Schon in der Schule entdeckt Ronny seine Leidenschaft fürs Schreiben. „Im kreativen Schreiben habe ich allerdings gar nicht mal so gute Noten bekommen“, erinnert er sich schmunzelnd. Als Jugendlicher findet er Gefallen an den Büchern des japanischen Autors Haruki Murakami und an der „anspruchsvollen Literatur“, die er im Unterricht kennenlernte: „Da habe ich mir gesagt, ich möchte auch so etwas schreiben!“
In Erfurt begann die literarische Reise eines Autors
Während seiner Arbeitszeit in der Altenpflege entstehen erste Kurzgeschichten. 2014 tritt er in seiner Heimatstadt Mühlhausen in den „Autorenkreis“ ein – den er mittlerweile leitet. Hier schreiben und besprechen sie Texte mit Gleichgesinnten. Parallel zu seinem Bachelorstudium in Literatur und Geschichte an der Universität Erfurt veröffentlicht er Beiträge in kleinen Sammelbänden.
Filmkritiker als Romanfigur: Debüt aus Mühlhausen
Das Schreiben ist für den Mühlhäuser seit jeher eng mit Filmkultur verbunden. Seine Lieblingsfilme empfindet er als so wichtig und prägend, dass ihm dazu eigene Geschichten in den Kopf kommen. Am liebsten hätte er davon ausgehend selbst Filme gedreht. „Aber das Schreiben ist einfacher umzusetzen“, fügt Ronny lachend hinzu.
Aktuell studiert er Kunstgeschichte und Filmwissenschaft in Jena, geht dem Kino also auch wissenschaftlich auf den Grund. Da ist es naheliegend, dass Ronny für seinen Debütroman das Setting der Filmwelt gewählt hat: „Der Filmkritiker“ ist sowohl Titel des Buches als auch der Beruf der Hauptfigur, um die sich der Roman dreht.
Thüringer Autor verwandelt Filmkritik in Roman
Die Idee zum Buch erwächst aus einer Kurzgeschichte über einen Filmkritiker, welche Ronny schon vor Jahren geschrieben hat. Die Figur gefällt ihm so gut, dass ein Episodenroman daraus entsteht. „Als ich die erste Erzählung fertig hatte, habe ich überlegt: Schreibe ich das jetzt einfach noch mal als Roman? Aber es fühlte sich organischer an, mehrere Episoden über diese Figur zu schreiben, in denen ich mich ein bisschen austoben und experimentieren kann.“
Literatur trifft Filmkunst im Debütroman
Ein halbes Jahr arbeitet Ronny am Skript, hauptsächlich in der Stadtbibliothek von Mühlhausen und hört dabei ganz viel Filmmusik. „Das Schreiben hat mir sehr, sehr viel Spaß gemacht. Das hätte ich gar nicht gedacht bei einem Debütroman. Ich habe mit viel mehr Stress gerechnet. Das Schreiben war runder, weil ich für jede Episode nur ein paar Monate gebraucht habe, wohingegen das Schreiben von Romanhandlungen manchmal Jahre dauert.“
Die Hauptfigur des Romans, ein mittelalter Filmkritiker, muss sich mit der Konkurrenz zu seinem berühmten Bruder, Ehekrisen und bedeutungslosen Filmfestivals herumschlagen. Ronny wollte bewusst eine Figur erschaffen, welche nicht dem klassischen Helden entspricht: „Gerade Männer schreiben oft Texte mit sehr attraktiven und tollen Personen, die viele Liebschaften haben. Ich wollte eine realistische Figur erschaffen. Diese haben meist mehr Krisen und können manchmal erst am Ende etwas besser verstanden werden. Der Filmkritiker ist eine sehr menschliche Figur. Er merkt, dass sein Beruf langsam ausstirbt und entspricht besonders in einer Episode dem Klischee des alten weißen Mannes.“
Ronny aus Thüringen schreibt über das Leben im Kino
Ronny lässt sich gern von Filmproduktionen inspirieren, die von sehr krassen Figuren mit Tiefgang handeln. Er weitet diesen Aspekt auf die Sprache aus und lässt den Protagonisten am Anfang viel fluchen, freier und authentischer sprechen. Das Filmische integriert „Der Filmkritiker“ auch in der Gestaltung des Buches: Jede Episode wird von einem surrealistischen Bild eingeleitet. Zusammen bilden sie eine schwarz-weiße Collage, wodurch sich ein bildlicher stringenter Faden ergibt und die Geschichte auch visuell erzählt wird. „Darin steckt eine Anspielung auf die Tradition der Filmplakate, die früher insbesondere in der DDR noch gemalt worden sind“, so Ronny.
Uni Erfurt als Inspiration zur Kulisse
Seit der Veröffentlichung des Romans Ende August 2024 führten verschiedene Lesungen den Autor auch zurück an die Universität Erfurt. Die Lesung dort war die Erste des neu gegründeten Fachschaftsrats der Literaturwissenschaft. „Das ist wirklich ganz toll“, freut sich Ronny. „Ein bisschen Uni Erfurt ist auch in dem Buch enthalten. Zum Beispiel ist die Fahrt der Straßenbahn vom Bahnhof zur Uni nachzuvollziehen. Es ist schön, mal auf der anderen Seite des Hörsaals zu sitzen und als Autor zu lesen. Ich kannte das bis jetzt ja nur als Student und freue mich sehr, dass ich eine Lesung an meiner ursprünglichen Uni abhalten kann – die ich auch ein bisschen vermisse!“
Drei Engel für kul-ja! – Erfurter Verlag publiziert Bücher mit Herz
Trotz all der Anspielungen wollte Ronny keinen Regionalroman schreiben, worin die Beschreibungen der Umgebung die Handlung übertönen. „Ganz offiziell deute ich es nur an. Falls jemand die Gegend oder die Uni kennt, kann es herausgelesen werden. Das waren kleine ‚eastereggs‘, ähnlich kleinen Hinweisen auf bestimmte Filme, die erst gefunden werden müssen. Ich mag dieses popkulturelle Element des Romans.“
Literaturtradition in Thüringen
„Der Filmkritiker“ wurde mit dem Erfurter Verlag kul-ja! Publishing herausgebracht, worüber Ronny sich ganz besonders freut. Den Verlag und die Autor:innen verfolgt er schon lange und ist stolz darauf, den Roman mit einem Thüringer Verlag veröffentlicht zu haben. Insbesondere, da die Literaturlandschaft in Thüringen aktuell einen geringen Stellenwert im gesamtdeutschen Vergleich einnimmt.
Freude über Zusammenarbeit mit regionalem Verlag
„Das ist sehr schade und traurig, da wir eigentlich eine riesige Literaturtradition hier in Thüringen haben. Es gibt nicht viele Verlage, die solche Romane wie meinen vom Thema her veröffentlichen. Umso mehr freue ich mich, dass es mit einem Verlag hier in meinem Bundesland geklappt hat.“
Hard Facts:
- Lesung mit Ronny Thon: 18. Mai | 14 Uhr
- Wo: Schützenhaus Lengenfeld
- Mehr Infos findet ihr hier
