Hamburg, Heidelberg, Dresden, Rothenburg ob der Tauber und München: Das sind laut der „Love & Travel Studie 2026“ von TUI Group die romantischsten Städte Deutschlands. Wie der Reisekonzern in seinem Blog mitteilt, liegt Hamburg mit 19,9 Prozent vorn, gefolgt von Heidelberg (17,9 Prozent) und Dresden (16,8 Prozent). Insgesamt 2.000 Menschen in Deutschland wurden Ende Oktober 2025 befragt und sollten bis zu drei Städte nennen, die sie mit romantischen Kurztrips verbinden.
Studie erklärt Romantik-Ranking
Auffällig ist jedoch nicht nur, wer im Ranking auftaucht, sondern auch, wer fehlt: Thüringen kommt gar nicht vor. Auf Nachfrage erklärt die von TUI beauftragte Agentur Peak Ace AG die Methodik der Studie. Für die Vorauswahl der Städte wurden zunächst die ersten 100 Google-Suchergebnisse zur Anfrage „romantischste Städte Deutschlands“ analysiert. Die dort am häufigsten genannten Orte bildeten anschließend die Liste, aus der die Befragten ihre Favoriten auswählen konnten.
„Wer hat, dem wird gegeben“
Das Problem: Diese Methode ist selbstreferenziell. Statt tatsächlich zu messen, welche Städte Menschen romantisch finden, reproduziert sie vor allem bestehende Listen aus dem Internet. Das nennt man den Matthäus-Effekt. Dieser beschreibt das soziologische Phänomen, dass Erfolg zu weiterem Erfolg führt („Wer hat, dem wird gegeben“), während Besitzlose weiter benachteiligt werden.
Da Reiseartikel häufig aufeinander verweisen oder voneinander abschreiben, tauchen immer wieder dieselben Klassiker auf – etwa Heidelberg oder Rothenburg ob der Tauber. Neue oder weniger bekannte Orte haben kaum eine Chance, überhaupt in die Vorauswahl zu gelangen. Die Umfrage misst damit weniger die Wahrnehmung von Romantik als vielmehr die Sichtbarkeit in Online-Artikeln. Kurz gesagt: Wer schon oft als romantisch bezeichnet wurde, bleibt es statistisch gesehen auch. Wer bisher seltener erwähnt wird, existiert im Ranking praktisch nicht.
Romantische Orte in Thüringen
Dass Thüringen dadurch durchs Raster fällt, überrascht also kaum. Dabei zeigt ein Blick jenseits der Google-Top-100 schnell, dass romantische Orte im Freistaat durchaus vorhanden sind. Die Redaktion hat deshalb eigene Favoriten zusammengestellt. Und ganz vorne mit dabei, sind die Dornburger Schlösser bei Jena oft „Balkonien Goethes“ genannt: drei Schlösser aus Renaissance, Barock und Rokoko, dazu terrassierte Gärten und Weinberge mit Toskana-Blick – hier entstanden einige von Goethes schönsten Liebesgedichten.
Liebe geht durch den Magen
Weiter südlich zeigt Schmalkalden, dass Fachwerk mehr kann als Kulisse für Reiseprospekte. Eine der besterhaltenen mittelalterlichen Altstädte Deutschlands, enge Gassen um den Marktplatz, Schloss Wilhelmsburg wie eine Filmkulisse – und mit der Viba Confiserie ein süßes Argument für alle, bei denen Liebe durch den Magen geht.

Sechs Brückenbögen aus glänzenden Pailletten schweben über den Köpfen der Krämerbrücken-Besucher: Das Kunstwerk des Erfurter Architekten Robert Leuschner heißt „pons invisibilis“ und soll unsichtbares sichtbar machen. Die sechs schwebenden Brückenbögen bestehen aus mehr als 12.000 gänzenden Kreisen aus Alufolie, die einen Durchmesser von 14 Zentimetern haben und mit Kabelbindern miteinander verbunden sind. Foto: Frank Karmeyer
In Bad Langensalza, mehrfach als „Blühendste Stadt Europas“ ausgezeichnet, reiht sich Romantik aneinander: zehn Themengärten auf engem Raum, Stadtmauer, Kurpark-Architektur und der Duft von tausenden Rosen. Besonders schön: ein nächtlicher Spaziergang an der beleuchteten Mauer. Greiz, die „Perle des Vogtlandes“, setzt auf fürstliche Romantik: zwei Schlösser, ein 50 Hektar großer Landschaftspark im englischen Stil und das Sommerpalais, das sich im See spiegelt wie in einem Jane-Austen-Roman.
„Venedig des Ostens“
Und natürlich Erfurt: Die Krämerbrücke, längste komplett bebaute und bewohnte Brückenstraße Europas, die vielen Gera-Arme und die gemütlichen Hinterhöfe sorgen für „Venedig des Ostens“-Momente – besonders in den kleinen Gassen hinter dem Fischmarkt zur blauen Stunde. Ganz in der Nähe: Weimar, wo die Romantik zwischen Park an der Ilm, Schlössern und Dichtergeist quasi erfunden wurde.
Blick über die Toplisten lohnt sich
Die TUI-Studie zeigt damit vor allem eines: Rankings sagen oft mehr über ihre Methode aus als über das, was sie eigentlich messen wollen. Und manchmal lohnt es sich eben doch, den Blick über die üblichen Toplisten hinaus schweifen zu lassen. Romantik findet sich schließlich selten nur dort, wo Google sie zuerst entdeckt.
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