Wo endet ein Gedicht und wo beginnt ein Film? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Internationalen Thüringer Poetryfilmtage, die vom 4. bis 6. Juni in Weimar stattfinden. Das Festival widmet sich einem Genre, das selbst in der Filmwelt noch als Nische gilt: dem Poetryfilm, einer Verbindung aus Lyrik und Bewegtbild. Drei Tage lang treffen dabei Filmschaffende, Autoren:innen und Studierende aufeinander, um neue Arbeiten zu zeigen, über das Genre zu diskutieren und den Weimarer Poetryfilmpreis zu vergeben.
Poetryfilmtage zeigen in Weimar, wie Literatur auf Kino trifft
Wie Anne Hinck, Sprecherin der Poetryfilmtage, mitteilt, reichen die Wurzeln des Festivals bis ins Jahr 2016 zurück. Damals wurde der Weimarer Poetryfilmpreis als Teil des „backup_Kurzfilmfestivals“ der Bauhaus-Universität Weimar ins Leben gerufen. Seit 2020 findet der Wettbewerb im Rahmen der Internationalen Thüringer Poetryfilmtage statt. Bis heute werde das Festival maßgeblich von Studierenden der Bauhaus-Universität mitgestaltet.
Wie Weimar mit Poetryfilmen ein seltenes Genre sichtbar macht
Poetryfilm sei dabei weit mehr als eine bebilderte Gedichtlesung. „Poetryfilm ist ein experimentelles Genre, bei dem Gedicht und Bewegtbild auf innovative Weise miteinander verbunden werden“, erklärt Hinck. Entscheidend sei für das Festival, dass die Filme einen klar erkennbaren Bezug zu einem literarischen Gedicht besitzen. Die Formen reichen dabei von Animationen bis hin zu experimenteller Videokunst.
Genau diese Vielfalt macht das Event besonders. Während klassische Filmfestivals meist einzelne filmische Formate in den Mittelpunkt stellen, bewegt sich das Weimarer Festival bewusst zwischen Literatur, Filmkunst und Medienexperiment. Ziel sei es, „den Austausch zwischen Autoren:innen und Filmemacher:innen in Thüringen und Mitteldeutschland zu verbessern“ und zugleich die Wahrnehmung von Lyrik in multimedialen Kontexten zu schärfen, so Hinck.
Zwischen Poetry Slam, Filmkunst und KI-Debatte
Dass die Poetryfilmtage mehr sein wollen als ein reiner Wettbewerb, zeigt auch das diesjährige Programm. Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen Poetry Slam und Poetryfilm. Neben Filmvorführungen sind Lyriklesungen, Spoken-Word-Performances, ein studentisches „New Talents“-Programm sowie eine Diskussion über künstliche Intelligenz und deren Rolle in der Filmproduktion geplant.
Ein Film über Grenzen des Messbaren
Zum Auftakt feiert der Film „Karten der Wildnis“ seine Thüringen-Premiere. Ausgehend von der historischen Landvermessung durch Carl Friedrich Gauß und Christian Ludwig Gerling beschäftigt sich der 15-minütige Film mit den Grenzen des Messbaren. Ein Text der Thüringer Schriftstellerin Daniela Danz bildet dabei die Grundlage für die Arbeit von sieben Weimarer Animationskünstlerinnen.
Höhepunkt des Festivals bleibt die Verleihung des Weimarer Poetryfilmpreises. Die Wettbewerbsfilme werden von einer Programmkommission ausgewählt, die Auszeichnungen vergibt eine international besetzte Jury. Verliehen werden Preise für die Kategorien „Beste Animation“ und „Bester Realfilm“, hinzu kommt ein Publikumspreis.
Festival verbindet Filmkunst und Medienexperiment
„Die Poetryfilmtage unterscheiden sich von anderen Poesiefilmfestivals vor allem durch die Verbindung des Festivals mit eigenen Filmproduktionen und auch durch ihr besonderes Interesse an der theoretischen Reflexion des Genres“, sagt Anne Hinck und fügt an „Deswegen ist für das Festival die Nähe zur Filmproduktion an der Bauhaus-Universität (vor allem im Bereich Animationsfilm) von großer Bedeutung.“
Warum in Weimar Gedichte plötzlich laufen lernen
Oder, etwas kürzer formuliert: Das Poetryfilmfestival ist ein Festival, das nicht nur Filme zeigt, sondern zugleich darüber nachdenkt, wie Literatur und Kino heute zusammenfinden können. In Weimar und darüber hinaus. So verwandelt sich die Klassikerstadt für einige Tage in einen Ort, an dem Gedichte nicht nur geschrieben oder gelesen werden, sondern laufen, sprechen und flimmern lernen.
Hard Facts:
- Wann: 4. bis 6. Juni
- Wo: Kino MonAmi, Lichthaus Kino, Radio Lotte
- Programm und mehr: poetryfilmtage.de





