Renthendorf zeigt in Thüringen, wie Wissen vom Lexikon zum Browser wurde
Früher stand das Lexikon im Bücherregal und war Dreh- und Angelpunkt als Wissensspeicher. Heute liegt die Antwort meist nur eine Suchanfrage im Netz entfernt. Unser Umgang mit Wissen hat sich verändert. Doch wie? Genau dieser Frage widmet sich eine neue Ausstellung im Museum „Brehms Welt“ in Renthendorf im Saale-Holzland-Kreis. Wie Museumssprecherin Sophia Dietrich-Häfner erklärt, geht es bei der Sonderausstellung „Von Brehm bis Browser – Wissen im Wandel“ nicht um Nostalgie, sondern um den Blick hinter die Entstehung von Wissen: von den ersten Nachschlagewerken bis zum digitalen Zeitalter.
Renthendorfer Ausstellung verbindet Lexikon, Browser und Geschichte
„Ein Buch ist schon längst nicht mehr das erste Recherchemittel“, sagt Dietrich-Häfner. Viele Kinder würden heute kein klassisches Lexikon mehr kennen. Umso wichtiger sei es, den Ursprüngen der Wissensvermittlung nachzuspüren. „Gerade für die junge Generation ist es eine eindrucksvolle Erfahrung zu sehen, dass Wissen nicht einfach da ist. Es entsteht als Ergebnis von Beobachtung, Forschung, Sammlung und sorgfältiger Dokumentation.“ Wer diesen Prozess nachvollziehen könne, „bewertet Informationen heute auch kritischer und kann Quellen besser einschätzen“.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen drei Persönlichkeiten, die Wissen für viele Menschen zugänglich machten: Naturforscher Alfred Brehm, Verleger Friedrich Justin Bertuch und Sprachwissenschaftler Konrad Duden. Die Auswahl sei eng mit den beteiligten Einrichtungen und Thüringen verbunden, erklärt Dietrich-Häfner. „Alle drei verbindet, dass sie Wissen nicht nur gesammelt, sondern so aufbereitet haben, dass es für viele, insbesondere junge Menschen, zugänglich wurde.“
Renthendorf verbindet in historische Bücher mit digitalen Quellen
Ganz analog bleibt die Ausstellung dennoch nicht. Über QR-Codes gelangen Besucherinnen und Besucher direkt zu aktuellen Einträgen auf Plattformen wie Wikipedia, dem Duden oder dem Kinderlexikon Klexikon. Gleichzeitig verzichtet das Museum bewusst darauf, künstliche Intelligenz zum Ausstellungsthema zu machen. „Dieses Thema ist so umfassend und befindet sich noch in der Entwicklung“, sagt Dietrich-Häfner. Stattdessen wolle die Ausstellung zeigen, dass sich Wissensvermittlung schon immer verändert habe. „Ein gutes Beispiel ist das Lexikon auf CD-ROM: Als es eingeführt wurde, galt es vielen als das Ende des gedruckten Nachschlagewerks. Heute wissen wir, dass die Entwicklung ganz anders verlaufen ist.“
Thüringen erlebt eine Ausstellung zwischen Original und Browser
Trotz digitaler Ergänzungen bleibt das Original im Mittelpunkt. „Digitale und analoge Formate sehen wir nicht als Gegensätze, sondern als sinnvolle Ergänzungen“, betont Dietrich-Häfner. Manche Erfahrungen ließen sich schlicht nicht digital ersetzen. „Wie wurden Buchstaben früher tatsächlich zu Drucksätzen zusammengesetzt? Wie sieht ein Lithografiestein aus? Solche Techniken und Originalobjekte erschließen sich erst durch die unmittelbare Begegnung mit ihnen.“
Neben der Sonderausstellung arbeitet Brehms Welt daran, die historische Schriftensammlung der Familie Brehm zu bewahren. Restaurierte Bücher, Handschriften und persönliche Notizen dokumentieren, „wie im 19. Jahrhundert wissenschaftlich gearbeitet, beobachtet und Wissen weitergegeben wurde“. Viele Werke enthalten handschriftliche Anmerkungen der Familie und seien „für die Forschung von unschätzbarem Wert“. Gleichzeitig werde die Sammlung nach und nach digital gesichert, damit sie langfristig für Wissenschaft und Öffentlichkeit erhalten bleibt.
Warum analoge Quellen weiter wichtig bleiben
So schlägt die Ausstellung eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. „Von Brehm bis Browser – Wissen im Wandel“ erinnert daran, dass Wissen zwar heute schneller verfügbar ist, sein Ursprung aber immer noch in Neugier, Forschung und sorgfältiger Dokumentation liegt.
Mehr zu Brehms Welt:
- Sonderausstellung noch bis 16. August
- Wo: Brehms Welt | Ortsstraße 22 | Renthendorf
- Dienstag bis Sonntag: 10 – 17 Uhr
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