unterstützen, Ideen liefern, zupacken – auf uns zukam und die wir ergriffen haben.“
Ihr wollt Teil unserer Serie „t.akt-Lieblingsladen“ sein und habt einen lokalen, inhabergeführten Laden? Schreib uns einfach eine E-Mail an: info-takt-magazin@funkemedien.de mit dem Betreff „Lieblingsladen“.
Hard Facts:
- Wo: Marienstraße 9, 99817 Eisenach
- Wann: Montag: geschlossen | Dienstag: 10 bis 17 Uhr | Mittwoch: 10 bis 17 Uhr | Donnerstag: 13 bis 19 Uhr (Handarbeitstreff: 17 bis 19 Uhr) | Freitag: 10 bis 17 Uhr | Samstag: 11 bis 16 Uhr (Handarbeitstreff: 14 bis 16 Uhr)
- Digital präsentiert sich die Marienwerkstatt über einen Onlineshop unter marienwerkstatt.de
- sowie über ihren Instagram-Kanal
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