Text: Claudia Dell
Wie haben sich Leute eigentlich vor Dating-Apps kennengelernt? Im echten Leben in einer Bar oder beim Töpferkurs. Auch. Es gab jedoch schon in den 90er-Jahren Formate, die die Suche nach Liebe und Partnerschaft öffentlichkeitswirksam in den Mattscheiben-Fokus gerückt haben.
Erlebe die Wiedergeburt von „Herzblatt“ in Weimar
„Herzblatt“, wohl die berühmteste TV-Sendung aus eben jener Dekade, ließ die Zuschauenden live miterleben, wie drei Kandidat:innen hinter einer Trennwand um das Herz einer Person buhlten. Sie gaben charmante Antworten, konterten mit Witz und rangen um die Aufmerksamkeit ihres zukünftigen Herzblattes. Was damals Fernsehunterhaltung war, wirkt im Zeitalter endloser Swipes, Matches und Chats plötzlich wieder erstaunlich direkt und damit unmittelbar erfrischend.
90er-Flirtklassiker modern gedacht
Deswegen soll dieses Format wiederbelebt werden und kehrt diesen Freitag (5. Juni) im Masha in Weimar zurück. Doch wer steckt heute dahinter? Als feministisches Kollektiv aus Künstlerinnen, Musikerinnen und Designerinnen hat sich „Metaware“ in Weimar und Umgebung einen Namen gemacht. Verschiedene, ehrenamtlich organisierte Veranstaltungen wie Partys, Radiosendungen („meta.space“), Lesungen oder Workshops finden sich regelmäßig im Veranstaltungskalender der Stadt und bieten feministischen Fragestellungen eine Plattform.
Dies, so Sabrina (Ideengeberin und Mitorganisatorin von „Herzblatt“) sei der Kernanspruch des Kollektivs. Dem folgt nun auch ihre neu-alte Formatidee „Herzblatt – Metaware im Auftrag der Liebe“. Angeboten wird es als queerfeministische Dating-Show. Inspiriert von einem ähnlichen Event in Köln und weiterentwickelt in langen Gesprächen innerhalb der Gruppe, wird der Fernsehklassiker dabei nicht einfach kopiert.
Gemeinsam die Freude am Flirten zelebrieren
Stattdessen übersetzt Metaware das Format in die Gegenwart – mit viel Humor, Lust am Getändel und einem bewussten Blick auf die Frage, wie Begegnungen heute gestaltet werden können. Doch eines ist den Macherinnen dabei besonders wichtig: Heteronormativität und Sexismus sollen keinen Raum bekommen. Vielmehr soll „Herzblatt“ Menschen zusammenbringen, queere Perspektiven sichtbar machen und dazu einladen, gemeinsam die Freude am Flirten zu zelebrieren.
Wie Weimar die Dating-Welt mit einer Show neu aufmischt
Was uns als Besucher:innen erwartet? Flirrende Deko, steile Kostüme, witzige Improvisationen und vor allem ganz viel Begeisterung am Spiel mit absurden Dating-Szenerien und Kennlernfragen. Nicht zuletzt wird die legendäre samtweiche Off-Stimme der Moderatorin aus dem 90er-Jahre-Original aufgegriffen werden und für die richtige Flirt-Atmosphäre sorgen.
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Die Kandidat:innen hatten nach einem öffentlichen Aufruf die Möglichkeit, sich für die Show anzumelden. Zehn Einsendungen sind zusammengekommen. In zwei queeren Runden tasten sich die Kandidat:innen aus unterschiedlichen Altersgruppen, Städten und Milieus via Frage-und-Antwort-Spiel ab.
„Herzblatt“ neu aufgestellt in Weimar
Diese Durchmischung ist wichtig, denn die Orga-Crew von Metaware ist sich natürlich darüber im Klaren, dass man sich in Weimar schnell über den Weg läuft. Daher wurden die Gruppen vorab gut durchmischt und festgelegt. Einen Clou hält die Veranstaltung im Gegensatz zum TV-Vorläufer noch bereit: es wird im Anschluss Musik geben und damit Zeit und Raum, sich weiter auszutauschen, zu verbinden oder einfach gemeinsam zu tanzen.
Hard Facts:
- 5. Juni | 20 Uhr Start | 19.30 Uhr Doors
- Masha, Schützengasse 1 in Weimar
- Eintritt frei, im Anschluss Musik




