Ein Zufallsgeschenk. Das umschreibt wohl am besten, das neue und erste Album der Erfurter Band „Anton and the Dots“. „This Could Be An Album“ (dt. das könnte ein Album sein) spielt mit Konjunktiven und spielgelt die musikalische Entwicklung einer ambitionierten Indie-Band wider, die das Spiel mit der sprachlichen Meta-Ebene eindeutig beherrscht.
„Anton and the Dots“ kommen aus Erfurt
Anton, Emily, Leonard sowie Leopold aus Leipzig und Erfurt sind ähnlich wie ihr Indierock-Sound ist – liebevoll, analog und manchmal ein wenig melancholisch, aber auch komplex. Deswegen ist das Debütalbum nicht einfach nur ein Tonträger, es ist ein offenes Projekt, das zum Mitmachen einlädt.
Erfurter Indie-Band Anton setzt kreative Akzente
Auf der eigens programmierten Homepage dazu können Fans Grafiken erstellen, die ein Albumcover sein könnten und das Release-Konzert in Erfurt wird in Anlehnung an das Konzept des Albums interaktiv und zufällig gestaltet sein. Wie das genau funktionieren soll, erklärt der Sänger und Namensgeber der Band: Anton Weigel – der ganz nebenbei im Atomino Studio in Erfurt-Egstedt als Sounddesigner arbeitet – im t.akt-Interview.
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Anton, das erste Album ist draußen – wie fühlt sich das an?
Anton: Definitiv befreiend. Für mich war das immer ein Punkt auf meiner Bucket List. Ich hab‘ mir immer vorgenommen, einmal ein Album zu produzieren – und jetzt ist dieser Life-Goal erreicht. Es fühlt sich einfach gut an.
Und warum nur ein Album? Ich dachte, du willst jetzt so richtig durchstarten und Popstar werden?
Weiter Musik machen und das Album veröffentlichen schließen sich ja nicht aus. Aber ich halte nichts von großen Träumereien und diesen unerreichbaren Zielen, das ist einfach nicht meine Art. Ich mag klare, kleine Schritte: ein Album machen, Spaß daran haben und dann vielleicht noch zehn weitere, wenn es sich ergibt (lacht). Aber das erste Album ist immer etwas Besonderes.
Das klingt, als würdest du sehr bewusst an Musik herangehen. Was für ein Typ Mensch würdest du sagen, bist du – bezogen auf Musik?
Ich glaube, ich romantisiere Musik ziemlich stark. Für mich ist sie etwas unglaublich Persönliches, etwas, das direkt von Mensch zu Mensch geht, ohne Umwege. Ich sehe Musik als Kunstform, ein Medium für echte Verbindung. Dieses Album ist genau das – ein Status quo, ein Ausdruck unserer Band. Es ist draußen, und wir freuen uns darauf, besser zu werden.
Was bedeutet für dich „besser werden“? Heißt das, neue Ideen entwickeln, neue Sounds finden, oder wie verstehst du das?
Wir sind ständig auf der Suche nach dem perfekten Song und dem Sound, der uns ausmacht. Beim Produzieren ist das fast wie Portfolioarbeit: ein Song ist abgeschlossen, ein Kapitel beendet und dann rückt alles Neue in den Fokus. Es geht darum, immer ein wenig mehr herauszufinden, wie wir klingen können und was wir erzählen wollen. Das Albumentstehen hat mir erst gezeigt, wie sehr ich diesen Zustand des kreativen Suchens und Findens liebe – unsere Musik lebt von dieser Spannung.
Das bringt uns direkt zu eurem Albumnamen „This Could Be an Album“. Der Name wirkt fast wie eine Reflexion – warum dieser Titel?
Er ist ein Querschnitt dessen, wie das Album entstanden ist. Wir hatten keinen starren Plan, keine Deadlines – es war eher ein Prozess des Sammelns und Ausprobierens. Nach zwei veröffentlichten EPs war klar, dass wir uns auf Neues konzentrieren wollten, nicht auf das Alte. Wir haben einfach gejammt und Musik gemacht, bis genug Songs da waren, die sich gut anfühlten und zusammenpassten. Und als ich alles geordnet habe, waren es plötzlich elf Tracks, eine Playlist da, die ich „This Could Be an Album“ genannt habe. Der Name hat die Zufälligkeit und Lockerheit dieses Entstehungsprozesses einfach perfekt eingefangen.

Anton mags auch mal melancholisch. Foto: Gustav Torkos
Der Name beschreibt also auch euren Moment als Band – eine Art Zeitstempel. Aber warum sagt ihr, das Album sei unfertig und soll auch so bleiben?
