Rutschig, steil und völlig zugewachsen: Vorsicht vor diesen Thüringer Wanderwegen!
Was sind die schönsten Wanderungen in der Saale-Unstrut-Region? Diese Frage stellte ich mir im Sommer und Herbst letzten Jahres, als ich für ein Buch 20 Routen an der Grenze von Thüringen und Sachsen-Anhalt zusammenstellte.
Besondere Thüringer Wanderwege
Die Idee: Von Touren einer beliebten App für Outdoor-Aktivitäten (Komoot) und einschlägigen Wanderwegen inspirieren lassen, zugleich aber auch durch ergänzende Pfade bei Open Street Maps eine eigene Note hinzufügen – und damit bei den vorgestellten Routen durch hübsche Aussichtspunkte oder Geheimtipps einen Mehrwert schaffen. Das hat auch auf Anhieb ganz gut geklappt – mit zwei Ausnahmen.
Saale-Unstrut Wanderungen mit historischen Highlights
Der Fernwanderweg Feengrotten-Kyffhäuser klingt reizvoll, schließlich verbindet er über 250 Kilometer Länge zwei bedeutende Sehenswürdigkeiten miteinander und führt vom Thüringer Saaletal nach Sachsen-Anhalt und an der Unstrut entlang. In Camburg folge ich seiner blauen Markierung in der Nähe des Bahnhofs und laufe bald am Fuße des Steinbergs auf breitem, erdigen Pfad durch den Stöbener Wald.

Leicht ansteigend erreichte ich nach etwa 1,9 Kilometern die Ruine der romanischen Cyriakskirche, die hier vermutlich bis zur Reformation stand. Ein Gedenkstein neben einem kleinen Glockenturm erinnert an die Montagsdemonstrationen 1989, an einer überdachten Rastbank wird auf einem laminierten Papier über Tiernachbildungen aus Schaumstoff aufgeklärt, die vom Camburger Bogenschützen e.V. auf einem Wald-und-Wiese-Areal aufgestellt sind.
Saale-Unstrut-Initiative setzt auf Erlebnis abseits der Hauptwege
Da der Wanderweg dem Parcours mit seinen skurril anmutenden Zielscheiben folgt, laufe ich ihn ab und suche nach einer Möglichkeit, wie ich fernab des Radwegs auf der anderen Seite der Saale auf einer Rundtour wieder zurück nach Camburg gelangen kann.
unbekannte Pfade werden erlebbar
Geht es vielleicht im Beckentälchen nach links weiter den steilen Hang hinauf als in den Karten angegeben? Nach 100 Metern in hohem Gestrüpp und im Slalom um querliegende Bäume kapituliere ich.

Enttäuscht folge ich dem Fernwanderweg Feengrotten-Kyffhäuser, der hinter dem Vereinshaus öde einen Kilometer direkt auf der Bankette der asphaltierten Landstraße nach Stöben führt. In Stöben führt er schattenlos direkt auf einem asphaltierten Radweg neben dem Bahndamm weiter nach Weichau. Zum Wandern wenig empfehlenswert, auch wenn die Ruine der Cyriakskirche einen Ausflug wert ist.
Wanderprojekt setzt auf verborgene Aussichtspunkte
Exakt einen Monat später bin ich besser vorbereitet – denke ich. Ich starte am Bahnhof Dornburg und folge kurz der Saale-Horizontale, bevor ich hinter dem Born auf Treppen hinaufsteige zu den Dornburger Schlössern. Ein wahrhaft fürstlicher Ausblick bietet sich von der Promenade vorbei am Rokokoschloss.
Historischen Ruinen und Waldpfade
Ich laufe auf dem Rundweg aus Dorndorf heraus, der an einer Reihe von Obstbäumen entlangführt, zum Aussichtspunkt Tännchen. Der Rundweg leitet im Zickzack durch einen dichten Buchenwald hinab zum Rinnsal des Röderbachs im Erdengraben bei Zimmern.

An einer Wegkreuzung halte ich mich links und folge dem Lauf des versickernden Bächleins auf einen etwas verwilderten, zunehmend schmalen Pfad stets am ausgespülten Ufer entlang. Im schattigen Wald ist die Wegführung stets klar – und ich freue mich auf den kleinen Wasserfall, hinter dem sich laut Open Street Maps der Weg verzweigen soll. Doch das Warten ist vergeblich: Etwa einen Kilometer weiter ist vom Weg nur mehr ein kleiner Trampelpfad übrig geblieben, der in abenteuerlicher Schieflage am oberen Ende eines steil abfallenden, erdigen Hangs entlangführt.
Matschwanderung in der Thüringer Natur
Auch wenn ich mit jedem Schritt aufs Neue einsinke, steige ich hinab ins ausgetrocknete Flussbett, in dem sich viel Totholz gesammelt hat. Ich steige auf der anderen Seite hinauf und schlage mich durch eine wild wuchernde Wiese querfeldein bis zu einem Feldweg durch, der oberhalb von Neuengönna an einer kleinen Deponie vorbeiführt.
Tolles Panorama an der Saale-Horizontale
Ich erreiche eine Bank mit fantastischer Aussicht Richtung Golmsdorf und treffe wieder auf die Saale-Horizontale. An die halte ich mich nun und gelange zunächst hinab an die Bundesstraße B88 und dann aussichtsreich wieder hinauf nach Dornburg, wo ich mich für den Rückweg zum Bahnhof abermals für den Abstieg über die Treppen entscheide.

Anstatt der beiden (Tor-)T(o)uren haben es beim zweiten Anlauf wirklich hübsche Alternativen ins Buch geschafft. Eine davon trägt die Überschrift „Geheime Buchten“ und wird dem Titel durch mehrere verborgene Badestellen am Saaleufer gerecht.
Mehr Cooltur-News für Euch: