Interview: Anna Hess
Knorkator – die selbsternannt „meiste Band der Welt“ – feiert ihr 30-jähriges Jubiläum und macht dafür auch in Erfurt Halt! Am Freitag, den 30. Januar 2026, wird der Central Club zum Schauplatz eines spektakulären Abends voller Wahnsinn, Musik und Humor. Mit im Gepäck: Das brandneue Album „Weltherrschaft für alle!“, das pünktlich zum Jubiläum veröffentlicht wurde. Das Werk vereint schonungslos Persönliches, satirische Blicke auf moderne Absurditäten und natürlich geballten „Auf-die-Fresse-Metal“.
Konzert mit Knorkator in Erfurt
Dazu gibt’s als besondere Feierlichkeit frische Neubearbeitungen älterer Hits, die endlich so klingen, wie sie es laut Band verdient haben. Knorkator-Mastermind Alf Ator (Keyboard, Gesang & Songwriting) hat uns einen Blick hinter die Kulissen gewährt und über das Album, Thüringen und 30 Jahre Knorkator gesprochen.
Seit 1994 macht ihr als Knorkator Musik. Was ist das Geheimnis eurer Langlebigkeit?
Wir sind wie ein vorbildliches Kollektiv. Es läuft bei uns ruhig ab, ohne wilde Eskapaden. Klar, manchmal feiern wir, aber nie übertrieben. Es geht vielmehr darum, am Abend spielbereit auf die Bühne zu stehen – ohne total fertig zu sein, weil man sich weggeschossen hat. Diese Zeiten sind vorbei.
Wo wir beim Rückblick sind. Was würdest du deinem jüngerem Ich mit auf den Weg geben, wenn du könntest?
Ich würde ihm bei einigen Songs die Ohren langziehen und sagen: Gib dir mehr Mühe! Früher habe ich vieles einfach laufen lassen und gedacht: „Ach, das passt schon.“ Heute denke ich, ich hätte früher mehr arrangieren können, mehr Feinheiten einbauen sollen. Das würde ich meinem jüngeren Ich auf jeden Fall mitgeben.
Habt ihr nach so lange Zeit Arbeitsroutinen? Wie entsteht ein typischer Knorkator-Song? Bei euch klingt ja nichts nach Schema F …
Das kann man so gar nicht sagen, es ist eine Mischung aus allem. Ich habe sozusagen „virtuelle Schubladen“, wo ich Songideen ablege. Eine Schublade für Themen, die ich textlich angehen will. Da lege ich Grundideen ab, noch keinen fertigen Text, sondern eher die Idee für einen Text, den man machen könnte.
Dann gibt’s eine andere Schublade für Melodien. Die kommen einfach mit der Zeit – am Klavier, manchmal bei einem Film oder durch eine interessante Harmoniewendung, die hängen bleibt. Und dann ist da die Slogan-Schublade, besonders wichtig im Rock. Ein prägnanter Refrain, der kurz und knackig ist und zum Mitgrölen einlädt, ist Gold wert. Oft passt so ein Slogan noch zu nichts, aber irgendwann fügt sich das zusammen.
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Wenn sich zwei dieser Ideen, ein Text und eine Melodie, aufeinander zubewegen – dann startet das Songwriting. Einige Ideen schlummern bei mir seit über zehn Jahren! Ich habe da zum Beispiel eine wunderschöne Melodie, seit Bestehen der Band, aber es ist mir bisher nicht gelungen, einen passenden Text dazu zu schreiben. Manchmal dauert es eben.
Wenn ihr einen Song über Thüringen schreiben würdet – worum würde er gehen? Bratwurst, Wald, Wut, oder Weisheit?
Interessante Frage. Was wir von Thüringen sehen, ist ja meist das, was wir auf Tour erleben: die Menschen, die Clubs und die Strecken dazwischen. Natürlich spielt dabei die Landschaft eine große Rolle. Es gibt diese schönen Momente, wenn wir die A4 entlangfahren, an Erfurt vorbei, und dann die Drei Gleichen auftauchen – das sind richtig schöne Rituale. Da kommt immer der Gedanke: „Ach, hier ist doch alles toll.“ Ich glaube, der Song würde stark von der Landschaft inspiriert sein.
Nun zur ultimativen Thüringer-Frage: Bratwurst oder Klöße?
Als Vegetarier entscheide ich mich ganz klar für die Klöße. Die sind einfach großartig!
Und wie sind eigentlich die Thüringer Fans? Gibt es Unterschiede zu anderen Regionen?
Ja, das ist spannend. Der Mentalitätsunterschied zwischen Fans verschiedener Bundesländer ist eigentlich gering. Das Knorkator-Publikum ist sowieso sehr speziell – ob in Mecklenburg oder Bayern, unsere Fans ähneln sich mehr als der übrige Bevölkerungsdurchschnitt.
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Früher, als wir als weniger bekannte Band deutschlandweit unterwegs waren, haben wir gemerkt: Thüringen und Sachsen hatten oft das offenste Publikum. Die Stimmung dort war spürbar besser als in Regionen, wo die Leute erstmal warm werden mussten. Ich würde Thüringen und Sachsen fast in einem Atemzug nennen.
Eure Shows sind legendär – wie viel davon ist eigentlich geplant, und wie viel passiert einfach spontan?
Bei uns gibt es da zwei Extreme: Ich bereite die Shows akribisch vor, und Stumpen ist der Mann des Augenblicks. Wenn etwas schiefgeht, wächst er über sich hinaus. Er kommuniziert dann auf absurdeste Weise mit dem Publikum. Wir wissen, dass wir auch improvisiert die Kurve kriegen.
Der Nachteil ist: Er hört dann nicht mehr auf! Bei unserem ersten Konzert dieses Jahr in Cottbus hat er Eier auf der Bühne gebraten. Danach hat jemand gemeint, sie seien ungesalzen – also hat er Salz geholt. Das war unfassbar lustig, aber das Konzert hat am Ende zweieinhalb Stunden gedauert. Da mussten wir die Zügel ein bisschen anziehen.
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Ihr wart 1996 sogar mal mit Rio Reiser auf Tour. Wir war das?
Rio war ein großartiger Komponist. Viele sehen nur den Anarcho-Typen, ich sehe da einen extrem guten Musiker. Allerdings haben wir ihn nur als Schatten seiner selbst kennengelernt. Er hatte gute Momente, war klug – aber man spürte, wie sehr er gelitten hat.
Rio Reiser war politisch. Bei euch hat sich im Laufe der Zeit auch ein politischer Wandel vollzogen:, oder?
Ich wollte früher zeitlose Themen behandeln, weil mir Politik zu kurzlebig war. Aber heute greift Politik so massiv ins Privatleben ein, dass es unehrlich wäre, das auszublenden. Trotzdem glaube ich nicht an Parolen für Gleichgesinnte – echte Veränderungen brauchen Offenheit und Gesprächsbereitschaft.
Hard Facts:
- Freitag, 30. Januar um 21 Uhr
- Central Club | Am Wasserturm 8-10 | Erfurt
- Knorkator (@knorkator) • Instagram-Fotos und -Videos
