Thüringen auf zwei Rädern: Zehn Sommerausflüge in der Region
Sonnenschein, warme Temperaturen und freie Zeit: Im Sommer bietet es sich an, Thüringen mit dem Fahrrad zu erkunden. Eine Radtour ist eine gute Gelegenheit, aktiv zu sein, die Natur zu genießen und dabei neue Ecken vor der eigenen Haustür kennenzulernen. Ob entspannte Feierabendrunde, Familienausflug oder sportliche Tagestour – passende Strecken gibt es für fast jeden Anspruch.
Zehn ausgewählte Routen – von der Feierabendrunde bis zur Tagestour
Durch Teichlandschaften im Saale-Orla-Kreis, entlang von Flüssen und auf ehemaligen Bahntrassen: Diese zehn Radtouren zeigen die abwechslungsreiche Landschaft Thüringens. Ein Radweg führt entspannt am Wasser entlang, der nächste hinauf zu weiten Ausblicken im Thüringer Wald. Auf dem Fahrrad geht es unter anderem zum „Thüringer Meer“, zu Burgen im Werratal, in die Bergbaugeschichte rund um Kamsdorf und zu den Zechsteinriffen der Orlasenke. Unser Überblick verrät, welche Radtour sich für Familien, Einsteiger:innen oder sportlich Ambitionierte lohnt.
#1 – Route durch das Land der Tausend Teiche
Wer Thüringen mit dem Rad erkunden will, ohne sich zu verausgaben, ist im Plothener Teichgebiet richtig – auch Land der Tausend Teiche genannt. Die Runde misst rund 18 Kilometer, verläuft überwiegend flach und startet in Plothen. Erste Station ist der Hausteich mit dem Pfahlhaus: Das über 350 Jahre alte Gebäude steht auf Lärchenpfählen und erzählt heute als Museum die Geschichte der Fischzucht. Danach geht es über den Naturlehrpfad durchs Landschaftsschutzgebiet, vorbei an Schilf, Wiesen und Wasserflächen. In Knau warten ein Renaissance-Rittergut und der Bahnhof, von dem aus Draisinen nach Ziegenrück fahren. Über die Kohlungsteiche und die Finkenmühle schließt sich der Kreis.
Auf einen Blick:
- Ort: Start und Ziel in Plothen, Saale-Orla-Kreis
- Strecke: 18 Kilometer, überwiegend flach
- Schwierigkeit: leichte Tour für Einsteiger und Familien mit Grundkondition
- Dauer: ca. 1 Stunde
- Besonderheiten: Draisinen Fahrten buchbar ab Bahnhof Knau bis Ziegenrück nach Voranmeldung; Genusspakete vorab buchbar im Gasthaus zum Plothenteich
- Einkehr: Gasthaus Plothenteich
- Wichtig: Die Route ist vor Ort nur teilweise oder gar nicht ausgeschildert – GPX-Track vorher herunterladen

#2 – Tour der schönen Aussichten: Schneekopf im mittleren Thüringer Wald
Diese Mountainbike-Runde führt über die höchsten Lagen des Thüringer Waldes und sammelt dabei Aussichtspunkte wie andere Touren Höhenmeter. Los geht es am Parkplatz Schneekopf bei Suhl-Gehlberg – der Schneekopf ist zugleich der höchste Punkt der Strecke und bietet bei klarem Wetter weite Blicke über die Region. Von dort führt der Weg über die Güldene Brücke zum Restaurant Mönchshof und weiter zur Hohen Warte, wo ein Aussichtsturm steht. Beide Stationen eignen sich sehr gut für eine Pause. Unterwegs wechseln sich schmale, naturnahe Pfade mit breiten, befestigten Forstwegen ab, dazwischen immer wieder Fichtenwald und Fernsicht. Kurz vor dem Ziel liegt die Suhler Hütte – ein passender Ort, um die Tour ausklingen zu lassen.
