Kay Steuerwald aus Jena schafft Holzgefäße in ungewöhnlichen Formen – und kann dabei auf die Unterstützung seiner Kettensäge schwingenden Partnerin zählen.
Wie Holz sich verändert: Handwerkskunst aus Jena
Auf den ersten Blick muten die bauchigen oder langgezogenen Gefäße in ihren bräunlichen Farbtönen reichlich massiv an. Erst bei näherer Betrachtung und beim Anheben wird ihre feine Verarbeitung offenbar. Wandstärken von wenigen Millimetern geben dem bevorzugt verwendeten frischen Eschen- und Eichenholz auch nach Abschluss der Arbeiten an der Drechselbank noch Möglichkeiten, sich weiter zu entfalten und über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten ihre endgültige Form zu finden. „Viele sind deswegen überrascht, wie leicht meine Arbeiten sind, wenn sie die in den Händen halten“, berichtet Kay Steuerwald von seinen Erfahrungen auf zahlreichen Kunsthandwerksmärkten.
Warum Kay Steuerwalds Holzkunst aus Jena einzigartig ist
Der experimentierfreudige 50-Jährige ist begeistert von seinem Werkstoff und den Möglichkeiten, die sich durch eine filigrane Bearbeitung ergeben. „Aktuell arbeite ich etwa an einem Lampenschirm aus sehr dünn gedrechseltem Holz. Das kann dann sogar lichtdurchlässig sein und den Räumen durch die individuelle Maserung des Holzes eine ganz eigene Lichtstimmung verleihen.“
Kay Steuerwald war schon in seiner Kindheit, die er in der Nähe von Blankenhain verbrachte, oft in der Natur unterwegs und bastelte gern. Nach dem Schulabschluss stand er vor der Entscheidung zwischen zwei reizvollen Berufen: Elektrotechniker oder Tischler? Er entschied sich für Ersteres, arbeitet heute hauptberuflich als Mechatronik-Monteur für elektromechanische Antriebe.
Stabile Beziehung: Kettensäge trifft Drechselbank
Präzision und technische Genauigkeit sind dabei gefragt – genau wie bei der Holzbearbeitung; seinem Hobby, das er mit seiner Partnerin Ina Lange teilt. Ein Paar, das sich hervorragend ergänzt: Während sie durch geschicktem Umgang mit der Kettensäge aus Baumstämmen beeindruckende Kunstwerke und Skulpturen schnitzt, entschied sich Kay Steuerwald fürs Werkeln an der Drechselbank.
60 bis 70 Unikate aus Handarbeit
Im Dezember 2021 präsentierte er unter dem Label Schalendreher seine erste Arbeit auf Instagram. Seitdem geht er seiner Freizeitbeschäftigung sehr intensiv nach und hat inzwischen Kontakte zu Waldbesitzern in der Jenaer Umgebung geknüpft. Etwa 60 bis 70 Unikate aus Holz stellt er in Handarbeit pro Jahr her und bietet sie direkt online, auf Kunsthandwerkermärkten oder in einer Galerie im Einkaufszentrum Neue Mitte in Jena zum Kauf an.
Diese bunte und vielfältige Ladenfläche wurde von Kreativen aus Jena und Umgebung gemeinschaftlich angemietet, um ihrem Kunsthandwerk von Malerei über Schmuck, Papier- und Textildruck bis hin zu Keramik und eben Holzobjekten zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen. Immer ist ein:e Künstler:in als Ansprechperson vor Ort.
Überraschender Werkstoff mit Charakter
In seinen Arbeiten geht es Kay Steuerwald darum, den individuellen Charakter des verwendeten Werkstücks sichtbar zu machen. „Gerade wenn Äste eingeschlossen sind oder das Holz Risse aufweist, würde ein Tischler damit nicht arbeiten. Bei ihm geht es aber auch um eine Funktion, die das Holz erfüllen muss. Bei mir ist das – von den wirklichen Holzschalen vielleicht einmal abgesehen – nicht der Fall und ich finde es gerade reizvoll, mit diesen Besonderheiten zu arbeiten und sie zu betonen.“
Wie Holz und Zeit Kay Steuerwalds Kunst prägen
In welche Richtung sich das Holz nach den Drechselarbeiten verändert oder wie es sich genau verzieht und verformt, ist auch für den Handwerker nicht vorhersehbar. Das Schwundverhalten beim Trocknen ist uneinheitlich, sorgt für Spannungen im Holz – und sorgt immer wieder für Überraschungen. Um den oftmals ovalen oder konischen Holzgefäßen ihren endgültigen Look zu verleihen, nutzt Kay Steuerwald natürliche Prozesse. Eichenholz enthält besonders viel Gerbsäure, die mit Mineralien oder Kalkfarbe in Reaktion tritt und dadurch das Aussehen stark verändern kann.
Auch durch Räuchern ist eine nachträgliche Veränderung der Farbe möglich, die ein breites Spektrum abdecken kann. So ist auch durch die verschiedenen Maserungen, Muster, Farbtöne und Formen jedes Stück ein Unikat. „Auch wenn das viele Leute fragen: Wasserdicht sind meine Dekorationsgefäße nicht.
Dafür wären der Einsatz von Epoxidharz und tatsächlich auch dickere Wandstärken notwendig“, ergänzt der Jenaer, für den bald der Umzug in eine neue Werkstatt ansteht, wo er sich auf etwas weitläufigerer Fläche entfalten kann. Hier soll es auch genug Platz für einen Showroom geben, in dem viele seiner liebevoll und leidenschaftlich gedrechselten Holzobjekte in Augenschein genommen werden können.
Hard Facts:
- Ein Überblick über die Arbeiten von Kay Steuerwald und Ina Lange findet sich auf Instagram
