Green Screens in Weimar, Erfurt als Frankfurt-Double und die erste Disney-Serie in Gera: Diese Produktionen wurden in den letzten fünf Jahren in Thüringen gedreht – und so wird vielleicht auch das eigene Wohnzimmer zur Film-Location.
Filmkulisse Thüringen: Zwischen Wald, Stadt und Stollen
Steile Schluchten, weitläufige Wälder, einzigartige Kulturdenkmäler oder historische Innenstädte: Thüringen hat viele Schauwerte zu bieten. Das wissen nicht nur Touristen, sondern auch die Mitteldeutsche Medienförderung (MDM), welche allein in den letzten fünf Jahren ein Großteil der etwa 100 Dreharbeiten im Freistaat finanziell unterstützte. „Dazu kommen (studentische) Kurzfilme, TV-Beiträge und Dokumentationen, für die wir aber keine statistischen Daten haben“, erklärt Anke Kunze, Leiterin der MDM Film Commission.
Wie Thüringen zur Bühne für große Geschichten wird
Ob und wo in Thüringen gedreht wird, hängt dabei von der Ausrichtung der jeweiligen Produktion ab: „Für Kinofilme werden oft historische Motive oder besondere Landschaften gesucht. Historische Filme fanden in den letzten Jahren oft in Ostthüringen die passenden Locations. Für außergewöhnliche Landschaften wurden neben dem Thüringer Wald auch vermehrt Locations im Kyffhäuserkreis bespielt“, ergänzt Kunze.
So wurde die in den 1920er-Jahren angesiedelte Romanverfilmung „Die Mittagsfrau“ (2022) im Teehaus des Schlossparks und in und am Residenzschloss Altenburg gedreht. Vor und in dieser historischen Kulisse entstanden an zehn Drehtagen im Oktober und November 2023 auch einige Szenen der kürzlich im Kino gestarteten Agentenkomödie „Kundschafter des Friedens 2“ mit Henry Hübchen.
Historisch-ostalgisch: Drehs in Altenburg, Gera und Greiz
Viele in Ostthüringen gedrehte Stoffe sind zeitlich um die „Wende“ angesiedelt, so etwa die letztjährige Kinokomödie „Zwei zu eins“ mit Sandra Hüller und Ronald Zehrfeld, die vom Umtausch des DDR-Gelds gegen Westmark handelt. Hier wurde in der Lobensteiner Straße in Gera die perfekte Kulisse für ein authentisches Plattenbauviertel gefunden, in dem ein Großteil des Films spielt.
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Das von riesigen Feldern geprägte Umland von Greiz und Zeulenroda-Triebes wurde zum Schauplatz der mit flirrenden Bildern aufwartenden, heißblütig-sommerlichen Post-Wende-Liebesgeschichte „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“.
Filmstudios in Weimar
Natürlich ist auch Weimar eine beliebte Filmkulisse. Überraschend ist allerdings, dass eine beliebte Film-Location der letzten fünf Jahre in der Klassikerstadt rein gar nichts mit Goethe, Schiller, Herder und historischen Schauplätzen zu tun hat. Auf dem Gelände des ehemaligen Milchhofs im Weimarer Westen haben sich nämlich in den letzten Jahren viele Filmdienstleister angesiedelt. Im seit 2012 bestehenden NIVRE-Filmstudio sind auch Aufnahmen vor einem Green Screen möglich, wodurch digital künstliche Hintergründe eingefügt werden können. So geschehen bei Autofahrszenen des im Januar im Kino angelaufenen Dramas „Es geht um Luis“ um ein in der Schule gemobbtes Kind, das außerdem an Schauplätzen im Jenaer Stadtteil Lobeda und im Weimarer Klinikum gedreht wurde.
Thüringen aktuell im Kino
Mit Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton („Michael Clayton“) und Michael Shannon („Shape Of Water“) drehten in Thüringen in jüngerer Vergangenheit sogar schon zwei handfeste Hollywood-Stars. Drei Drehtage des am 27. März in den Kinos angelaufenen apokalyptischen Musicals „The End“, in dem sich eine Gruppe Reicher im Bunker eines Salzbergwerks vor den verheerenden Folgen des Klimawandels abschirmt, waren 2023 für das Erlebnisbergwerk Sondershausen angesetzt.
Ab 24. April ist der Politthriller „Klandestin“ um eine abenteuerliche Flucht eines Marokkaners nach Deutschland in den Lichtspielhäusern zu sehen. „Diverse Büroszenen, die im Hessischen Landtag spielen, wurden in der bauhausFACTORY Weimar, im Bundesarbeitsgericht Erfurt und in der IHK Erfurt gedreht. Zudem einige Straßenszenen, die in Frankfurt (Main) spielen.
265 Thüringer Schauplätze im „Location Guide“
Die Produktionsfirma CALA Film Central ist in Erfurt ansässig“, so Anke Kunze. Insgesamt 265 Thüringer Schauplätze sind als potenzielle Motive für Dreharbeiten im „Location Guide“ im Onlineangebot der Film Commission der Mitteldeutschen Medienförderung zu finden, wobei der Fokus auf Freiflächen, Plätzen, Straßenzügen und Gebäuden in den größeren Städten liegt.
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Für noch mehr Vielfalt können weitere bisher nicht erfasste Location-Vorschläge mit individuellen Alleinstellungsmerkmalen gern empfohlen werden, wenn diese öffentlich zugänglich und öffentlich verwaltet sind. Dabei sollten Motiveigner Dreharbeiten gegenüber natürlich aufgeschlossen, Eigentumsverhältnisse und Zugangsmöglichkeiten geklärt sein. Private Locations wiederum (etwa Wohnungen oder Privatgrundstücke) können beim Bundesverband Locationscouts zur Miete angeboten werden. Dabei sollte unter anderem bedacht werden, dass Film-Crews im Schnitt aus etwa 30 Personen bestehen und in der Regel vor Ort Umgestaltungen vornehmen.
Hard Facts:
- Weitere Informationen unter: www.mdm-online.de
