Doch kein Abriss: Das passiert mit Weimars junger Bühne wirklich
Als zum Auftakt des diesjährigen Open-Stage-Programms am Co-Labor vor dem Weimarer Stadtschloss über den Abbau des Holzkubus zum Saisonende berichtet wurde, löste das bei vielen Irritationen aus. Sollte ein Ort verschwinden, der sich in den vergangenen Jahren als offene Bühne, Treffpunkt und Experimentierraum für die Stadtgesellschaft etabliert hat? Für manche klang es sogar nach dem Ende eines Erfolgsprojekts.
Weimars Co-Labor verlegt Open Stage
Ermöglicht wurde das Projekt Co-Labor 2021 durch eine Sonderfinanzierung des Bundes. Ziel war es, einen Ort zu schaffen, an dem sich die Stadtgesellschaft mit der Klassik Stiftung Weimar vernetzen und eigene Ideen einbringen kann. Gemeinsam mit der Abteilung Kulturelle Bildung wurden Vereine, Initiativen, Künstler:innen und engagierte Bürger:innen eingeladen, das Co-Labor zu nutzen und mitzugestalten.
Dauerhaftes Experimentierfeld
Für Passant:innen wirkte der Ort um den Holzkubus zunächst noch etwas unwirtlich. Doch schon bald kamen Sitzgelegenheiten, den Bühnenanbau, Sonnensegel und die beliebte Spielekiste hinzu. Mit jedem neuen Detail wurde sichtbarer, worum es beim Co-Labor ging – und der Ort wurde zunehmend angenommen.

„Hat die Klassik Stiftung auch vorher schon Räume für Netzwerkveranstaltungen und Austausch angeboten, war nun am Co-Labor die Sichtbarkeit dieser Arbeit und damit auch die Sichtbarkeit der Akteur:innen und ihres Engagements die wichtigste Entwicklung, die sich eingelöst hat“, erläutert Valerie Stephanie, Referentin der Kulturellen Bildung der Stiftung.
Neue Wege der kulturellen Beteiligung
Passend dazu lädt derzeit im „Symbol für Öffnung“ die Mitmachtausstellung „Schloss-Geschichten. Ihre Erinnerungen zum Schloss“ dazu ein, eigene Geschichten einzubringen oder die Ausstellungsstücke zu betrachten. Die Ausstellung verweist damit bereits auf den nächsten Schritt des Projekts.
Dauerhaft offener Begegnungsort
Denn wenn der Holzkubus dann Mitte September abgebaut wird, verschwindet seine Idee nicht. Mit der Teilöffnung des Stadtschlosses am 2. bis 4. Oktober zieht das Co-Labor in den Innenhof und die Eingangsbereiche des Hauses ein.

So werden neben den musealen Bereichen auch offene Orte wie das „Schloss Forum“ mit Werkstätten, einem Willkommensraum und im Innenhof Aufenthaltsflächen entstehen. Die Anbindung an die Infrastruktur des Schlosses – etwa Sanitäranlagen oder einer Gastronomie – erhöht die Aufenthaltsattraktivität.
Kulturorte von der Wiese bis in den Schlossinnenhof
Feste Sitzmöglichkeiten und Schutzangebote vor der sommerlichen Hitze gehören zum Konzept ebenso wie die Spielkiste. Das Co-Labor weitet sich also künftig von der Wiese über den Innenhof bis in den Innenraum des Schlosses aus – und mit ihm das Selbstverständnis der Klassik Stiftung Weimar.
Co-Labor dauerhaft in Thüringen verankert
Die Klassik Stiftung Weimar übernimmt damit viele Impulse aus dem erfolgreichen Projekt rund um Open Stage und Co-Labor in ihr Konzept für das Stadtschloss. Für die kleine, aber längst etablierte Institution bedeutet das keinen Abschied, sondern Verstetigung.

Das Projekt wird dauerhaft verankert und auf eine gesicherte finanzielle Grundlage gestellt. Für die Stiftung und die Stadtgesellschaft ist es damit mehr als ein Ortswechsel einer lieb gewonnenen Spielkiste. Planungssicherheit, ein gesicherter Betrieb und langfristige Perspektiven schaffen die Grundlage für einen Kulturort, der kostenfrei zugänglich bleibt und weiterhin mitgestaltet werden kann. Damit setzt sich fort, was das Co-Labor angestoßen hat: die Entwicklung vom Herrscherhaus zum Experimentierfeld durch Begegnung und Beteiligung. Genau das wünschen sich die Menschen, wie Umfragen der Stiftung zeigen.
Neue Perspektiven mit festem Standort
Gleichzeitig hat das Co-Labor auch die Stiftung selbst verändert. Der Schritt aus den eigenen institutionellen Strukturen hinaus und hinein in die Zusammenarbeit mit Vereinen, Initiativen und engagierten Bürger:innen hat neue Perspektiven eröffnet. Wo Netzwerke wachsen, entstehen auch neue Ideen und unerwartete Synergien. So wird das Stadtschloss künftig mehr sein als ein Ort der Bewahrung. Es wird zum Experimentierfeld, in dem kulturelles Erbe nicht nur ausgestellt, sondern gemeinsam weitergedacht wird.
Klassik Stiftung Weimar setzt auf Nachhaltigkeit
„Das Tolle an dieser Phase der teilweisen Öffnung ist, dass wir weiter experimentieren können und jetzt gerade noch kein fertiges Schloss haben. Das heißt, die Geschichte ist da noch nicht geschrieben oder die Zukunft ist noch nicht geschrieben, sondern wir arbeiten parallel neben einem Betrieb auch weiter an der Weiterentwicklung des Schlosses“, so Stephanie zur Bedeutung und Ausgangslage des Co-Labors für die kommende Schlossöffnung. Vielleicht ist das die eigentliche Pointe des Co-Labors: Die Spielkiste zieht zwar um. Aber dafür wird der Spielplatz größer.
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