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Open Stage und Co-Labor in Weimar: Letzte Chance, beliebte Bühne zu genießen

8. Juni 2026 • Geschrieben von Claudia Dell
Die „Open Stage“ am Co-Labor in Weimar liegt pittoresk vor den altehrwürdigen Fassaden des Stadtschlosses, dem Sitz der Klassik Stiftung Weimar. Von hier aus öffnet sich der Blick in den Park an der Ilm, Goethes Landschaftsmarke und UNESCO-Welterbe. Dies bildet die Kulisse für die sommerlichen Veranstaltungen.

Klassik Stiftung Weimar startete 2021 Co-Labor

Vornehmlich jungen Künstler:innen, Bands und kulturellem Nachwuchs steht diese Bühne seit nunmehr sechs Jahren offen. Die Geschichte des Formats begann 2021 am Tempelherrenhaus, das durch den bis heute prägnanten Holzkubus-Bau passgenau umspielt und ergänzt wurde und noch als „Grünes Labor“ gestartet war. Hier sollte die Abteilung der kulturellen Bildung der Stiftung Ausstellungen anbieten.

Zwischen Planung und Spontaneität

Schon damals verzahnte sich schnell der Ansatz, diesen neuen Ort für Begegnung zu öffnen. Es sollte aufgerufen werden, sich als Künstler:in zu bewerben und dort zu spielen – egal welches Genre. Darin äußere sich dann auch der entscheidende Unterschied zur klassischen Open Stage, so Ali Ansari, der Veranstaltungstechniker und Programmverantwortliche für das Format. Während offene Bühnen ursprünglich von spontanen Auftritten und ungeplanten Begegnungen lebten, wird das Programm am Co-Labor bereits im Vorfeld zusammengestellt. Seither organisiert Ali das kulturelle Bühnenangebot und installiert in den Sommermonaten (Juni, Juli) jeden Mittwoch Lautsprecher, Lichtanlagen, Mischpulte und Mikrofone auf der kleinen Freilichtbühne und ist somit seit Stunde eins nicht nur dabei, sondern auch Ideengeber.

Ausgewogene Mischung aus Nachwuchskünstler:innen & Profis

Der Aufruf startet schon früh im Jahr, spätestens im April sind dann alle Slots vergeben. Kurioserweise hätten sich jedoch vor allem Musiker:innen als feste Bewerbergruppe etabliert. Wichtig sei Ali dabei eine ausgewogene Mischung. Nachwuchskünstler:innen treten gemeinsam mit erfahrenen Profis auf. Gelegentlich kommen sogar noch am selben Abend spontane Anfragen hinzu. Diese Spontaneität liebt Ali, denn nach sechs Jahren professionalisiert sich das Format zunehmend, die Anfragen steigen und der technische Anspruch wird höher.

Die Wahrnehmung ist enorm gestiegen

Gleichzeitig soll die Idee von einem kleinen, feinen Freiraum bewahrt werden. Maßgeblich für den Prozess und die Entwicklung der „Open Stage“ sieht Ali den Umzug ans Schloss (2022). Hier, in direkter Nachbarschaft zur Anna Amalia Bibliothek, einer Reihe von Cafés und einem Katzensprung vom Marktplatz entfernt, ist die Wahrnehmung enorm gestiegen. Jogger bleiben schon mal spontan bei den musikalischen Klängen hängen und ziehen einen Aufenthalt bei einem kühlen Getränk an der Bühne ihrer Laufrunde vor, weiß Ali zu berichten.
Ein experimenteller Ort mit subkulturellem Charme – Co-Labor eröffnet Weimar
Dieser kulturelle Anlaufpunkt ist in Weimar angekommen: Die Künstler:innen fragen wiederholt nach, ob sie wieder spielen dürfen und das Publikum platziert sich auf der Wiese, tanzt ungezwungen vor der Bühne mit. Kurz: man kommt zusammen und bevölkert den öffentlichen Raum.

Vorerst letzte Ausgabe am Holzkubus

Die Klassik Stiftung Weimar hat damit etwas eingerichtet, was in den Städten zunehmend ein hohes, weil rares Gut geworden ist: Orte, an denen sich junge Künstler:innen ausprobieren und präsentieren, während Zuhörer:innen entspannt zusammen kommen können. Und doch – dieses Jahr wird es die vorerst letzte Ausgabe am Holzkubus geben. Die Architektur aus Thüringer Gehölz muss abgebaut werden. Mit dem Abriss verschwindet zunächst auch das Refugium, an dem sich die „Open Stage“ etabliert hat. Ob es an anderer Stelle weitergeführt wird, ist derzeit offen.

Wo Menschen Räume tatsächlich nutzen

Über sechs Sommer hinweg hat das Format jedoch gezeigt, dass die viel beschworene Öffnung kultureller Institutionen mehr sein kann als ein Leitbild in Strategiepapieren. Sie entsteht dort, wo Menschen Räume tatsächlich nutzen, bespielen und zu ihren eigenen machen. Die eigentliche Frage wird daher nicht sein, ob die Bühne bestehen bleibt – sondern ob die Öffnung, die sie ermöglicht hat, auch ohne sie fortbesteht. Denn selten geworden sind nicht nur die Orte selbst, sondern die Gelegenheiten, sich ungeplant zu begegnen.

Open Stage, die offene Bühne am Co-Labor:

  • Burgplatz 4, 99423 Weimar
  • Immer mittwochs, bis 29. Juli | 18 – 21 Uhr
  • freier Eintritt, auf dem Schlossvorplatz
  • Hier geht es zum Programm

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