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Fakt oder Fake? – Weimar feiert ein ganz besonderes Festival

21. Oktober 2026 • Geschrieben von Daniel Dreckmann
Das Geschichts-Festival "Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte" lädt vom 30. Oktober bis zum 1. November in Weimar und mit zahlreichen Vorab-Veranstaltungen in ganz Thüringen zu spannenden - ausnahmslos kostenlosen - Diskussionen, Podiumsveranstaltungen, Konzerten, Filmvorführungen und (ganz neu) Computerspielen ein.
Der Andrang wird bestimmt wieder riesig sein: Das Geschichts-Festival "Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte" lädt vom 30. Oktober bis zum 1. November in Weimar und mit zahlreichen Vorab-Veranstaltungen in ganz Thüringen zu spannenden - ausnahmslos kostenlosen - Diskussionen, Podiumsveranstaltungen, Konzerten, Filmvorführungen und (ganz neu) Computerspielen ein. Foto: Jana Groß

Beim inzwischen 18. Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte, das vom 30. Oktober bis zum 1. November stattfindet, geht es um „Fakt oder Fake“. 40 Veranstaltungen und Podien mit über 80 teilnehmenden Personen erwarten die Besucherinnen und Besucher. Und so haben Pressesprecher Hieronymus Heine und Josephin Kalok, verantwortlich für Marketing und Social Media, im t.akt-Gespräch viel zu erzählen.

Rendez-vous mit der Geschichte – um aus der Geschichte zu lernen

Wie kam man zum Beispiel auf das Motto dieses Jahres – „Fakt oder Fake“? „Wir erhalten bei unserer Planung und Gestaltung des Festivals Unterstützung von einem wissenschaftlichen Beirat, derzeit bestehend aus 24 Personen, der Vorschläge zu gesellschaftlich relevanten Themen und Forschungsergebnissen macht. Wir stimmen uns dann ab, was davon wie gut umsetzbar ist. Das ist ein offener Prozess, der sehr inspirierend ist. Und Propaganda, Mythen und verfälschte Geschichtsbilder sind nun einmal Themen, die gerade leider sehr aktuell sind“, sagt Josephin Kalok. Und Hieronymus Heine ergänzt: „Es geht uns dabei immer darum, zu zeigen, dass sich der Blick in die Geschichte lohnt, um unsere Gegenwart besser zu begreifen.“

Weimar besticht mit liebevoll organisierten Veranstaltungen

Was bei einem Blick auf das Programm auffällt, ist die Buntheit und Vielseitigkeit – von Vorträgen, über Podiumsdiskussionen, Spielfilme und Musik bis hin zum Kabarett. Wie schwer ist es, so viele verschiedene Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu gewinnen? „In den vergangenen Jahren ist ein großes Netzwerk an Kontakten entstanden, das hilft, auch immer wieder neue Leute zu gewinnen“, sagt Hieronymus Heine. „Neues Publikum zu gewinnen bei so einer großen Veranstaltungsvielfalt ist herausfordernd, aber viele Besucherinnen und Besucher zu Stammgästen.“ Josephin Kalok ergänzt: „Die, die schon einmal da waren, bestätigen uns, dass die Veranstaltungen liebevoll organisiert sind und dass die Menschen gern kommen.“

Josephin Kalok beim Kneipenquiz des Festivals Rendez-vous mit der Geschichte in Weimar im Jahr 2024.
Josephin Kalok beim Kneipenquiz des Festivals Rendez-vous mit der Geschichte in Weimar im Jahr 2024. Foto: Jana Groß
Hieronymus Heine beim Festival Rendez-vous mit der Geschichte in Weimar im Jahr 2026.
Hieronymus Heine beim Festival 2026. Foto: Jana Groß

Ein Geschichts-Festival für alle – kostenlos und ohne Vorkenntnisse

Was die beiden zu der Botschaft bringt, die ihnen am wichtigsten ist: „Das Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte ist geeignet für alle Menschen, die Interesse an Geschichte haben oder die auch nur offen sind für anregende Begegnungen, Gespräche und neue Ideen“, betont Hieronymus Heine. „Man braucht keinerlei Vorkenntnisse. Begeisterung und Interesse reichen. Und alle Veranstaltungen sind kostenlos.“ Josephin Kalok stimmt ihm zu und meint: „Wir sind im Kern ein Geschichts-Festival und wollen natürlich auch Veranstaltungen mit Niveau bieten, aber wir sind kein trockener Geschichtskongress. Wir wollen eben nicht, dass hier jemand überfordert ist, sondern motivieren und zeigen, dass Geschichte Spaß machen kann.“

