Interview: Sophie Maureen Klefisch
„Hakuna Matata“, eine Phrase aus der Suaheli-Sprache, die für eine sorglose Lebensphilosophie steht und durch Disneys „Der König der Löwen“ weltweit bekannt geworden ist. Dieser Song und viele weitere aus der Feder von Elton John und Hans Zimmer sind Teil des Konzerterlebnisses „Der König der Löwen – The Music Live in Concert“, das am Freitag, 23. Januar, einen Tourstop in der Alten Oper Erfurt machen wird. Es spielt das Ensemble der Cinema Festival Symphonics, ein Chor und einige Solist:innen vervollständigen den Sound.
König der Löwen kommt nach Erfurt
Mit dabei ist Sänger Yonatan Pandelaki. Der gebürtige Indonesier schlüpft im Laufe des Abends in die unterschiedlichsten Rollen und steht etwa als Simba, Scar oder Pumba auf der Bühne. Die Tour startet bereits am 31. Dezember in Graz mit einer Weihnachtsaktion, dann geht es im Januar und Februar auf Reise durch ganz Deutschland. Knapp 50 Konzerte werden gespielt, der Vorverkauf für die Tickets läuft bereits.
Wie kam es dazu, dass Sie als Sänger mit „Der König der Löwen“ auf Tour gehen?
Ich habe ein Tonstudio in Kiel. In der Pandemie hat mich Ulrich Gerhartz, der Geschäftsführer von Highlight-Concerts, zum ersten Mal für eine Produktion kontaktiert. Nach einigen CD Produktionen, in denen ich meine Stimme für einige Rollen verliehen habe, wurde ich eines Tages gefragt, ob ich kurzfristig für einen erkrankten Sänger auf der Tour von der „Eiskönigin“ On Ice einspringen konnte. Das war die Rolle von Sven. Ich habe die Songs innerhalb von zwei Tagen studiert, und stand in Berlin plötzlich vor circa 3000 Menschen auf der Bühne.
In der Pandemie, wo sonst in der Musikbranche gar nichts los war. Das war schon irre. Dann zwei Wochen später sollte ich auch für die Rolle des Olaf einspringen. Bei der nächsten Saison wollten sie mich dann ganz fest im Ensemble haben. Und so bin ich von dem Leben als Studiomusiker in die Welt der Musicals quasi reingerutscht. Zwei Jahre nach dem Engagement bei der „Eiskönigin“ bin ich dann beim „König der Löwen“ als Hauptsolist gelandet.
Was macht besonders viel Spaß daran, mehrere – und vor allem sehr unterschiedliche – Charaktere an einem Abend dazustellen? Zwischen den Persönlichkeiten von etwa Scar und Pumba liegen ja doch Welten.
Das macht unheimlich viel Spaß. Ich liebe es so sehr, zwischen all diesen Charakteren hin und her zu switchen. Ich wusste auch gar nicht, dass in mir scheinbar einen Schauspieler steckt. Ich habe als Kind in der Schule bei kleinen Bühnenprojekten mal geahnt, dass ich Spaß daran habe. Aber dass es erst knapp 25 Jahre später zur Entfaltung kam, ist schon überraschend schön.
Scar hat zum Beispiel so viel Tiefe in seinem Charakter. Warum ist er böse geworden, was hat ihn getrieben? Wie war er eigentlich früher? Das wurde auch interessanterweise sehr viel thematisiert in den Folgefilmen. Und Pumba ist einfach ein Publikumsliebling, mit seinem witzigen Charakter. Aber dann als Simba die verschiedenen Phasen des Lebens durchzumachen, von Zweifel, Angst bis hin zum Stolz und Mut, und schließlich zum König. Dass ich das alles in den Liedern widerspiegeln darf, das ist ein Traum.
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Sie haben bei Instagram geschrieben, dass Ihnen „He lives in you/Er lebt in dir“ jedes Mal besonders viel Stärke gibt. Warum hilft Ihnen gerade dieser Song so gut durch schwierige Momente?
