Pilz-Saison im Peak: Die besten Spots in Thüringen für Schwammerl-Fans
Wer sich jetzt auf die Suche nach Röhrlingen, „Schwammerln“ und Co. begibt, ist wahrlich ein Glückspilz – vorausgesetzt, er wird überhaupt fündig. Denn Korb in die Hand nehmen und einfach losziehen reicht oftmals leider nicht.
Thüringen: Herbst- und Pilzzeit
Daher könnte so mancher beim Pilze sammeln früher oder später auch mal verzweifeln. Damit euch das nicht passiert und ihr an den richtigen Stellen sucht, haben wir uns über die besten Spots in Thüringens Wäldern schlau gemacht. Neben den tollsten Tipps haben wir auch einige Regeln und aktuelle Fakten rausgesucht.
Pilze und das Wetter
Der Herbst ist für viele Thüringer:innen die Pilz-Zeit schlechthin. Wie ergiebig die Suche in diesem Jahr ausfällt, hängt stark vom Ort ab. Der Sommer 2026 sei vielerorts trocken und heiß und damit waldpilzfeindlich gewesen, teilt Dr. Horst Sproßmann von ThüringenForst mit. Trotzdem könne die „Schwammerlsuche“ in Regionen mit lokalen spätsommerlichen Niederschlägen durchaus ergiebig sein.
Die unterschiedlichen Gesteine und Böden sowie Laub-, Nadel- und Mischwälder machen Thüringen als Pilzregion nahezu einzigartig. Hinzu kommen einerseits feuchte Höhenlagen und andererseits trockenwarme Kalkgebiete. Diese Kombination aus günstigen Faktoren macht Thüringen zu einem der artenreichsten Pilzgebiete Deutschlands. Einschlägige Onlineportale verraten fünf Gebiete im grünen Herzen Deutschlands, zu denen sich ein Ausflug besonders lohnen kann:
Südharz
Der Südharz erstreckt sich zwischen Osterode am Harz im Westen und Mansfeld im Osten, dazu das direkt angrenzende südliche Harzvorland rund um Nordhausen. Bekannt ist das Gebirge für seine Karstlandschaft, wo die Berglandschaften schon von Weitem weiß leuchten. Mit seinen ausgedehnten Nadelwäldern und sandigen Böden gilt es als eines der bekanntesten Pilzgebiete in Thüringen. Typische Funde sind Hexenröhrlinge, Maronenröhrlinge, Steinpilze sowie Frauen- und Speisetäublinge.
Thüringer Wald und Rennsteig
Der Thüringer Wald ist ein gut 1000 Quadratkilometer großes, dicht bewaldetes Mittelgebirge, das im engeren Sinne ein etwa 70 Kilometer langes sowie 20 Kilometer breites Kammgebirge zwischen Eisenach und Ilmenau umfasst. Der Rennsteig wiederum ist ein 170 km langer Kammweg, der unter anderem durch den Thüringer Wald verläuft. In beiden Gebieten sorgen große Waldflächen und unterschiedliche Höhenlagen für Vielfalt. Zu finden sind dort Steinpilze in Fichtenwäldern, Pfifferlinge in Höhenlagen und Krause Glucke in Kiefernbeständen.
Thüringer Schiefergebirge und Obere Saale
Der Naturpark Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale erstreckt sich über eine Fläche von 800 Quadratkilometern und verbindet die Naturparks Thüringer Wald und Frankenwald zu einem großen, geschlossenen Schutzgebiet. Mit Highlights wie dem Hohenwarte-Stausee, den Feengrotten bei Saalfeld und dem Rennsteig bietet er vielfältige Natur- und Kulturattraktionen. Beide Gebiete gelten mit ihren höheren Lagen und feuchten Wäldern ebenfalls als sehr gute Sammelgebiete, je nach Waldtyp mit Röhrlingen und Pfifferlingen.
Steiger, Webicht, Possen und Nordhainich
Der Steiger als Stadtwald von Erfurt, der Webicht als Waldgebiet bei Weimar sowie der Berg Possen nahe Sondershausen, aber auch der Nordhainich nahe Mühlhausen sind allesamt Laub- und Mischwaldgebiete. Dort herrschen gute Bedingungen für Hallimasch und weitere Laubwaldpilze.
Pilz-Erlebnispfad Gräfenwarth
Auf dem circa sechs Kilometer langen Rundweg entlang des Bleilochstausees kann man an 13 verschiedenen Stationen Bau, Entwicklung und Vielfalt der Pilze erleben. Zu den einzelnen Stationen gehören unter anderem der Mariechenblick, der Barfußpfad Wildwiese oder die Kirche Gräfenwarth. Auf dem Erlebnispfad selbst wird jedoch nicht nur informiert, sondern auch ausprobiert.

Für den ersten Ausflug empfiehlt eines der genannten Onlineportale den Südharz als verlässlichste Wahl. Wer in Süd- und Westthüringen unterwegs ist, findet entlang des Rennsteigs eine passende Alternative.
Worauf es im Wald ankommt
Pilze wachsen vor allem in feuchten, älteren Wäldern mit viel Totholz, Moos und passenden Baumpartnern – besonders nach mehreren Regentagen und bei milden Temperaturen. Waldränder, Lichtungen, Wegegräben, moosige Bereiche und alte Baumstümpfe sind oft ergiebiger als dichter, dunkler Jungwald. Gemeldet werden aktuell vor allem Steinpilze, Maronen, Sandpilze, Hexenröhrlinge, Rotkappen, Birkenpilze, Reizker und Täublinge.
Pilze sammeln will gelernt sein
Anfängern empfehlen Förster laut ThüringenForst Arten, die sich sicher bestimmen lassen und keinen ungenießbaren Doppelgänger haben. Der Steinpilz etwa wächst in Nadel- und Laubwäldern, hat einen braunen Hut, eine Netzstruktur am Stiel und bläut nie. Maronen- und Hexenröhrling bläuen dagegen stets, die Färbung verschwindet beim Garen. Die Krause Glucke ähnelt einem Badeschwamm und wächst an Wurzeln und Stammanläufen von Nadelhölzern, vorzugsweise Kiefern – am besten nur das oft saubere obere Drittel ernten. Der Edel-Reitzker steht ausschließlich in Kiefernnähe und ist an orangerotem Milchsaft und hohlem Stiel zu erkennen.

Erlaubt sind laut besagten Onlineportalen wiederum nur geringe Mengen für den Eigenbedarf – als Faustregel gilt etwa ein Kilogramm pro Person und Tag. Der Verkauf ist verboten. In Naturschutzgebieten und im Nationalpark Hainich darf gar nicht gesammelt werden. Zudem ist ein offener Korb statt einer Plastiktüte ratsam, sorgt dieser doch für Luftzufuhr, verhindert Schwitzen und schnelles Schimmeln und lässt Sporen fallen. Weiterhin sollten junge, alte, zerfressene oder unbekannte Pilze stehen bleiben – bei Lamellenpilzen ist die Verwechslungsgefahr besonders hoch. Ein letzter Tipp betrifft schließlich den Gaumenschmaus: Waldpilze nie roh essen, immer erhitzen! Das schließt das Risiko einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm aus.
Wer noch unsicher ist, kann stets das Netz ehrenamtlicher Pilzsachverständiger der Pilzberatung Thüringen nutzen und fachkundige Experten zu Rate ziehen. KI, Fotos oder Videos reichen nach Expertenmeinung dafür bei Weitem nicht aus.
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