Weimarer Rendez-vous zeigt erstmals Computerspiele mit Geschichtsbezug

Besonders deutlich wird das beim beliebten Kneipen-Quiz am Samstag oder beim History Games Lab. Hier werden erstmals in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung und der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung Computerspiele mit Geschichtsbezug vorgestellt – im Fall von „SOKO 1977“ sogar noch vor dem offiziellen Start. Kostenlos kann man in diesem Computerspiel im Deutschland der 70er-Jahre terroristische Machenschaften aufdecken. Hochspannend ist auch „The Darkest Files“. Dieses Computerspiel, das die Strafverfolgung von NS-Verbrechen in der Nachkriegszeit thematisiert, wurde mit dem Deutschen Computerspielpreis 2026 ausgezeichnet. Und es gibt noch viel mehr auszuprobieren. Mit einigen der Spieleentwickler kann man sogar ins Gespräch kommen.

Höhepunkte in Weimar: Theo Koll, Kretschmann, Ramelow – und ein Brettspiel

Auch interessante Brett- und Kartenspiele werden vorgestellt. Etwa ein Spiel aus der DDR, das gerade wiederentdeckt wird: 1983 entwickelte der sächsische Physiker und Bürgerrechtler Martin Böttger das satirisch-böse Brettspiel „Bürokratopoly“, um die DDR, das Politbüro und den gesamten bürokratischen Apparat der DDR aufs Korn zu nehmen – „Wer schafft es mit Hilfe von Denunziation und Korruption vom Arbeiter zum Generalsekretär?“ Josephin Kalok und Hieronymus Heine sind gespannt, wie all diese neuen Angebote angenommen werden.

Und welche Veranstaltung sollte man auf keinen Fall verpassen? Die beiden schauen sich an, und es sprudelt nur so aus ihnen heraus: Die offizielle Auftaktveranstaltung mit ZDF-Fernsehmoderator Theo Koll unter dem Titel „Stirbt die Wahrheit?“ am Freitag, 30. Oktober, nennen sie als erste. Am Samstag, 31. Oktober, diskutieren Baden-Württembergs ehemaliger Ministerpräsident, Winfried Kretschmann, und die Politikwissenschaftlerin Dr. Maike Weißpflug über das Thema „Wahrheit und Lüge in der Politik“. Und am Sonntag, 1. November, streiten dann Thüringens ehemaliger Ministerpräsident Bodo Ramelow, der Geschichtsprofessor Jörg Baberowski und Justus von Daniels, Chefredakteur bei Correctiv im TLZ-Sonntags-Salon über das Thema „Gibt es noch eine liberale Öffentlichkeit?“. Moderiert wird die Veranstaltung von der Chefredakteurin der Thüringischen Landeszeitung, Gerlinde Sommer.

Ein „Rendez-vous mit der Geschichte“ gibt’s vorab an vielen Orten in Thüringen

Nach „Geheimtipps“ gefragt, verweisen Hieronymus Heine und Josephin Kalok vor allem auf die Veranstaltungen im Vorfeld, die nicht in Weimar stattfinden, aber interessante Einladungen zu einem „Rendez-vous mit der Geschichte“ sind. Am Donnerstag, 22. Oktober, geht es zum Beispiel in der Villa Rosenthal in Jena um das Thema „Lüge als Staatsprinzip? – Vom NS-Staat zur Untergrabung der Wahrheit heute“. Am Dienstag, 27. Oktober, kann man sich in der Erinnerungsstätte Topf & Söhne in Erfurt zum Thema „Leugnen, verharmlosen, relativieren. Der Holocaust und die extreme Rechte“ informieren. Außerdem geht es am Mittwoch, 28. Oktober, fast zeitgleich in der Stadt- und Regionalbibliothek in Gera um das Thema „Lügen, manipulieren, hintergehen – Was man von den Stasi-Methoden ahnte, und was die Akten erzählen.“ sowie im Logenhaus Mühlhausen um das Thema „Ist das echt oder kann das weg? Fakes im Museum und in der Geschichte“. Das vollständige Programm ist im Internet einzusehen unter: https://weimarer-rendezvous.de/de/programm/

Einfach in Weimar treiben lassen und neugierig sein

Und was wünschen sich die beiden für das Festival? „Viele spannende Diskussionen und offenen Austausch“, sagt Hieronymus Heine spontan. Und Josephin Kalok meint: „Wenn viele Gäste – vielleicht sogar zum ersten Mal – kommen und sich anhand des Programms einfach von einer kostenlosen Veranstaltung zur anderen treiben lassen würden, um Neues für sich zu entdecken, das wäre toll.“

Hard Facts:

  • Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte
  • Freitag, 30. Oktober, bis Sonntag, 1. November
    außerdem Vorabveranstaltungen an verschiedenen Orten in Thüringen
  • Das vollständige Programm mit allen Veranstaltungen und Veranstaltungsorten gibt es hier.
  • Alle Veranstaltungen sind kostenfrei.

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