Die Geschichte von König der Löwen hat, ob man es glaubt oder nicht, biblische Hintergründe. Für mich als Christ gibt mir dieser Song eine besondere Kraft, weil ich weiß, das, was ich gerade mache, schaffe ich normalerweise als Mensch nicht. Aber Gott, der in mir lebt, befähigt mich dazu Sachen zu vollbringen, die ich sonst so nie von alleine schaffen könnte. Die Tour ist hart und manchmal hat man wirklich keine Kraft auf der Bühne zu performen, aber spätestens bei dem Song bekomme ich immer so einen Schub von einer übernatürlichen Kraft, die mich jedes Mal erfrischt.
Gibt es einen Moment, der Sie besonders emotional berührt hat und für immer im Kopf bleiben wird?
Einmal kam ein Mädchen aus dem Publikum, das in Rollstuhl sitzt und kaum sprechen konnte, mit ihrer Begleiterin. Sie wollten mit uns Performern nach der Show Fotos machen. Sie hatte sogar einen Brief für mich persönlich und ein selbstgemaltes Bild. Ich musste später so weinen. Mich berührt so etwas sehr. Wir haben bis jetzt den Kontakt behalten. Sie kommt sicherlich auf dieser Tour wieder zu einem unserer Auftritte.
Wenn Sie jede nur mögliche Rolle in einem Musical spielen könnten, welche wäre Ihr Traum?
Eine davon habe ich schon vorletztes Jahr gespielt. Jean Valjean aus dem Musical Les Miserablés. Es war vielleicht bisher die größte Herausforderung. Eine andere Traumrolle wäre Jesus. Ich durfte die Rolle schon bei der Passion 2024 spielen und darf sie bei der Passion 2026 wieder spielen, bei uns in Schleswig-Holstein.
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Sie sind nicht zum ersten Mal mit einem Konzert in Erfurt. Gibt es während einer Tour ein wenig Zeit, um sich die jeweiligen Städte anzuschauen, und wenn ja, wie gefällt Ihnen Erfurt?
Es ist immer sehr unterschiedlich. Mal haben wir Zeit, mal nur ganz wenig. Ich versuche morgens, wenn die Zeit es erlaubt, eine Runde zu joggen. So kann ich auf der Tour fit bleiben, und ein wenig von der Stadt sehen. Ich mag Erfurt sehr, weil es eine schöne Altstadt gibt.
Wie schaffen Sie es, das Tourleben, ein Tonstudio in Kiel, und die Familie unter einen Hut zu bringen?
Es ist eine große Herausforderung, das Zeitmanagement zu schaffen. Zudem bin ich seit Juni auch noch der Konzertmanager von einer Konzertkirche in Kiel, die Petruskirche, wo im Jahr über 50 Konzerte stattfinden. Ich habe eine sehr tolle Frau, die mir Rückendeckung gibt. Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.
Was ist für die Zeit nach der „Der König der Löwen“ Tour geplant?
Direkt nach der Tour ist das gerade genannte Musical „Die Passion 2026“ dran, wo ich Jesus spielen werde. Ansonsten gibt es viele Studioprojekte und auch Konzerte in der Petruskirche die ich organisieren muss.
In einem Interview aus 2023 sagten Sie, dass Sie gerne musikalisch weiter eine Brücke nach Indonesien schlagen würden. Gibt es Pläne, in Indonesien aufzutreten oder die indonesische Sprache und Musik vermehrt bei Auftritten in Deutschland einfließen zu lassen?
Auf jeden Fall. Das versuche ich auch immer wieder, wenn ich mit meiner Familie dort Urlaub mache. Das Highlight war, als ich mit meiner damaligen deutschen Band Sons & Preachers 2019 extra hingeflogen bin, und dann vor 20.000 Menschen auf Nordsumatra gespielt habe. Das möchte ich am liebsten nochmal erleben.
Gibt es etwas, auf dass Sie sich in 2026 besonders freuen?
Erst einmal freue ich mich auf die anstehende Tour mit König der Löwen, dann freue ich mich auch tatsächlich jetzt schon auf Zuhause. Ich bin die letzte Zeit sehr viel unterwegs. Jetzt vor den Weihnachten genieße ich die übrig gebliebene Zeit. Dann geht die Tour Ende dieses Monats auch schon los, mit neuer Kraft.
Der König der Löwen in Erfurt:
- Wann: 23. Januar, 19:30 Uhr
- Wo: Alte Oper, Theaterstraße 1, 99084 Erfurt
- Tickets: König der Löwen – Live in Concert – Ticket Shop Thüringen
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