Auf einen Blick:
- Ort: Start am Parkplatz Schneekopf, Suhl-Gehlberg, Landkreis bzw. Stadt Suhl
- Strecke: 42 Kilometer, Mountainbike-Tour entlang des Rennsteigs, Mischung aus naturnahen Pfaden und Forstwegen
- Schwierigkeit: mittel, Vorsicht und Aufmerksamkeit nötig, aber keine besonderen Fähigkeiten
- Dauer: 4,5 Stunden
- Einkehr: Restaurant Mönchshof, Hohe Warte, Suhler Hütte
#3 – Zechsteinriffe in der Orlasenke
Diese Rundtour verbindet die Flüsse Saale und Orla – und damit auch den überregionalen Saaleradweg mit dem regionalen Orla-Radwanderweg. Auf 43 Kilometern zwischen 210 und 406 Metern Höhe geht es durch Dörfer, über Wiesen und Felder, immer wieder mit Blick auf die Zechsteinriffe. Diese Kalkfelsen sind geologisch europaweit einmalig und erzählen von der Erdgeschichte der Region. Start und Ziel ist wahlweise Saalfeld oder Pößneck. In Saalfeld lohnt ein Abstecher zu den Feengrotten samt Feenweltchen, in Unterwellenborn zur Gasmaschinenzentrale der ehemaligen Maxhütte – einem Industriedenkmal, in dem sich alte Produktionsabläufe nachvollziehen lassen. Pößneck ist bekannt für die Rosenbrauerei und die Geleebananen von Heinerle-Berggold.
Auf einen Blick:
- Ort: Start und Ziel in Saalfeld oder Pößneck
- Strecke: 43 Kilometer, 210 bis 406 Meter Höhe
- Schwierigkeit: mittel, Vorsicht und Aufmerksamkeit nötig, aber keine besonderen Fähigkeiten
- Dauer: 3 Stunden
- Besonderheiten: Zechsteinriffe als europaweit einmalige geologische Formation
- Einkehr: Gaststätten und Bäcker im Pößnecker Zentrum und in Ranis
- Wichtig: vor Ort nur teilweise oder gar nicht ausgeschildert – GPX-Track vorab herunterladen
#4 – Schleusetal-Radweg im Thüringer Wald
Der Schleusetal-Radweg startet am Bahnhof Rennsteig bei Schmiedefeld, mitten im UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald, und führt auf 34 Kilometern überwiegend bergab. Das erste Stück bis Allzunah verläuft gemeinsam mit dem Rennsteig-Radweg, vorbei am Bunkermuseum. Danach folgt die Strecke dem Tränkbach hinunter zur Trinkwassertalsperre Schönbrunn – am Aussichtspunkt Staudamm öffnet sich der Blick über das Wasser. In Schönbrunn selbst lohnen das Gewürzmuseum und das Terrassenbad einen Halt. Weiter geht es auf einer ehemaligen Bahntrasse über Lichtenau und Waldau zum Bergsee Ratscher, vorbei an Schleusingen mit der Bertholdsburg bis nach Rappelsdorf. Auf der Abfahrt nach Schönbrunn ist Vorsicht geboten: Dort sind viele Fußgänger und Autos unterwegs.
Auf einen Blick:
- Ort: Start am Bahnhof Rennsteig bei Schmiedefeld, Ziel derzeit Rappelsdorf, Landkreis Hildburghausen
- Strecke: 34 Kilometer, überwiegend bergab, teils auf ehemaliger Bahntrasse
- Schwierigkeit: leicht
- Dauer: knapp 3 Stunden
- Einkehr: Café Helene in Heckengereuth
- Achtung: Der Weg endet aktuell in Rappelsdorf. Wer weiter nach Kloster Veßra oder zum Werratal-Radweg will, muss auf die stark befahrene Landstraße L 1625 ausweichen. Eine Fortführung ist geplant.

#5 – Tannhäuser-Radweg von Wutha-Farnroda nach Immelborn
Der Tannhäuser-Radweg führt auf rund 30 Kilometern vom Fuß der Hörselberge bis ins Werratal. Start ist Wutha-Farnroda bei Eisenach, von dort geht es auf einer alten Bahntrasse nach Ruhla – vorbei an den Fachwerkhäusern von Thal. Ruhla war einmal ein Zentrum der Uhrenherstellung, heute lockt dort der Modellpark mini-a-thür mit Thüringen im Miniaturformat. Danach wird es anstrengend: Der Anstieg führt hinauf zum Rennsteig, wo Anschluss an den gleichnamigen Radweg besteht. Bergab geht es anschließend über den Pummpälzweg mit seinen geschnitzten Holzfiguren Richtung Bad Liebenstein, wo sich ein Abstecher zu Schloss und Park Altenstein lohnt. Im Werratal endet die Tour flach in Barchfeld und Immelborn.
