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Neues Projekt macht Geschichte in Thüringen mit interaktiver Rallye erlebbar

21. Juni 2026 • Geschrieben von Florian Dobenecker
Buchenwald Memorial © Henry Sowinski, Genius Loci Weimar 2024
Geschichte begegnet jungen Menschen oft im Klassenzimmer. Die Darbietungsform der Inhalte ist dann oft eher trocken. Mit der Gedenkstätten-Rallye „Nächste Station: Erinnerung“ will die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) Thüringen nun einen anderen Weg gehen: raus aus dem Unterricht, hinein in die historischen Orte des Freistaats. Bis Ende Oktober können Kinder und Jugendliche sechs Erinnerungsorte besuchen und sich dort auf spielerische Weise mit deutscher Geschichte auseinandersetzen.

Thüringen macht Erinnerungskultur mit Rallye neu erlebbar 

„Wir möchten die intrinsische Motivation von Jugendlichen fördern, Erinnerungsorte für sich zu erschließen“, sagt Anne Kalies von der LKJ Thüringen, die das Projekt betreut. Freiwilligkeit und Mitgestaltung stünden dabei im Mittelpunkt. „Gedenken und Erinnern soll als etwas vermittelt und wahrgenommen werden, das die eigene Lebensrealität betrifft und individuell erfahren werden kann.“

Rallye verbindet Thüringer Gedenkorte mit aktiver Beteiligung 

Die Rallye führt durch die Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt, den Erinnerungsort Topf & Söhne, die Gedenkstätte Buchenwald, Point Alpha, das Grenzlandmuseum Eichsfeld und das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth. Die Auswahl sei bewusst getroffen worden, erklärt Kalies: „Der Fokus sollte auf verschiedene Arten von Erinnerungsorten gelegt werden.“ So gehe es nicht nur um den Nationalsozialismus, sondern auch um die SED-Diktatur und die Geschichte der deutschen Teilung.
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Das Konzept ist bewusst niedrigschwellig. Interessierte erhalten das Rallye-Heft „Nächste Station: Erinnerung“ kostenlos in den teilnehmenden Einrichtungen oder über die LKJ Thüringen. An jeder Station warten drei Aufgaben auf die Teilnehmenden. Mal müssen Fragen beantwortet, mal Protestschilder oder Wappen gezeichnet werden. An anderen Orten sollen Eindrücke mit Freundinnen und Freunden geteilt oder historische Situationen nachvollzogen werden.

Thüringen verbindet Gedenken mit Mitmachen

Dabei steht weniger das reine Faktenlernen im Vordergrund als die persönliche Auseinandersetzung. „Die Aufgaben fördern das Reflektieren, Mitfühlen und Gestalten“, erklärt Kalies. Themen wie Ausgrenzung, Diktatur, Unterdrückung und Stigmatisierung würden dadurch greifbarer.

Buchenwald wird Teil eines neuen Bildungsformats in Thüringen

In Buchenwald können Jugendliche etwa darüber nachdenken, welche historischen Themen bis heute ihren Alltag berühren. In Point Alpha wird erfahrbar, wie einschneidend Reisebeschränkungen für Menschen an der innerdeutschen Grenze waren. Im Grenzlandmuseum Eichsfeld geht es um den Verlust von Heimat, während in Mödlareuth deutlich wird, wie eine Grenze sogar den Schulweg beeinflussen konnte. Wer drei der sechs Stationen besucht und die Aufgaben erfolgreich abschließt, kann am Gewinnspiel teilnehmen. Ergänzend bietet die App „Thüringer Kulturpass“ zusätzliche Informationen und freiwillige Aufgaben. Für die historische Erinnerungslandschaft Thüringens sieht Judith Mayer von der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße einen weiteren Vorteil: „Mit der Rallye erreichen wir Familien, die sich Gedenkstätten in Thüringen anschauen und über das Mitmachheft gemeinsam ins Gespräch kommen über die deutsche Geschichte.“ Gleichzeitig mache die Aktion sichtbar, wie vielfältig die Erinnerungsorte im Freistaat sind.

Thüringen verknüpft Gedenken mit persönlicher Erfahrung

Die Rallye ist Teil des Jubiläumsjahres des Thüringer Kulturpasses, der 2025 sein 20-jähriges Bestehen feiert. Was als Kulturprojekt begann, wird damit auch zu einer Einladung, Geschichte nicht nur zu lernen, sondern selbst zu entdecken. Oder wie ein bekannter Philosoph einst sagte: „Wer nicht aus der Geschichte lernt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“

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