50 Jahre Interkulturelle Woche (IKW). Das muss gefeiert werden. Deshalb heißt es am 18. September in Erfurt: „dafür! – Bühne frei fürs Miteinander“. Das ist der Startschuss für ein vielfältiges sowie thüringenweites Aktions-Festival, das in diesem Jahr so viele Veranstaltungen wie nie bietet.
Ganz Thüringen beteiligt sich am Aktions-Festival
Erfurt, Weimar und Sömmerda, Ilmkreis, Wartburgkreis, Saale-Holzland-Kreis, Saalfeld-Rudolstadt, Saale-Orla-Kreis, Eichsfeld und der Landkreis Altenburg beteiligen sich an der Interkulturellen Woche in Thüringen. In weiteren Kommunen gibt es einzelne Veranstaltungen von einzelnen Trägern oder Initiativen, wie z.B. in Gera oder Jena.
Es warten Lesungen, Vorträge, Konzerte, Koch- aktionen und vieles mehr. Die Veranstaltungen sollen zusammenführen, Gemeinschaft bilden und Verständnis fördern. Wir sprachen vorab mit Dorothea Storch, der Thüringer Beauftragten für Integration, Migration und Flüchtlinge.
Frau Storch, warum ist die Interkulturelle Woche (IKW) gerade jetzt in Thüringen besonders wichtig?
Die IKW ist seit 50 Jahren eine Möglichkeit der Begegnung. In einer medialen Welt nehmen Vorurteile und auch Hass rasant zu. Thüringen steht – wie viele Regionen – vor großen gesellschaftlichen Herausforderungen: Demografischer Wandel, Abwanderung junger Menschen, wachsende Polarisierung.
Begegnung als Schlüssel gegen Polarisierung und Vorurteile
Daher ist die Bedeutung der Begegnung immer größer geworden. Begegnung schafft Empathie, Verständnis und Menschlichkeit. Aus den tatsächlichen Begegnungen erwachsen Austausch und echte Freundschaften. Die Interkulturelle Woche bietet in vielen Städten und Landkreisen mit mehreren hundert Veranstaltungen niedrigschwellige Zugänge, um ins Gespräch zu kommen.
Welche Rolle spielt Vielfalt aus Ihrer Sicht konkret für die Zukunft Thüringens?
In einer globalen Welt ist auch für Thüringen Vielfalt unverzichtbar. Sie bereichert und erweitert die Horizonte, schafft Verständigung und ist auch echter Wirtschaftsmotor. Ohne Offenheit für neue Menschen und Ideen wird Thüringen Schwierigkeiten haben, dem Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel zu begegnen.
Nur ein weltoffenes Thüringen ist auch ein starkes Thüringen. Dafür steht das diesjährige bundesweite Motto der Interkulturellen Woche: „dafür!“. Und dafür! steht auch unsere thüringenweite Eröffnungsveranstaltung „Bühne frei fürs Miteinander“, bei der wir mit allen Gästen bunte Vielfalt, eine starke Demokratie und ein wertschätzendes Miteinander feiern möchten.
Wie können Kulturveranstaltungen Menschen zusammenbringen, die politisch oder weltanschaulich sehr unterschiedlich denken?
Gerade die Formate der IKW bringen seit 50 Jahren Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsstaaten, mit unterschiedlichen Weltanschauungen, Religionen etc. zusammen. Sport verbindet, genau wie Kultur, Diskussionsrunden oder Workshops. Wer gemeinsam kocht und isst, singt und lacht oder aktiv und kreativ ist, hat ein gemeinsames Erlebnis, bei dem politische oder weltanschauliche Einstellungen nicht im Vordergrund stehen.
Was wünschen Sie sich von der Politik in Thüringen im Hinblick auf den Umgang mit Migration und Vielfalt?
Migration und Vielfalt muss als Chance und als Bereicherung verstanden werden. Ängste dürfen nicht geschürt werden, sondern gehören abgebaut. Die Arbeit der vielen Träger und Initiativen, Ehrenamtlichen und Engagierten – insbesondere auch bei den Migrantenorganisationen – die bei der IKW sehr schön sichtbar wird, muss wertgeschätzt, unterstützt und auch finanziell abgesichert werden.
Gab es für Sie persönlich einen Moment, in dem Sie dachten: „Deswegen mache ich diese Arbeit – genau deshalb lohnt es sich“?
Natürlich gibt es solche Momente immer wieder. Ich bin immer wieder überwältigt von der Herzlichkeit der Menschen. Wenn wir im Kleinen oder auch bei größeren Dingen hilfreich zur Seite stehen können, lohnt sich unsere Arbeit jeden Tag.
Angesichts der politischen Lage: Was macht Ihnen aktuell am meisten Mut?
Mut macht alles, was weltoffen und menschlich ist. Mich ermutigen die vielen Ehrenamtlichen, die trotz Gegenwind Brücken bauen, Veranstaltungen organisieren und Geflüchteten helfen. Auch die jungen Leute, die selbstbewusst sagen: „Wir wollen ein offenes, lebenswertes Thüringen“, geben mir Hoffnung.
Hard Facts
- Eröffnung der Interkulturellen Woche: 18. September | 20 Uhr | Nerly Erfurt |
- Anmeldung unter: bimf.thueringen.de
- Alle Veranstaltungen in Thüringen: www.interkulturellewoche.de
