Text: Roya Hedayati
Gleich nach dem Ausstieg aus dem Zug war klar: Dieser Samstag wird anders. Schon auf dem Bahnsteig leuchteten bunte Perücken in Rosa, Rot oder Blau zwischen den Reisenden hervor. Menschen in aufwendigen Kostümen, mit Schwertern, Flügeln oder kunstvoll geschminkten Gesichtern strömten durch den Erfurter Hauptbahnhof – unabhängig von Alter oder Geschlecht.
Elegant, schrill und detailiert
Manche elegant, manche schrill, manche bis ins kleinste Detail einem bekannten Charakter nachempfunden. Die Vorfreude war überall spürbar: Der 9. Comicpark im egapark Erfurt verwandelte das Gelände am Wochenende des 9. und 10. Mai 2026 erneut in einen Treffpunkt für Comic-, Manga-, Cosplay- und Fantasy-Fans.
Wenn Cosplay zur Kunst wird
Ab 10.30 Uhr öffneten sich die Tore, eine halbe Stunde später begann bereits das Programm. Zaubershow, Workshops, Musik und Cosplay – überall lockten Veranstaltungen. Meine Wahl fiel zunächst auf den Cosplay-Catwalk. Eine gute Entscheidung. Auf dem Gelände begegneten mir Figuren aus Star Wars, den Ghostbusters, aus Anime-Serien und Fantasy-Welten.
Manche Kostüme wirkten, als kämen sie direkt aus einem Filmset. Es war offensichtlich: Hier steckten nicht nur Kreativität, sondern oft Wochen oder sogar Monate Arbeit drin. Nähen, Basteln, Schminken, Accessoires bauen – und am Veranstaltungstag wahrscheinlich schon vor Sonnenaufgang aufstehen, um Make-up und Styling perfekt hinzubekommen.
Eine Welt hinter jeder Ecke
Gemeinsam mit meiner Kollegin Sarina Pietsch zog ich anschließend durch den egapark. Das Wetter spielte mit: Sonne, milde Temperaturen, ein leichter Wind – perfektes Festivalwetter. Überall auf dem Gelände standen Themenzelte, Lager und liebevoll gestaltete Kulissen. Einige Gruppen hatten ganze Fantasiewelten aufgebaut – mit Lagerfeuern, rustikalen Sitzgelegenheiten und Requisiten, die das Gesamtbild perfekt machten. Natürlich war alles Kulisse – aber eine beeindruckend authentische. Immer wieder gab es Fotospots, an denen Besucher mit ihren Lieblingscosplayer posieren konnten. Hinter jeder Ecke wartete eine neue Überraschung.
Ein Hauch von Akihabara in Erfurt
Vorbei am Torii und dem japanischen Garten hörten wir plötzlich Musik. Eine helle Stimme, rhythmische Klänge, Jubel. Auf der Bühne im japanischen Viertel trat das Solo-Idol Hitomi Aizawa auf. Mit viel Charme, Energie und fröhlichen Popsongs brachte sie ein Stück Akihabara nach Erfurt. Das berühmte Viertel in Tokio gilt als Zentrum der Anime-, Manga- und Gaming-Kultur. Vor der Bühne tanzten Zuschauer, sangen mit und ließen sich von der Begeisterung anstecken.
Eigentlich wollten wir weiter zur Bühne 1 – dort sollte um 13.15 Uhr die Deutsche Cosplay-Performance-Meisterschaft beginnen. Doch auf direktem Weg voranzukommen war nahezu unmöglich, denn überall gab es etwas zu entdecken. Die 2024 gegründete CPMD stellt vor allem das schauspielerische und performative Talent der Cosplayerinnen und Cosplayer in den Mittelpunkt – nicht das selbst angefertigte Kostüm.
Figuren aus bekannten Filmen, Serien und Spielen
Besonders ins Auge fiel mir eine Gruppe aus „Alice im Wunderland“: der verrückte Hutmacher, detailreich geschminkt und kostümiert, wirkte fast wie direkt aus dem Film entsprungen. Natürlich blieb ich stehen, machte Fotos und sagte der Cosplayerin, wie beeindruckt ich war. Und dann fuhr plötzlich Batman vorbei – auf seinem Batmobil, das sich bei genauerem Hinsehen als Quad entpuppte. Ein Fahrzeug wie aus dem Film „Mad Max“. Menschen mit Kettensägen. Familien im Partnerkostüm. Pilze, Feen, Superhelden, Animefiguren und Fantasywesen – als hätten sich unzählige Welten für einen Tag in Erfurt getroffen.
Kreativität mit Botschaft
Als wir schließlich an der Bühne ankamen, war die Wiese davor bereits voll. Kostümierte Besuchende saßen im Gras, standen dicht an dicht oder posierten für Fotos. Auf der Bühne begeisterte zunächst eine Fechtgruppe aus Braunschweig mit einer spektakulären Show, bevor der Cosplay-Wettbewerb begann. Viele Auftritte waren nicht nur kreativ, sondern überraschend aktuell: Themen wie Nachhaltigkeit, gesellschaftlicher Wandel oder Rollenbilder wurden in aufwendig inszenierte Performances eingebaut.
Gegen 15 Uhr musste ich mich auf den Rückweg machen. Im Gepäck hatte ich viele Fotos, viele Eindrücke – und einen Gedanken, der geblieben ist: Nächstes Jahr komme ich nicht nur als Beobachterin zurück – beim nächsten Comicpark will ich selbst Teil davon sein, im Kostüm.


















































