Es gibt diese Frage, deren Antwort genauso alt ist wie der Stil selbst: Was ist Punk? Ist es die Haltung, die Melodie, der Hoodie, ein Lifestyle? Ist es die Konsumkritik mit studierten Worten oder das lautstarke, rohe „F*ck dich!“ ins Publikum gespuckt? Die Antwort ist vermutlich irgendwo zwischen den aufgerissenen Verstärkerreglern und verschwitzt dampfenden Moshpits verborgen – und vielleicht kann der österreichische Indie-Punker Anda Morts ein wenig Licht ins chaosdurchflutete Dunkel bringen. Denn Spießertum, Konventionen oder Blender-Mikrofone? Keine Chance. Für den 26-Jährigen aus Linz ist Punk ganz einfach: „Authentisch und kein Arschloch zu sein, find ich wichtig“.
Punk ohne Kompromisse: Anda Morts in Jena
Jetzt bringt der Paradepunk aus Österreich seine Songs nach Jena. Am 13. November 2025 macht die „Jetzt aber wirklich Tour“ im Szeneclub Kassablanca halt. Mit dabei: die titelgebende Dringlichkeit seines ersten Albums „ANS“, erschienen im September, und eine ehrliche Portion DIY-Dynamit im Gepäck.
Rabauke gibt den Takt an
Anda Morts hat sich von Fußballclubs und Krypto-Bros emanzipiert, lange bevor er die erste Gitarre in die Hand nahm. Mit einer alten Drei-Saiter stöberte er sich einst durch das Punk-Vermächtnis von Rancid und Co. „Jeder Idiot kann das spielen, perfekt“, dachte er damals – dann nahm die Sache Fahrt auf: DIY-Produktion im WG-Zimmer, ungeschliffene LoFi-Vibes für SoundCloud, erste EPs und zuletzt zwei ausverkaufte Tourneen.
Nun, da Debütscheibe „ANS“ in voller Wucht erschien, ist klar: Dieser Rabauke schafft, was der Punk auf seinen besten Tagen immer konnte. „Ich wollte lieber einfach machen, loslegen. Wenn die Leute mit dem Kopf nicken, kann man so falsch nicht liegen“, erklärt er trocken – und das Publikum nickt, schwitzt und hüpft dankbar mit.
Von DIY-WG-Beats zur großen Bühne: Der Weg des Linzer Punks
Auf der Bühne scheint Anda Morts im Moshpit zu leben, aber seine Songs blicken darüber hinaus. Zwischen räudigem Bass und zorniger Gitarre seziert er die zerstörten Beziehungen unserer Zeit, die Straßen von Linz, Autobahnen und die ewigen Fragen nach dem „warum“ des Lebens. Politisch wird es ebenfalls: In Tracks wie „Fascho“ oder „Kein Bock“ wird eindeutig klar, wo er steht – nämlich konsequent gegen Faschisten und toxisch-maskuline Internetbewohner. „In diesen Songs wollte ich keine Nuancen einbauen. Für mich sind das hochemotionale Themen“, sagt Anda.
Wer jetzt denkt, dass Punk nur wütend, verzweifelt und fahrtüchtig ist, übersieht, wie viel Herzblut zwischen den Zeilen pulsiert. Anda Morts liebt die Szene, staunt über die Straße, schmunzelt über sich selbst – wie in „Freitag“, seiner Hymne über die Freuden des Nichtarbeitens: „Alle auf Arbeit, ich im Bett.“ Im Kassablanca wird er die Besucher*innen ganz sicher von Stühlen und Füßen reißen.
Nachschlag auf der großen Bühne
Denn eins steht fest: In Jena gibt’s nicht nur fett was auf die Ohren – sondern auch aufs Herz. Punk war schon immer vor allem eins: für alle da.
Hard Facts:
- Wann: 13. November | 19 Uhr
- Wo: Kassablanca Jena
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