Fünf Tage, sechs Creators, fünf Challenges – und einmal quer durch Thüringen. Mit der YouTube-Serie „The Creators“ hat der Erfurter Fotograf und Filmemacher Dennis Schmelz ein Projekt umgesetzt, das irgendwo zwischen Roadtrip, Wettbewerb und Blick hinter die Kulissen der Creator-Szene liegt. Drei Jahre lang habe er an der Idee gearbeitet, verrät Dennis Schmelz im Interview. Entstanden ist daraus eine Webserie, die nicht nur fertige Hochglanzbilder zeigen will, sondern vor allem den Weg dorthin: Stress, Zweifel, Entscheidungen und den Druck, ständig abliefern zu müssen.
Bühne für echten Creator-Druck
„Das Berufsbild ‚Content Creator‘ ist zwar überall in den Sozialen Medien, aber kaum jemand weiß, was alles dazugehört“, sagt Schmelz im Gespräch. Genau dort setzt die Serie an. Statt Technik-Talk und Kamera-Nerdtum geht es um kreative Prozesse, Konkurrenzdruck und die Frage, wie viel Arbeit tatsächlich hinter einem Foto oder einem Video steckt, das später in wenigen Sekunden durch die Social-Media-Timelines wabert und oft viel zu schnell weggescrollt wird.
„Nichts war gescriptet“
Gedreht wurde Anfang Oktober, fünf Tage am Stück. Mit dabei: Andreas Abb, Awid Safaei, Joseph Lotter alias Open ISO, Sasan Amir, Susanna Kosa und Schmelz selbst. Produziert wurde das Format gemeinsam mit der Erfurter GECKO.1 Filmproduktion. Insgesamt elf Personen waren dauerhaft unterwegs – inklusive Regie, Kamerateam und Produktionsleitung. „Nichts war gescriptet“, sagt Schmelz, „aber du brauchst jemanden, der sicherstellt, dass die Bilder da sind.“
Der eigentliche Star der Serie ist allerdings Thüringen. Die erste Folge startet in Erfurt, wo Musiker Clueso die erste Challenge stellt: zehn Minuten Zeit, drei Fotos, pro Motiv nur ein einziger Auslöser. Danach geht es ans Thüringer Meer auf Hausboote, später nach Oberhof in die Skihalle und schließlich in den Nationalpark Hainich. Die letzte Folge wird zum Roadtrip durchs ganze Bundesland – Startpunkt Wartburg, danach acht Stunden Zeit für ein filmisches Thüringen-Porträt.
Thüringen bewusst mehr als nur Kulisse
Die Aufgaben wirken dabei oft wie kreative Härtetests. Ein Kurzfilm in 24 Stunden auf dem Hausboot, Wildlife-Fotografie im Morgengrauen oder ein Reel-Dreh mit Sportlern in Oberhof – inklusive Zeitdruck und wechselnder Regeln. In einer Challenge mussten Teilnehmer plötzlich mit dem Smartphone statt mit Profi-Equipment fotografieren. „Das zeigt ganz gut, wie anspruchsvoll Wildlife ist, wenn du richtig gute Motive willst“, sagt Schmelz über die Dreharbeiten im Hainich. Eisvögel, Schlangen und Rehe bekamen die Creators zwar vor die Linse – perfekte Bilder aber eben nicht immer.
Scheitern gehört dazu
Genau darin liegt der Reiz des Formats: Scheitern gehört dazu. Während viele Creator-Kanäle vor allem das perfekte Endergebnis zeigen, rückt „The Creators“ bewusst die Momente dazwischen in den Fokus. „Der Satz ‚Dein Job ist ja Urlaub‘ begleitet mich ständig“, sagt Schmelz.
Tatsächlich erzählt die Serie eher von Dauerstress als von digitalem Jetset. Schlafmangel, Selbstzweifel und kreativer Druck ziehen sich durch die Folgen. „Man selbst findet die eigenen Sachen nie gut genug“, beschreibt Schmelz die gemeinsame Erfahrung der Teilnehmer. Das Team habe sich irgendwann scherzhaft „Selbsthilfegruppe“ genannt.
Warum tun sie dich diesen Druck überhaupt an?
Trotz Konkurrenzgedankens bleibt die Serie dabei erstaunlich menschlich. Die Creators treten zwar gegeneinander an, helfen sich aber gleichzeitig gegenseitig. Genau dieses Spannungsfeld macht „The Creators“ stärker als viele klassische Influencer-Formate. Die Serie interessiert sich weniger für Reichweitenzahlen als für die Menschen hinter den Kameras – und für die Frage, warum sie sich diesen Druck überhaupt antun.
Gegenentwurf zum üblichen Großstadt-Influencer-Kosmos
Dass das Projekt aus Thüringen kommt, ist dabei kein Zufall. Schmelz wollte seine Heimat bewusst als Ausgangspunkt wählen. „Perfektes Pilotprojekt“, nennt er das. Und tatsächlich wirkt die Serie stellenweise wie ein Gegenentwurf zum üblichen Großstadt-Influencer-Kosmos: mehr Wald als Loftstudio, mehr Regenjacke als Ringlicht.
Eine zweite Staffel ist laut Schmelz bereits in Planung – diesmal vermutlich außerhalb Thüringens. Doch der Anfang gehört erst einmal dem Freistaat. Und der ist in „The Creators“ mehr als nur eine hübsche Kulisse.


