Es ist natürlich fertig in dem Moment, in dem es veröffentlicht wird. Aber wir wollten bewusst ein Fragezeichen dahinter setzen – sozusagen eine Einladung, die Musik als unfertiges Konzept zu betrachten. Für uns war es wichtig, die Songs so zu belassen, wie sie während des Entstehungsprozesses waren, ohne sie später auf Hochglanz zu polieren. Dieses „Unfertigsein“ ist auch eine Art Meta-Kommentar. Musik könnte immer weiterentwickelt werden, aber manchmal ist das, was da ist, genau richtig, so wie es ist.
Das macht Sinn. Ich finde, das Album hat tatsächlich diese introspektiven, melancholischen Themen. Woran arbeitest du dich inhaltlich ab?
Die Songs sind definitiv Selbstreflexion – klassische Singer-Songwriter-Ansätze. Es steckt viel Persönliches darin, vor allem aus den zwei Jahren, in denen das Album entstanden ist: Umzüge, Freundschaften, Studium-Abbruch, nach Hause zurückkommen. Dieser Mix aus Rückkehr und Aufbruch spiegelt sich in den Songs wider. Manche sind kleine Geschichten, wie eine Geburtstagsparty in Wien oder der Song „Strange Kind of Love“, der von einer besonderen Freundschaft handelt. Ich habe mich bemüht, persönliche Themen in universelle Bilder zu packen.
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Und wie entsteht euer Sound? Entwickelt ihr ihn in Jamsessions oder ist alles geplant?
Normalerweise schreibe ich die Songs zuerst allein. Dann kommen wir zusammen, um damit zu spielen. Wir verbringen Zeit im Studio und probieren viel aus. Beim Recording verändert sich immer noch vieles – das Schlagzeug, der Bass geben Inspiration für weitere Elemente, wie eine hallende Gitarre oder eine Orgel, die plötzlich Sinn macht. Es ist viel Freiraum und Experiment, was die Songs ausmacht.
Das passt auch zu den Attributen „melancholisch, liebevoll, komplex“, wie ihr euer Album selbst umschreibt. Passen diese Beschreibungen auch zu dir als Person?
Absolut. Ich höre viel ruhige, introspektive Musik und finde darin Trost. Menschen mit traurigen Themen zu berühren hat etwas unglaublich Warmes und Verbindendes. Meine musikalischen Vorbilder – von Mac DeMarco bis zu Elliot Smith – zeigen, dass Melancholie nicht nur etwas Trauriges ist, sondern etwas Schönes.
Du hast bereits angedeutet, dass du im Studio deines Vaters in Egstedt arbeitest. Wie fühlt sich das an?
Es ist ein riesiger Luxus, hier zu leben und arbeiten zu können. Obwohl ich im Studio aufgewachsen bin, habe ich es erst während der Pandemie für mich entdeckt. Seitdem habe ich von einem kleinen Interesse über ein Hobby zur Profession gefunden. Jetzt produziere ich auch für andere – das ist eine natürliche Entwicklung, aber ich liebe es.

Anton and the Dots sind Anton, Emily, Leonard sowie Leopold aus Leipzig und Erfurt. Sie spielen im Rahmen ihrer Tour zum Release des Debütalbums „This Could Be An Album“ in Thüringen. Foto:Funke Medien Thüringen
Ihr habt euer Album auch mit einer Website verbunden, auf der Fans ihr eigenes Cover gestalten können. Wie kam es dazu?
Wir wollten etwas Interaktives und Digitales schaffen, das unser Konzept ergänzt. Ohne großes Marketingbudget war uns klar, dass wir etwas Kreatives mit unserem Namen machen müssen. Die Website ist wie eine Galerie: jeder kann sein eigenes Cover gestalten und die Ergebnisse sind unglaublich spannend. Es ist unser kleines Museum, das mit dem Album in den digitalen Raum wächst – wie eine spielerische Erweiterung unseres Konzepts, die den Konjunktiv des Namens aufgreift.
Ihr setzt dieses Konzept auch live um und lasst das Publikum eure Bühneneffekte mitgestalten. Das ist zumindest der Plan laut Veranstaltungs-Beschreibung eures Release-Konzertes in Erfurt. Wie muss ich mir das vorstellen?
Die Idee ist, live Bilder und Effekte auf die Bühne zu projizieren, die das Publikum gestalten kann. Es ist technisch eine Herausforderung, aber wir lieben die Vorstellung, dass unsere Konzerte eine interaktive Ebene bekommen. Wir arbeiten aktuell an den Details, aber das Chaos und die Zufälligkeit passen perfekt zu uns. Am Ende sehe ich uns mit Polylux in der Mehlhose hantieren. Das wird spannend, aber ein ausgeklügeltes Konzept gibt es nicht. Wir experimentieren.
Das Konzept „kein fixes Konzept“ scheint letztlich Teil eurer kreativen Handschrift zu werden, oder?
Definitiv. Sich treiben zu lassen, ohne große Erwartungen, mit viel Gefühl – das beschreibt uns als Band ziemlich gut.
Hard Facts:
- Release-Konzert in Erfurt: 17. Januar | 19 Uhr | Franz Mehlhose
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