Die Bastion auf dem Petersberg in Erfurt, die Creuzburg im Wartburgkreis oder die Seestern-Panorama-Bühne in Zeulenroda-Triebes direkt an der Talsperre – immer mehr außergewöhnliche Open-Air-Spielorte versüßen den Thüringer Konzertsommer. Der Freistaat mausert sich und immer mehr Veranstaltende und Gäste entdecken das Live- und Draußen-Gefühl neu. In unserer Reihe wollen wir die außergewöhnlichste Venus ins Spotlight nehmen und schauen, welche Events sie bieten und was sie so besonders macht.
Burgruine Brandenburg verwandelt sich in eine Open-Air-Bühne
Hoch oben auf einem bewaldeten Höhenzug, dort wo sich das Werratal in geschwungenen Schleifen wie ein müder Flussdrache durchs Land legt, thront die Burgruine Brandenburg. Die Anlage wirkt, als hätte jemand ein mittelalterliches Baukastenset großzügig über den Hügel verteilt: Ostburg und Westburg stehen sich wie alte Bekannte gegenüber, die sich seit Jahrhunderten schweigend beobachten. Dazwischen recken sich Bergfried und Wohnturm in den Himmel, während die weitläufigen Ruinenstrukturen genug Platz lassen, damit Wind und Fantasie gleichermaßen hindurchspazieren können. Wer hier steht, steht nicht nur auf Stein, sondern auf Geschichte mit Aussicht.
Sicherheitsnetz mit Panoramablick
Und diese Aussicht ist alles andere als nebensächlich: Der Blick schweift weit über das Werratal bei Lauchröden und Herleshausen und im Westen zeichnen sich die bewaldeten Höhen des Thüringer Wald ab, während unten die alten Handelswege wie verblasste Erinnerungsfäden verlaufen. Kein Wunder, dass dieser Ort einst Teil eines strategischen Netzwerks war. Zusammen mit Wartburg und Creuzburg bildete er so etwas wie das mittelalterliche Sicherheitsnetz mit Panoramablick.

Hoch oben auf einem bewaldeten Höhenzug, dort wo sich das Werratal in geschwungenen Schleifen wie ein müder Flussdrache durchs Land legt, thront die Burgruine Brandenburg. Foto: Dirk Bernkopf
Historisch gesehen ist die Brandenburg ein echtes Schwergewicht mit Tarnmantel aus Ruinenromantik. Als Teil der Sicherung der Via Regia bewachte sie einst Handelswege zwischen Gerstungen und Eisenach und nahm ihre Rolle als mittelalterlicher Türsteher sehr ernst. Buckelquader-Mauerwerk und Schwalbenschwanzzinnen geben ihr dabei einen fast mediterranen Touch. Heute allerdings wird hier nicht mehr patrouilliert, sondern eher gestaunt.
Geschichte und Gegenwart
Zur Open-Air-Bühne wurde die Burg nicht über Nacht, sondern eher schleichend. Seit dem späten 20. Jahrhundert wird die Ruine punktuell kulturell genutzt und verwandelt sich gelegentlich in eine Bühne unter freiem Himmel, auf der Geschichte und Gegenwart gemeinsam Headbangen dürfen. Zwischen Steinmauern und Sternenhimmel hat sich ein besonderer Klangraum entwickelt, in dem Konzerte nicht einfach stattfinden, sondern regelrecht widerhallen – als würde die Burg selbst mitsingen.
Medival Festival und Burgbrand Open Air
2026 wird dieser Klangraum wieder ordentlich gefüllt: Beim Medival Festival trifft Mittelalterflair auf moderne Klanggewalt, während das Burgbrand Open Air seinem Ruf als „Home of Metal and Stoner“ alle Ehre macht. Hier knirschen nicht nur Gitarrenriffs, sondern auch die alten Steine vor Begeisterung. Zwischen wuchtigen Sounds, hypnotischen Rhythmen und tanzenden Schatten wird die Ruine zur akustischen Zeitmaschine, nur ohne Zeitsprungknopf, dafür mit ordentlich Druck auf den Ohren.
Doch die Burg kann mehr als nur laut: Das kulturelle Programm reicht von historischen Führungen über Wanderangebote bis hin zum Brandenburgfest. Im Wohnturm wartet zudem ein kleines Burgmuseum, das unglaublich viel Geschichte liefert, und die Sonderausstellung zu Ritter Georg von Reckrodt bringt Reformationsgeschichte mit einem Augenzwinkern zurück ins Gemäuer.
Rohe Ruinenkraft und lebendiger Kultur
Was diesen Ort so besonders macht, ist die Mischung aus roher Ruinenkraft und lebendiger Kultur. Hier trifft Wind auf Wucht, Geschichte auf Gegenwart und Natur auf Bühne. Die Doppelburg-Struktur wirkt wie ein architektonisches Duett, das nie fertig komponiert wurde – und genau deshalb nie aufhört zu faszinieren. Wer hier oben steht, merkt schnell: Diese Burg ist kein Museum zum Anschauen, sondern ein Ort zum Erleben.
Hard Facts:
- 17. bis 19. Juli | Medival Festival 2026
- 30. Juli bis 1. August | Burgbrand Open Air 2026
- Weitere Infos findet ihr hier!



