Ein Lächeln hier, tosenden Applaus dort – für einen Abend war der Platz der Völkerfreundschaft im Erfurter Norden ein Ort der Begegnung, der Freude und der Kunst. Am 10. Mai fand im Rahmen des PHOENIX Festivals eine kompakte Ausgabe von „Platte InBetween“ statt. Ein kultureller Lichtblick – aber einer mit unsicherer Zukunft.
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Wie das Festivalteam mitteilt, war die diesjährige Ausgabe im Vergleich zum Vorjahr stark verkleinert. Statt mehrerer Festivaltage gab es nur einen – wegen fehlender Planungssicherheit und drastisch gekürztem Budget.
Zukunft von „Platte InBetween“ in Erfurt ungewiss
Nur rund 15 Prozent der Mittel aus dem Vorjahr standen zur Verfügung. „Wir mussten stark reduzieren. Und wir wissen nicht, ob es im nächsten Jahr überhaupt weitergehen kann“, sagt Björn Schorr, einer der Mitorganisatoren.
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Dabei war das, was stattfand, ein voller Erfolg. Beim Rumpelpumpe Theater waren über 200 Menschen vor Ort – Kinder stürmten am Ende lachend die Bühne, Anwohner:innen blieben zum Gespräch. „Ich habe noch nie so viele Menschen im Rieth lachen sehen – durchweg, von jung bis alt“, zitiert Schorr einen langjährigen Bekannten. Für viele sei es ein Stück „Nach-Hause-Kommen“ gewesen.
Zwischen Hoffnung und Krise: Kulturarbeit in Erfurt
„Unser Anliegen ist es, Kultur dorthin zu bringen, wo Menschen im Alltag oft keine Gelegenheit dazu haben“, erklärt Anica Happich, künstlerische Leiterin des PHOENIX Festivals. Im Rieth fehle es an Begegnungsorten – genau dort will das Festival ansetzen. Das kulturelle Engagement wurde 2024 mit dem Zukunftspreis KULTUR GESTALTEN ausgezeichnet – ein bundesweit beachtetes Signal für Kulturarbeit in peripheren Stadtteilen.
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Doch die politische und finanzielle Realität bremst das Engagement: Nur 11.000 Euro Förderung standen zur Verfügung. Damit lasse sich kein stabiles Theaterfestival aufbauen, so Happich. Hinzu kamen bundesweite Haushaltsverzögerungen und fehlende Planbarkeit. „Honorarkräfte können wir so nicht binden. Wir machen das jetzt im Ehrenamt – weil uns die Menschen im Rieth am Herzen liegen.“
Ob es 2026 weitergeht, ist offen. Schon jetzt sei die Vorbereitungszeit für ein vollwertiges Festival eigentlich zu knapp. „Es braucht 12 bis 18 Monate Planung – und eine finanzielle Grundlage“, so Schorr. Ohne diese sei es kaum realistisch, erneut ein Programm wie 2024 auf die Beine zu stellen.
Ein Festivaltag mit großer Wirkung in Erfurt-Rieth
Dabei gäbe es Chancen: Mit einem städtischen Beitrag von nur 25.000 Euro könnte man durch Bundesförderung zusätzliche Mittel generieren. „Wir werden bundesweit angefragt – aber in Erfurt fehlt die kommunale Rückendeckung“, sagt Happich. Und weiter: „Wenn wir jetzt nach der Auszeichnung einfach nicht mehr auftauchen, fühlen sich die Menschen im Rieth zu Recht veräppelt.“
Begegnung durch Kunst: Rieth zeigt Erfurts Potenzial
Dabei ist der Bedarf da, die Resonanz eindeutig positiv. „Platte InBetween“ zeigt, wie Kultur soziale Räume schaffen kann – gerade dort, wo sie oft fehlt. Damit dieses Engagement fortgeführt werden kann, braucht es nicht nur Herzblut, sondern auch strukturelle Unterstützung. Die Stadt ist gefragt. Die Zeit drängt.
