Im thüringischen Bösleben-Wüllersleben, einem Ort im Ilm-Kreis, der zunächst nicht nach Festival-Mekka klingt, findet alljährlich etwas ganz Besonderes statt: das Badlife Festival. Laut, wild, herzlich – und komplett Do It Yourself. Für die Veranstalter ist es mehr als ein Musikfestival – es ist Heimat, Haltung, Freundschaft. „Das Badlife ist wie ein großes Familientreffen für durchgeknallte Ska-Punk-Liebhaber*innen“, beschreibt Skelli von der Festivalcrew das Festival.
Von einer Konzertidee zum Kultfestival in Thüringen
Die Geschichte des Festivals beginnt unspektakulär – und gerade deshalb so authentisch. „Die ‚Urväter‘ des Badlife Festivals waren bei einem Konzert der österreichischen Ska-Punk-Band Ramazuri im Ilvers in Erfurt – und direkt Feuer und Flamme. Schnell war klar: Die müssen wir nach Bösleben holen und selbst ein Konzert auf die Beine stellen“, erklärt Skelli. Ska-Punk ist eine Mischform aus den Genre Ska und Punk. Zusammen mit den Bad Nenndorf Boys und der eigenen Band „Arschtritt in die Fresse“ entstand das erste Line-up. Aus einem kleinen Konzert wurde ein Festival. Der Startschuss für das Badlife war gefallen.
Wie aus Bösleben das „Badlife“ wurde
Auch der Name des Festivals hat einen Hintergrund: „Badlife ist eigentlich nur die simpelste Art, Bösleben auf Englisch zu übersetzen. Die Band ‚No Sports‘ hat letztes Jahr gemeint, dass es nicht ‚Badlife‘, sondern ‚Goodlife‘ heißen sollte“, erklärt Skelli.
Was man beim Organisieren lernt
Das Festival hat nicht nur die Besucherinnen und Besucher geprägt, sondern auch das Team selbst. Sie haben gelernt, wie viel mit Improvisationstalent, Teamgeist und Humor erreicht werden kann. Dass auch Fehler dazugehören – solange man daraus lernt. Und dass ein kleines Dorf in Thüringen mehr Energie und Lebensfreude ausstrahlen kann, als manche Großstadtveranstaltung.
Warum das Badlife mehr ist als nur Musik
„Wenn Technik ausfällt, Genehmigungen wackeln oder man denkt, alles bricht zusammen – dann fragt man sich schon mal, warum man sich das gibt. Aber dann schauen wir uns in die Augen, trinken ein Bier und wissen: Wir machen das nicht für Klicks oder Geld, sondern füreinander – und für alle, die DIY-Festivals genauso lieben wie wir“, erinnert sich Skelli.
100 Prozent DIY – mit Herz und Verstand
Badlife bleibt komplett unabhängig und selbstgemacht
Im Zentrum des Festivals steht neben der Musik auch der Aspekt von Do It Yourself. Statt von einem großen Veranstalter wird ein DIY-Festival von privaten Personen oder Communitys auf die Beine gestellt. Skelli erklärt, dass das Badlife Festival zu 100 Prozent DIY ist: „Kein Sponsoring, keine Förderung – nur wir, unsere Zeit, unser Geld, unser Herz. Und das macht’s so besonders. Dass es bisher jedes Jahr funktioniert hat, zeigt: Mit Leidenschaft geht einiges.“
Ein Festival fest verwurzelt in Bösleben
Bösleben-Wüllersleben ist nicht einfach nur ein Veranstaltungsort – es ist die Heimat des Festivals. Viele Crewmitglieder kommen von hier, und die Atmosphäre spiegelt diese Nähe wider. „Für viele in der Crew ist Bösleben das Heimatdorf – und genau das macht’s so besonders“, sagt Skelli.
Line-up zwischen Szenegrößen und Newcomern
In diesem Jahr stehen wieder fünf Bands auf der Bühne. Die Auswahl erfolgt nach einem einfachen Prinzip: „Wir holen Bands, die wir selbst feiern.“ Meist eine Mischung aus bekannten Namen der Szene und Newcomern. Der Fokus liegt nicht auf großen Bookings, sondern auf Authentizität. Hauptsache: Es knallt – musikalisch wie emotional. Zu den Bands gehören unter anderem die Ska-Gruppe „Frau Doktor“ oder die britische Band „Faintest Idea“.
Mehr Gäste und erstmals Tickets im Vorverkauf
Jahr für Jahr wächst das Interesse. Für 2025 erwarten die Veranstalter rund 200 Gäste – vielleicht auch mehr. „Wir haben genug Platz“, heißt es optimistisch. Und der Bedarf scheint da zu sein: Immer mehr Menschen, auch von weiter her, finden den Weg nach Bösleben. Ein Feedback hat zu einer wichtigen Veränderung geführt: Ein Besucher wollte wissen, ob man Tickets auch vorab kaufen könne – damals gab es nur Abendkasse. Das führte dazu, dass erstmals ein Vorverkauf eingeführt wurde. „In den letzten Jahren war die Resonanz mega. Man merkt, dass die Leute Bock auf ehrliche, unkommerzielle Festivals haben“, erklärt Skelli.
Das Badlife ist auch ein politisches Statement. Kein Platz für Rassismus, Sexismus oder irgendeine andere Form von Ausgrenzung. Stattdessen gibt es Respekt, Diversität und Gemeinschaft. Das ist nicht nur ein Gedanke, sondern gelebte Realität auf dem Festivalgelände: „Das Badlife ist ein Ort, an dem jede Person willkommen ist – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sonst was. Ein Ort, an dem man so sein darf, wie man ist – mit all seinen Ecken und Kanten. Ohne Kommerz, ohne rechte Spinner, ohne Bullshit.“ Für viele ist das ein Grund, Jahr für Jahr wiederzukommen.
Ein Lebensgefühl zwischen Freundschaft und Musik
Das Badlife Festival ist ein Ort, an dem Freundschaft, Musik und Haltung zusammenkommen. Ein Gegenentwurf zur kommerzialisierten Festivalwelt. Wer einmal da war, spürt: Es geht nicht nur um Bands und Bier, sondern um ein Lebensgefühl. Um das Wissen, dass man Teil von etwas Echtem ist. In einem kleinen Dorf in Thüringen, mit großen Ideen – und mit ganz viel Herz.
Eine „Skalaxy“ voller Punk wartet beim Badlife-Festival in Bösleben
Skelli und die Festivalcrew wünschen sich für die Besucher vor allem eins: „Wir wollen, dass alle mit einem fetten Grinsen nach Hause fahren – glücklich, euphorisch, hoffnungsvoll. Mit Erinnerungen an eine richtig gute Zeit. An Menschen, die respektvoll miteinander umgehen und mit dem Gefühl: Das Hinterland ist noch nicht komplett im Arsch.“
Hard Facts:
- Badlife Festival: 23. August
- Bösleben-Wüllersleben im Ilm-Kreis
- Mehr: www.demo.badlife.de
