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Restaurantkritik Thüringen: Der Patisserie-Himmel versteckt sich in Stelzendorf

27. Mai 2026 • Geschrieben von t.akt Magazin
In einem alten Vierseitenhof startet Patisserie mit neuem Konzept durch. Foto: Flo Held

Teilweise scheint es, als wäre ganz Ostthüringen von Würzfleisch und Roster-Lokalen besetzt. Ganz Ostthüringen? Nein! Ein von unbeugsamen Thüringerinnen bevölkerter Vierseitenhof hört nicht auf, der kulinarischen Eintönigkeit gegenüber Widerstand zu leisten.

In Stelzendorf entsteht ein Märchen aus Leckereien und  Weltoffenheit

Hier, an diesem wundersamen Ort, wird so einiges anders gemacht, als man es erwarten würde. Beginnend bei den Öffnungszeiten, die Wochenendtouristen systematisch ausschließen, über die unglaubliche und weltgewandte Auswahl an Getränken und Speisen bis hin zur absurden Lage im winzigen Örtchen Stelzendorf. Die Patisserie Bergmann sieht aus wie der Spielort eines Märchens oder mindestens eines romantischen französischen Films. Ist man hier Gast, so fühlt man sich wie in einer zauberhaften Geschichte.

Patisserie erzählt eine Geschichte aus Torten und Träumen 

Überregionale Aufmerksamkeit hat die Patisserie mit ihren Torten erlangt. Selten habe ich so liebevoll und wunderschön dekoriertes Gebäck gesehen, wie in der sonnigen Landhaustheke in Stelzendorf. Blüten, Früchte, kleine Cremeklekse und Nüsse – jedes Stück Torte ist ein kleines Kunstwerk. Man spürt die perfekte Balance aus handwerklichem Können und Idealismus.

Wenn hier schon Torten gebacken werden, dann richtig! Das scheint auch das Motto für die Konzeption des überaus beliebten Freitagsfrühstücks zu sein. Hier wird wirklich abgeliefert. In einer Tour werden große Servierplatten mit den verschiedensten Köstlichkeiten ans Buffet gebracht: Türkische Eier in Joghurtsoße, Waffelherzen mit Erdbeersoße, golden gebackene Quiche, frische Salate, kleine Granola-Cups und kunstvoll aufgetürmte Pavolva.

Hof in Thüringen verwandelt Frühstück in ein Erlebnis mit Haltung 

Es ist ein Spektakel, das seinesgleichen sucht. Und was mich daran besonders abholt: Es ist nicht nur schön und kreativ, sondern auch richtig köstlich.

Wie vegan und festlich zusammen glänzen 

Kein Wunder also, dass sich in der alten und reich dekorierten Scheune ganz verschiedene Menschen über die Leckereien hermachen. Grüppchen von Seniorinnen sitzen neben einer mittelalten Männergruppe, junge Familien schaukeln ihre Kinder auf den Knien und Paare gönnen sich eine Auszeit aus dem Alltag. An einem Tisch wird auf eine goldene Hochzeit angestoßen.

Und irgendwie funktioniert auch das, was andere Betreiberinnen sich vielleicht nicht trauen würden: Rezepte, die aus der ganzen Welt mitgebracht wurden, Kaffee-Trendgetränke, wie man sie aus hippen Coffeeshops in Berlin kennt, eine gewaltige vegetarische Auswahl, veganer Kuchen, ein riesiges „Weltoffenes Thüringen“-Banner im Hof.

Ein Kleinod, das Vielfalt erlebbar macht

Bei Betreiberin Doreen Bergmann in ihrem kleinen Märchenland funktioniert all das. Es ist, als würden sich für ein paar Stunden alle darauf einigen, dass das Leben ja auch leicht und schön sein kann. Dass man sich auch einfach mal nicht über Hafermilch und teure Spritpreise ärgern muss, sondern einfach mal genießen kann.

Märchenhof lässt Thüringen seine süße Seite neu denken

Die Patisserie Bergmann ist ein Kleinod, ein besonderer Ort mit einer einzigartigen Atmosphäre und besonders köstlichen Speisen. Es tut gut fürs Herz, hierherzukommen und sich auf eines der gemütlichen Sofas in der Nähe des Kamins zu setzen, in der Vielfalt des Buffets oder der Kuchentheke zu schwelgen und dankbar zu sein für die kleinen Wunderbarkeiten des Lebens.

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