Herkömmliche Tattoo-Conventions finden oft in riesigen Hallen statt. Ambiente be like: Neonlicht und Dauerbeschallung. Auf Parität wird meist weniger Wert gelegt. Auch auf eine intime Atmosphäre. Doch so muss es nicht sein, dachte sich Anna Günther aus Erfurt. Die sich von ebenjenen lieblosen Stereotypen entfernen möchte.
Wie Erfurts „Inkklusive“ neue Maßstäbe setzt
Genau deshalb organisiert die Tätowiererin aka „sixtyseconds.ink“ mit „Inkklusive“ im Erfurter Club Kalif Storch eine Tattoo-Convention, die eher nach Clubkultur als nach Branchenmesse aussieht – und dabei bewusst FLINTA*-Artists in den Mittelpunkt rückt. Wie Anna mitteilt, geht das Format nun in die zweite Runde und soll die Tattoo-Szene bewusst kuratiert darstellen.
Wie eine Tattoo-Convention die Szene neu definiert
Hinter der Convention steckt das „Outline Kollektiv“ – ein Name, der bewusst offen gehalten ist. „Ich wollte einen Account kreieren, der nicht nur für diese eine Veranstaltung genutzt wird und Optionen offen lässt“, sagt Anna. Neue Projekte, neue Orte, neue Unterstützer:innen, neue Ideen: Alles soll möglich bleiben. Im Kollektiv. Denn ganz allein stemmt sie das Event natürlich nicht. Unterstützung bekommt sie unter anderem von ihren Kolleginnen Jule, Juliane und Celine aus dem Tattoo-Studio yeahBaby! sowie von Freund:innen, die im Hintergrund mitorganisieren.
Anna selbst bewegt sich ohnehin zwischen mehreren Welten. Hauptberuflich tätowiert sie, nebenbei arbeitet sie im Kalif Storch hinter der Bar – und legt Techno auf. „Das DJing ist für mich eher ein Hobby, aber eins, das unglaublich Spaß macht“, sagt sie. Musikalisch geht es bei ihr in Richtung „Peak Time“ und acid-lastige Sounds. Elektronisch also, energetischer und treibender Techno mit Höhen und Tiefen.
Bei „Inkklusive“ im Kalif Storch dreht sich’s um FLINTA*-Tattoo-Artists
Auch ihr Tattoo-Stil bewegt sich eher im Fluss als in geraden Linien. Abstrakte florale Formen, organische Schriftzüge, body flow‘s – Arbeiten, die manchmal wirken wie Rauchschwaden oder technoide Kritzeleien. „Wenn ich Begriffe verfremde, arbeite ich oft mit fließenden Linien, die sich zu einem organischen Flow verbinden“, erklärt sie.
Das etwas andere Tattoo-Studio in Erfurt: yeahBABY! vereint Kunst mit Haltung
Genau dieses Gefühl von Offenheit und Bewegung soll sich auch in der Convention widerspiegeln. Der Name „Inkklusive“ ist dabei bewusst doppeldeutig gedacht – als Wortspiel mit „Ink“, aber auch als Haltung. „Der Gedanke dahinter war, eine Veranstaltung zu schaffen, die niemanden ausschließt“, sagt Anna. Willkommen sein sollen alle, unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Einschränkung. Dass das Kalif über eine Rampe und barrierearme Zugänge verfügt, gehört für sie selbstverständlich dazu.
Die Idee zur Convention entstand eher beiläufig. Ein Gespräch mit Hubert, dem Kalif-Betreiber, brachte den entscheidenden Schubs. „Er meinte: Wenn du Lust hast, mach doch einfach eine Convention“, erzählt Anna. Gleichzeitig wollte sie eine Alternative zu klassischen Tattoo-Messen schaffen. „Ich habe von vielen gehört, dass die Atmosphäre dort gerade für FLINTA*-Personen nicht immer die angenehmste war.“
„sixtyseconds.ink“ über ihre Kunst und die Kultur dahinter
Das spiegelt sich auch in der Auswahl der Artists wider. Der Fokus liegt klar auf FLINTA*-Tätowierer:innen. Viele kennt Anna von Guest Spots bei yeahBaby! oder über gemeinsame Netzwerke. Stilistisch wird trotzdem kein enger Rahmen gesetzt: Traditionell, Fineline, florale Motive, Patchwork, abstrakte Arbeiten – alles mischt sich nebeneinander. Besonders gefragt seien aktuell kleine Matching-Tattoos und minimalistische Designs. Gleichzeitig beobachtet Anna neue Einflüsse aus den USA und England: „Diese Styles sehen manchmal bewusst aus wie von Kindern gezeichnet – ein ganz eigener Look.“
Was die Tattoo-Convention in Erfurt besonders macht
Wer spontan tätowiert werden möchte, kann das vor Ort tun. Viele Artists bringen vorbereitete Wannado-Designs mit, manche passen Motive direkt individuell an. Dazu kommt ein Rahmenprogramm, das eher nach Wochenenderlebnis als nach Fachmesse klingt: Poledance-Workshops, Prints, Siebdrucke, Kerzenstände und ein Pflanzentauschkollektiv gehören ebenso dazu wie elektronische DJ-Sets im Außenbereich.
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„Die Location und so eine Veranstaltung in einem Club ist sicher auch etwas Außergewöhnliches“, sagt Anna. Vielleicht ist genau das der Punkt: „Inkklusive“ versucht gar nicht erst, wie eine klassische Convention zu funktionieren. Eher wie ein Wochenende unter Leuten, die Tattoos mögen, elektronische Musik hören und keine Lust auf steife und Testosteron geschwängerte Szenemessen haben.
Hard Facts:
- Wann: 6. bis 7. Juni | 12 bis 22 Uhr
- Wo: Kalif Storch Erfurt
- Weitere Infos gibt es hier!


