Auf einen Blick:
- Ort: Start in Wutha-Farnroda bei Eisenach, Ziel Immelborn (Wartburgkreis); Rückfahrt: Ab Bahnhof Immelborn geht es mit dem Zug über Bad Salzungen und Eisenach zurück zum Ausgangspunkt
- Strecke: rund 30 Kilometer, deutlicher Anstieg zwischen Ruhla und Rennsteig, danach überwiegend bergab und flach
- Schwierigkeit: mittel, Vorsicht und Aufmerksamkeit nötig, aber keine besonderen Fähigkeiten
- Dauer: 2,5 Stunden
- Einkehr: Kaffee Mühle, Café „Gute Stube“, Hubertushaus, Waldgaststätte „Am Kissel“, Waldgasthof Heimatsgrund
#6 – Schmalkalder Gipfeltour Dolmar
Diese Runde gehört zur Serie der Schmalkalder Biketouren und führt auf rund 42 Kilometern von Schmalkalden auf den Dolmar und zurück. Über den beschilderten Radweg „Stiller Grund“ geht es zunächst auf die Wuhlheide, wo sich der Blick über das Haseltal mit der Hallenburg und dem Rennsteig öffnet. Danach folgt der Anstieg über den Osthang hinauf zum höchsten Punkt der Tour auf 731 Metern. Oben reicht die Sicht in alle Richtungen: nach Nordosten zum Inselberg mit seinen Türmen, nach Süden und Westen ins Werratal und bis in die Rhön. Zurück führt die Strecke über Metzels und die Oberwallbachsmühle, bevor der letzte Anstieg über die Herrenkuppe wartet.
Auf einen Blick:
- Ort: Start und Ziel in Schmalkalden, Landkreis Schmalkalden-Meiningen
- Strecke: rund 42 Kilometer, 786 Höhenmeter Aufstieg und 786 Meter Abstieg.
- Schwierigkeit: mittel-schwer, kann ohne spezifisches Techniktraining und mit geringer Vorerfahrung absolviert werden. Gute Kondition ist Voraussetzung.
- Dauer: 5 Stunden
- Einkehr: Charlottenhaus am Dolmar, Oberwallbachsmühle, Gaststube „Henneberger Haus“
#7 – Bergbauroute im Thüringer Wald
Auf rund 25 Kilometern verbindet dieser Radrundweg die Orte Saalfeld, Unterwellenborn, Könitz und Kamsdorf – und führt durch eine Landschaft, in der über vier Jahrhunderte lang Bergbau betrieben wurde. Das Wegzeichen zeigt entsprechend Schlägel und Eisen. Ein guter Startpunkt ist das Besucherbergwerk Kamsdorf mit zwei untertägigen Rundwegen; auf Wunsch geht es mit originalen Mannschaftswagen 500 Meter weit unter Tage. Von dort führt die Route über die Eisenstraße nach Saalfeld, vorbei an den Aussichtspunkten Wernburg und Schwedenschanze. In Unterwellenborn lohnt der Abstecher zum Industriedenkmal Maxhütte mit der Gasmaschinenzentrale, in Röblitz die Dorfkirche mit ihrem fünf Meter hohen Flügelaltar. In Könitz zeigt ein Heimatmuseum die Bergbaugeschichte der Region.
Auf einen Blick:
- Ort: Rundkurs zwischen Saalfeld, Unterwellenborn, Könitz und Kamsdorf, Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
- Strecke: rund 25 Kilometer
- Schwierigkeit: leicht
- Dauer: 2 Stunden
- Besonderheiten: Besucherbergwerk Kamsdorf mit zwei untertägigen Rundwegen und Fahrt im Mannschaftswagen; Industriedenkmal Maxhütte mit Gasmaschinenzentrale; Aussichtspunkte Wernburg und Schwedenschanze
- Einkehr: Sächsische Kaffeestube
#8 – Große Entdeckerrunde durch das Werratal ab Eisenach
Mit 70 Kilometern ist die Entdeckerrunde eine der längeren Radtouren in Thüringen – dank nur 189 Höhenmetern im Aufstieg aber gut zu fahren. Start ist Eisenach, von dort geht es am Rand des Nationalparks Hainich entlang nach Creuzburg, wo eine der ältesten Burgen Thüringens steht. Ab hier folgt die Route dem Werratal-Radweg bis Heldra, vorbei an Fachwerkorten, Kirchen und Anlegestellen an der Werra. Bei Treffurt lohnt ein Abstecher zu Fuß hinauf zur Burg Normannstein mit ihren drei Türmen aus dem 12. Jahrhundert. Ebenfalls zu Fuß erreichbar: der Heldrastein, der höchste Berg im Werratal. Auf dem Rückweg liegt das Stiftsgut Wilhelmglücksbrunn mit Restaurant und Biomarkt. Wer ab Ifta über Pferdsdorf und Spichra abbiegt, kommt nach Hörschel – dort beginnt der Rennsteig.
