Mit Sole, Kneipp und Moor etwas für die Gesundheit tun – darauf setzen die Thüringer Heilbäder. Die 18 Kurorte wollen mit Reizklima, Heilwasser und Moor zur Genesung und zum Wohlbefinden beitragen. Bad Berka, Bad Langensalza, Friedrichroda und auch Heilbad Heiligenstadt sind nur einige der Orte mit heilender Wirkung. Letzterem wird in diesem Jahr eine ganz besondere Bedeutung zugeschrieben. Die Stadt ist Austragungsort des 35. Thüringer Bädertages – einer Tagung, bei der über die Bedeutung und Zukunft der Heilbäder diskutiert wird. Veranstaltet wird sie vom Thüringer Heilbäderverband. Welchen Status haben Heilbäder als Thüringer Tourismusstandort und wie sieht ihre Zukunft aus?
Für den Heilbad-Titel müssen Thüringer Orte einige Kriterien erfüllen
1991 wurde der erste Bädertag in Bad Liebenstein ins Leben gerufen. Damals wie heute dient er dem fachlichen Austausch, dem Dialog mit der Politik und der Diskussion über zukünftige Herausforderungen, lässt Rainer Engelhardt vom Thüringer Heilbäderverband (THBV) wissen.
Strenge Kriterien für den Titel Heilbad
Doch nicht jeder Ort kann sich einfach so den Namen „Heilbad“ geben. Dazu müssen sie verschiedene Kriterien erfüllen, die im Deutschen Heilbäderverband und dem Thüringer Kurortgesetz niedergeschrieben sind. Unter anderem sind das feste Qualitätsanforderungen an die kurspezifischen Einrichtungen, die Einhaltung bioklimatischer und lufthygienischer Bedingungen und die Eignung der natürlich vorkommenden Heilmittel, wie beispielsweise Sole, Heilklima oder Trinkwasser.
Alle zehn Jahre müssen die Heilbäder prüfen lassen, ob sie die Vorgaben noch erfüllen. So kann es passieren, dass neue Orte den Status „Heilbad“ bekommen und andere ihn abgeben müssen. Doch auch wenn sie die Voraussetzungen nicht mehr erfüllen, dürfen sie weiter „Bad“ im Namen tragen. Zuletzt wurde Tambach-Dietharz als Luftkurort aberkannt. Saalfeld als Ort mit Heilstollenkurbetrieb und Stützerbach als Luftkurort kamen hinzu.
Thüringer Heilbäder sehen sich mit neuen Ansprüchen konfrontiert
„Die Thüringer Kurorte müssen ihre Infrastruktur an die Bedürfnisse einer alternden Gesellschaft, an die gewandelten Ansprüche von Gästen und Patienten sowie an Anforderungen in puncto Qualität, Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit anpassen“, sagt Rainer Engelhardt. Das lasse sich nur durch eine gezielte Unterstützung des Freistaates Thüringen umsetzen, erklärt der Verband.
Als Tourismusstandort sei Thüringen ebenso nicht zu unterschätzen. Im Jahr 2024 fand jede vierte gewerbliche Übernachtung in einem der 18 Heilbäder statt. Das sind insgesamt rund 2,5 Millionen im gesamten Jahr, was einen Anstieg von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Auch ist die Aufenthaltsdauer in den Kurorten im Vergleich zu anderen Orten höher – mit knapp fünf Tagen ist sie doppelt so hoch. „Die Kurorte sind damit ein wesentlicher Bestandteil der Thüringer Tourismusstrategie.“
Einige Investitionen stehen an
„Nach einer Zusammenstellung aus dem Jahr 2023 werden die 18 Thüringer Kurorte in den nächsten fünf Jahren zusammen mehr als 220 Millionen Euro in ihre kurörtliche und touristische Infrastruktur, zur Attraktivitäts- und Qualitätssteigerung investieren“, heißt es seitens des Thüringer Heilbäderverbandes.
Neue Projekte stärken die Kurorte
Doch nicht nur finanzielle Investitionen stehen an – auch neue Projekte werden realisiert. So sollen die Kurorte geprüfte Kurlotsen erhalten, die den Antritt einer Kur erleichtern sollen und bei Problemen beratend zur Seite stehen. Zudem soll das Ärztewissen rund um Kurformen und therapeutischen Maßnahmen erweitert werden. Zusammen mit der Landesärztekammer informiert der THBV über Kurformen, Voraussetzungen, Antragstellung und das Kurangebot in Thüringen.
Auch das Klima soll zukünftig eine größere Rolle spielen. „Auf dem Weg zum klimaneutralen Kurort“ ist der Name einer neuen Kampagne vom Thüringer Umweltministerium. Dabei sollen die Kurorte in den nächsten Jahren den durch Tourismus und Kurbetrieb verursachten CO₂-Ausstoß erfassen und nach Möglichkeiten suchen, diesen zu reduzieren. Bad Klosterlausnitz, Saalfeld, Bad Langensalza und Bad Sulza sind die ersten Orte, die dieses Projekt starten. Aus den daraus gesammelten Daten sollen eigene Klimaschutzkonzepte für die Kurorte entstehen.
Der 35. Thüringer Bädertag wird nach Heilbad Heiligenstadt kommen
Jedes Jahr besucht der Bädertag einen anderen Kurort in Thüringen. Nun fiel die Wahl auf Heilbad Heiligenstadt. Dort werden am 15. September die Mitglieder des Heilbäderverbandes sowie unter anderem Colette Boos-John, die Thüringer Ministerin für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum, Katharina Schenk, Thüringer Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie und Andreas Bausewein, Staatssekretär für Kommunales im Thüringer Ministerium für Inneres, Kommunales und Landesentwicklung zusammenkommen. Gemeinsam wollen sie über die Zukunft der Thüringer Heilbäder diskutieren.
Kurorte im Wandel: Herausforderungen und Chancen
Für Rainer Engelhardt ist eines klar: „Die Thüringer Kurorte stehen vor tiefgreifenden Herausforderungen. Mit dem demografischen Wandel steigen die Anforderungen an Infrastruktur, Barrierefreiheit und Qualität. Die Nachfrage nach Gesundheitsvorsorge wird weiter wachsen. Kurorte müssen gezielt neue Angebote entwickeln und ihre Position als Gesundheitszentren im ländlichen Raum ausbauen.“
Hard Facts
- Weitere Infos: www.natur-kur-thueringen.de
