Die Bastion auf dem Petersberg in Erfurt, die Creuzburg im Wartburgkreis oder die Seestern-Panorama-Bühne in Zeulenroda-Triebes direkt an der Talsperre – immer mehr außergewöhnliche Open-Air-Spielorte versüßen den Thüringer Konzertsommer. Der Freistaat mausert sich und immer mehr Veranstaltende und Gäste entdecken das Live- und Draußen-Gefühl neu. In unserer Reihe wollen wir die außergewöhnlichste Venues ins Spotlight nehmen und schauen, welche Events sie bieten und was sie so besonders macht.
Thüringer Kultursommer auf der Creuzburg
Hoch über dem Werratal gelegen, mit dicken Mauern und viel Geschichte im Gepäck, hat sich die Creuzburg im Wartburgkreis in den vergangenen Jahren still und ziemlich konsequent zu einer Open-Air-Spielstätte entwickelt, die mehr kann als nur Mittelalterromantik.
Kulturort, der Geschichte beleuchtet
Errichtet wurde die romanische Höhenburg im 12. Jahrhundert als Residenz der Thüringer Landgrafen. Mit rund 340 Metern Ringmauer zählt sie zu den größten erhaltenen romanischen Steinburgen der Region. Was früher Verwaltungszentrum, später Wohnort und zeitweise sogar Kindergarten war, ist heute vor allem eines: ein Kulturort, der Geschichte nicht nur konserviert, sondern sie mit neuem Scheinwerferlicht beleuchtet.
Das zeigt sich besonders im Sommer. Unter dem Label „Burg Creuzburg Open Air“ finden regelmäßig Konzerte im Burghof und auf den Außenflächen statt. Das Programm ist dabei alles andere als einheitlich: Folk- und Mittelalter-Metal treffen auf Deutschpop oder Classic Rock. Namen wie In Extremo, Matthias Reim oder Suzi Quatro stehen exemplarisch für eine Bandbreite, die weniger kuratiert wirkt als bewusst offengehalten. Auch etablierte Acts aus dem Mainstream – von Sportfreunde Stiller bis The BossHoss – tauchen im Line-up auf.
Irgendwo zwischen Ausflug und Konzertabend
Was die Creuzburg von klassischen Festivalwiesen unterscheidet, ist weniger das Programm als der Rahmen. Die Konzerte finden nicht vor anonymer Kulisse statt, sondern zwischen Mauern, Türmen und Innenhöfen, die selbst schon eine Geschichte erzählen. Der Blick ins Tal, das enge Gefüge der Anlage und die historische Architektur schaffen eine Atmosphäre, die sich kaum reproduzieren lässt – irgendwo zwischen Ausflug und Konzertabend.
Ritterkämpfe, Chorkonzerte und Krimi-Lesungen
Dabei bleibt die Burg flexibel. Neben den Open-Air-Konzerten gibt es Chorkonzerte, Mittelaltermärkte, Krimi-Lesungen und einen historischen Weihnachtsmarkt. Besonders das Burgfest zu Pfingsten zeigt, wie stark der Ort auch abseits der Musik genutzt wird: Ritterkämpfe, Gaukler und Handwerk verwandeln das Gelände regelmäßig in begehbares Geschichtsbuch.

Die Creuzburg in Thüringen verwandelt sich im Sommer in eine Bühne voller Musik, Geschichte und überraschender Events.
Foto: Dirk Bernkopf
Gerade diese Vielfalt macht die Creuzburg interessant. Wer hier ein Konzert besucht, bekommt nicht nur Musik, sondern immer auch ein Stück Historie mitgeliefert – sei es in Form einer Besichtigung des Creuzburg-Museums, der Elisabethkemenate oder einfach durch die Kleinstadt an der Werra selbst. Vergangenheit und Gegenwart stehen sich nicht gegenüber, sie gehen Hand in Hand.
Historischer Charme und einzigartige Open-Air-Erlebnisse
In einer Zeit, in der Veranstalter:innen immer stärker nach besonderen Settings suchen, wirkt die Creuzburg wie ein Sechser im Lotto: kein künstlich geschaffenes Erlebnis, sondern ein historischer Ort, der mit Leben und Klängen gefüllt wird. Und genau darin liegt vermutlich ihr Reiz.