Auf einen Blick:
- Ort: Rundtour ab Eisenach durch das Werratal, Wartburgkreis; berührt den Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal und den Nationalpark Hainich
- Strecke: 70 Kilometer, 189 Höhenmeter Aufstieg, 183 Meter Abstieg
- Dauer: 5,5 Stunden
- Schwierigkeit: mittel, Vorsicht und Aufmerksamkeit nötig, aber keine besonderen Fähigkeiten
- Einkehr: Restaurant und Biomarkt im Stiftsgut Wilhelmglücksbrunn, Rastmöglichkeiten in Mihla und Treffurt

#9 – Oberlandradweg
Diese Runde führt auf 25,4 Kilometern von Schleiz ans Thüringer Meer und zurück. Start und Ziel ist Heinrichsruh, ein Aussichtspunkt oberhalb des Wisentatals. Über Oschitz erreicht man den Oberlandradweg, der auf einer ehemaligen Bahntrasse verläuft und asphaltiert ist – dammartig aufgeschüttet, mit weiten Blicken über Wiesen und Wälder. Von Burgk aus lohnen Abstecher zum Schloss und zum Saaleturm. Weiter geht es über Gräfenwarth zur „Steinernen Rose“ bei Kloster, einer Felsformation am Bleilochstausee. In Saalburg warten Kletterwald, Sommerrodelbahn und Schifffahrten auf dem Stausee. Der Rückweg führt bergauf Richtung Kulm – der anstrengendste Abschnitt der Tour – und über Wernsdorf und Raila zurück.
Auf einen Blick:
- Ort: Rundtour ab Heinrichsruh bei Schleiz, Saale-Orla-Kreis, am Bleilochstausee
- Strecke: 25,4 Kilometer, 351 Höhenmeter Aufstieg und 343 Meter Abstieg
- Dauer: 2 Stunden
- Schwierigkeit: mittel, Vorsicht und Aufmerksamkeit nötig, aber keine besonderen Fähigkeiten
- Einkehr: Kranich-Bistro, Hofcafé Orlamünder, das Konrad, Steffis Café
- Wichtig: vor Ort nur teilweise oder gar nicht ausgeschildert – GPX-Track vorab herunterladen
#10 – Herpftal-Radweg
Der Herpftal-Radweg folgt auf gut 25 Kilometern dem Lauf der Herpf, einem Nebenfluss der Werra. Start ist Walldorf, wo der Weg direkt an den Werratal-Radweg anschließt. Gleich am Ortsausgang liegt die Gaststätte Brückenmühle, deren Thüringer Klöße einen so guten Ruf haben, dass man am Wochenende reservieren sollte. Wer mit Kindern unterwegs ist, macht einen Abstecher zur Walldorfer Märchenhöhle – sie geht auf den früheren untertägigen Sandabbau zurück, der den Einheimischen den Spitznamen „Sandhasen“ einbrachte. Danach führt die Strecke leicht ansteigend durch Rhöndörfer wie Melkers, Herpf, Seeba und Bettenhausen. Dort bietet das Kulturhaus als Bett-und-Bike-Station eine Fahrradgarage und eine E-Bike-Ladesäule. In Gerthausen endet der Weg am Rhön-Rennsteig-Radweg.
Auf einen Blick:
- Ort: von Walldorf bei Meiningen bis Gerthausen, Landkreis Schmalkalden-Meiningen, in der Thüringer Rhön
- Strecke: 25,4 Kilometer, tiefster Punkt 278 Meter, höchster 488 Meter
- Dauer: 2 Stunden
- Schwierigkeit: leicht
- Besonderheiten: Walldorfer Sandsteinhöhlen mit Märchenhöhle und Freizeitpark; Bett-und-Bike-Station im Kulturhaus Bettenhausen mit Fahrradgarage und E-Bike-Ladestation
- Einkehr: Imbiss Fleischerei Hubertus, Kulturhaus Bettenhausen, Hotel & Restaurant Brückenmühle
- Achtung: Der Beginn des Radwegs in Walldorf ist nicht ausgeschildert. Gegenüber der Brückenmühle muss eine stark befahrene Landstraße gequert werden.
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