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Highfield zurück nach Thüringen? Ja – aber nicht auf Kosten der kleinen Festivals im Freistaat

23. Juli 2026 • Geschrieben von Florian Dobenecker
Das Highfield findet 2026 wahrscheinlich das letzte Mal statt. Foto: Julia Schwendner

„Highfield, komm heim!“ Mit diesem Slogan wirbt die Junge Union Thüringen für eine Rückkehr des Festivals nach Thüringen. Anlass ist die angekündigte Pause des Highfield am Störmthaler See bei Leipzig. Laut Pressemitteilung der JU sieht Landesvorsitzender und Landtagsabgeordneter Lennart Geibert darin eine Chance für Thüringen, sich wieder als moderner Kultur- und Festivalstandort zu profilieren. Das Highfield sei für junge Menschen in Thüringen einst „DAS Kulturevent“ gewesen, sagt Geibert. Die Rückkehr könne eine Lücke schließen, die nach dem Wegzug des Festivals für Tourismus, Wirtschaft und vor allem junge Menschen entstanden sei.

Junge Union Thüringen für eine Rückkehr des Highfield

Das Argument ist durchaus nachvollziehbar: Zehntausende Besucher bringen Geld in die Region, übernachten in Hotels oder auf Campingplätzen, essen, trinken, tanken und kaufen vermutlich auch Dinge, die man auf Festivals eigentlich nicht braucht, aber trotzdem unbedingt haben möchte. Davon könnten Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel und Veranstaltungsdienstleister profitieren. Als möglicher Standort wird unter anderem Hohenfelden ins Spiel gebracht. Die Infrastruktur rund um Erfurt und Weimar habe sich in den vergangenen Jahren deutlich entwickelt, so Geibert. Und dass Thüringen große Festivals organisatorisch stemmen kann, zeigt etwa das SonneMondSterne.

Thüringen als Festival-Herz Deutschlands?

Geiberts Vision klingt entsprechend groß: „Thüringen ist das Grüne Herz Deutschlands – warum also nicht auch das Festival-Herz Deutschlands?“ Die JU schlägt vor, dass Veranstalter und Landesregierung die Festivalpause nutzen, um ergebnisoffen über eine Rückkehr zu sprechen. Entscheidend sei, ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept zu entwickeln, „das allen Anforderungen gerecht wird. Es muss für alle Seiten ein Gewinn sein“, sagt Geibert.

Bis dahin wäre allerdings noch eine andere Frage zu klären: Wie festivalfreundlich ist Thüringen und Deutschland eigentlich, wenn man nicht gerade mit einem Großevent und mehreren zehntausend Gästen anrückt? Denn im Entwurf für den Bundeshaushalt sind tatsächlich Kürzungen im Etat von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer vorgesehen – unter anderem bei Förderinstrumenten für die Populärmusik wie der Initiative Musik und dem Festivalförderfonds.

Kleinere Festivals und Open-Airs sind wichtig

Während über die Rückkehr des Highfield gesprochen wird, drohen kleinere Festivals und Open-Airs der Rotstift. Förderprogramme wie der Festivalförderfonds der Initiative Musik sind gerade für dezentrale und kleinere Veranstaltungen relevant. Sie helfen Formaten, die nicht unbedingt mit großen Namen und riesigen Besucherzahlen glänzen, dafür aber kulturell vor Ort etwas bewegen.

Mehr als Mini-Versionen eines Highfield

Denn kleine Festivals sind mehr als Mini-Versionen eines Highfield. Sie sind oft tief in ihren Regionen verankert. Organisiert werden sie von Vereinen, Ehrenamtlichen und soziokulturellen Zentren. Das Wissen, die Netzwerke und die Begeisterung bleiben damit nicht nur für ein Wochenende auf dem Gelände, sondern das ganze Jahr über vor Ort. Das Festival ist dann nicht bloß eine Veranstaltung, sondern Teil einer lokalen Kulturszene.

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Und dann ist da noch der Nachwuchs. Während auf einem großen kommerziellen Festival vor allem etablierte Acts auftreten, können kleinere Veranstaltungen zur ersten Bühne für lokale Bands, DJs und Newcomer werden. Wer diese Bühnen schwächt, spart womöglich heute Geld – und wundert sich morgen, warum der Nachwuchs fehlt.

Auch Thüringer Musikspielstätten betroffen

Im vergangenen Jahren konnten durch die intiative Musik das Auerworld bei Weimar, das „Bunt! Laut! Kämpferisch! Open Air“ in Jena, das „Medival Open Air Festival“ bei Eisenach oder das kocolores in Erfurt gefördert werden. Von den ganzen Musikspielstätten, die lokal Kulturarbeit leisten und ebenso von den Kürzungen betroffen wären, wollen wir gar nicht erst sprechen.

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Genau hier könnte die Junge Union ihren kulturpolitischen Einfluss ebenfalls geltend machen. Wenn Lennart Geibert also über das „Festival-Herz Deutschlands“ spricht, wäre es mindestens genauso sinnvoll, auf Bundesebene für stabile Fördermöglichkeiten einzutreten. Denn Thüringens Festival-Landschaft besteht nicht nur aus potenziellen 30.000-Gäste-Magneten. Sie lebt auch von den vielen kleineren Veranstaltungen, die abseits der großen Zentren stattfinden und kulturelle Angebote in die Regionen bringen.

Kulturpolitischen Einfluss geltend machen

Ein Highfield in Thüringen wäre zweifellos ein starkes Signal und könnte wirtschaftlich einiges bewegen. Aber ein Festivalstandort wird nicht allein dadurch attraktiv, dass einmal im Jahr die ganz große Bühne aufgebaut wird. Das kulturelle Rückgrat entsteht auch dort, wo kleinere Veranstalter, Vereine und Ehrenamtliche den Rest des Jahres weitermachen.

Highfield, komm heim!

Deshalb darf die Botschaft der JU ruhig zweigeteilt sein: Highfield, komm heim! Aber bitte vergesst dabei nicht die Festivals, die längst hier sind.

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