Gotha wagt ein akustisches Experiment: Die Band Behle spielt im leeren Schwimmbecken des Stadtbads – Jazz, Pop und ein Klang, der den Raum verwandelt. Ein Format, das mehr ist als nur ein Konzert.
Behle-Konzert bringt das Stadtbad Gotha zum Klingen
Von außen Jugendstil, von innen Klangkathedrale: Am 5. Juli 2025 wird das historische Stadtbad in Gotha zur Bühne für ein Konzert, das in seiner Form und Atmosphäre einzigartig ist. Unter dem Titel „Klangwellen im Jugendstil“ lädt die Thüringer Band Behle ab 20 Uhr zu einem Abend voller Jazz, Pop und architektonischer Akustik-Erfahrung ein – mitten im leeren Schwimmbecken. Liegestühle, Cocktails und ein Ensemble mit spürbarer Spielfreude inklusive.
Gothas Stadtbad wird zur Klangkathedrale
„Dieses Konzert ist mehr als nur Musik – es ist ein Gesamtkunstwerk aus Klang, Architektur und Atmosphäre“, sagt Isabelle Schieblich, Sängerin des Duos Behle und kreative Impulsgeberin des Abends. Gemeinsam mit ihrem Partner Christian Schieblich (Gitarre) und dem Weimarer Saxophonisten Markus Callenberg spielt sie sich durch Jazz-Standards, eigene Songs und improvisierte Klangmomente – getragen von einem Ort, der sich mit jeder Note wandelt.
Wie Isabelle oder kurz Isa mitteilt, war es der Veranstalter selbst, die Gothaer Bäder GmbH, der das ungewöhnliche Setting vorschlug. „Nach unserem Konzert in der Saunalandschaft des Stadtbads im März, das schon unglaublich viel Spaß gemacht hat, kam die Idee: Warum nicht im leeren Schwimmbecken?“, erzählt sie. Eine Frage, die schnell zur Antwort wurde. „Wir waren natürlich sofort begeistert. Uns war schnell klar, welches Potenzial dieser Ort hat – klanglich und visuell.“
Ungewöhnliches Konzert-Setting mitten in Gotha
Was nach akustischem Abenteuer klingt, hat bereits ein erfolgreiches Beispiel: Die Band Rainer Rock spielte im Vorjahr das erste Konzert dieser Reihe. Nun übernimmt Behle den Staffelstab – allerdings mit einem anderen musikalischen Ansatz. Statt Gitarrenriffs trifft hier feinsinniger Jazz auf melancholischen Pop, interpretiert von einer Band, die sich Raum und Stille ebenso zunutze macht wie Klangfülle.
Behle bespielt Gothas Stadtbad mit jazziger Leichtigkeit
„Ein leeres Becken erzeugt eine Akustik, die man sich kaum vorstellen kann“, erklärt Isabelle. „Man meint, es sei nur hallig, aber tatsächlich entsteht eine fast sakrale Raumwirkung. Der Klang wird nicht verschluckt, sondern getragen.“ Und auch atmosphärisch sei der Ort besonders: „Die Kacheln, das Licht, die Jugendstil-Architektur – es hat etwas Surreales. Man ist in einer anderen Welt.“
Und diese andere Welt will Behle füllen – mit einem eigens auf den Ort zugeschnittenen Programm. Jazz-Standards, neu interpretiert, treffen auf eigene Kompositionen, die laut Isa „oft eine melancholische oder atmosphärische Note haben und sich deshalb wunderbar in die Architektur einfügen.“ Besonders die Mischung sei entscheidend: Bekanntes schafft Nähe, Unbekanntes eröffnet neue Perspektiven – ganz im Sinne des Konzepts.
Zwischen Kacheln und Klang: Gothas Stadtbad als Bühne
Verstärkt wird das Duo an diesem Abend durch den Saxophonisten Markus Callenberg, der einigen Stücken eine weitere Klangfarbe verleiht. „Es ist ein besonderes Zusammenspiel, das wir extra für diesen Abend ausgearbeitet haben. Markus bringt einen wunderbaren Ton mit, der unsere Songs noch einmal neu auflädt“, so Isa.
Klangwellen fluten das leere Becken in Gotha
Dass ein solch experimentelles Konzert im städtischen Rahmen möglich ist, sei keineswegs selbstverständlich, betont die Sängerin. Die Zusammenarbeit mit der Gothaer Bäder GmbH sei von Anfang an von Begeisterung und Offenheit geprägt gewesen. „Es brauchte keine Überzeugungsarbeit. Im Gegenteil: Als uns Geschäftsführer Carsten Pferner die Idee unterbreitete, war sofort spürbar, wie sehr alle Beteiligten an einem Strang ziehen.“
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Die Offenheit für unkonventionelle Kulturformate spiegelt sich auch in der Gesamtgestaltung des Abends: Statt fester Reihen gibt es Liegestühle rund um das Becken, dazu frische Cocktails, entspannte Atmosphäre und viel Raum für Begegnung. „Das Publikum soll nicht nur zuhören, sondern auch eintauchen – geistig, emotional, vielleicht auch körperlich, wenn der Wunsch nach einem imaginären Sprung ins Klangbecken zu groß wird“, sagt Isa mit einem Lachen.
Saxophon, Gesang und Cocktails im Stadtbad Gotha
Warum man sich dieses Konzert nicht entgehen lassen sollte? Isa hat eine klare Antwort: „Weil es so etwas einfach selten gibt. Es ist eine Einladung zum Hören mit allen Sinnen. Wer Jazz mal anders erleben will, wer Räume neu denken möchte oder einfach einen besonderen Sommerabend sucht – für den ist das hier genau richtig.“
Wenn Musik Raum bekommt: Konzert in Gothas Bad
Und dabei sei es eben nicht nur das Experiment, das zählt, sondern auch die Intimität. „Wir wollen Nähe schaffen. Auch wenn das Becken groß ist – es soll sich anfühlen wie ein Wohnzimmer. Nur eben mit viel schönerer Akustik.“

Die Erfurter Band Behle tritt in Gotha auf. Foto: Thomas Sasse
Mit einem Augenzwinkern spricht Isa am Ende noch über die Versuchung, ins Becken zu springen. „Bei uns ist das klar aufgeteilt: Wenn jemand den Impuls hätte, dann Christian. Ich persönlich bevorzuge den Cocktail am Beckenrand“, erzählt sie. Diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit, Tiefe und Spiel zeigt: Behle ist keine Band für große Bühnen, sondern eine, die sich zwischen den Resonanzräumen von Musik und Raum, von Mensch und Architektur bewegt, wie die Sängerin bestärkt.
Hard Facts:
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- Klangwellen im Jugendstil-Bad
- Wann: 5. Juli, 20 Uhr
- Wo: Stadtbad Gotha
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