Das Gefühl eines drehenden Schädels nach zu viel Wein oder Schnaps, die Stimme rau vom Rauchen und vom Brüllen gegen die Musik und wenn der Pegel sinkt, kommt der Herzschmerz. Das ist die Stimmung des Debut-Releases der Newcomer Slix und Veto. Auf seiner EP „Sex & Drugs“ interpretiert Rapper Slix diese Themen Gen-Z-typisch: Zwei Jahre der Jugend musste im Kinderzimmer gehockt werden, jetzt, als junger Erwachsener, ist der große Hunger da: „Ich bin so hungrig, ich will jedes Mikrofon mitnehmen, was irgendwo zu greifen geht“, beschreibt der Rapper seine Lust am Musikmachen. Entstanden ist die EP gemeinsam mit dem Erfurter Newcomer-Produzenten Veto.
Gotha als Heimatstadt: Erste Schritte im Hip-Hop
Sein Weg in den Hip Hop wurde für Slix von seiner Heimatstadt Gotha geebnet: „Die Stadt hat zwar übelst wenig Einwohner, aber gefühlt an jeder dritten Haustür hast du irgendeinen Rapper gefunden“, beschreibt er die Hip-Hop-Szene während seines Aufwachsens. Im Big Palais, dem Kinder- und Jugendzentrum, griff er das erste Mal zum Mikrofon, probiert sich an eigenen Texten, übt Freestyle (deutsch: improvisierter Rap) und lernt andere Rapper:innen kennen.
Mentoren und offene Bühnen: Support von erfahrenen Künstlern
Erfahrene Gothaer Artists, wie Fex52, gaben ihm Support, produzierten gemeinsam Songs mit ihm und holten den damals 15-Jährigen zu ihrem Konzert auf die Bühne. Später nahmen sie den jungen Musiker mit zu Open Mics (deutsch: offene Bühne) nach Erfurt und Jena. In diesen Städten rappt Slix auch in Cyphers, offenen Runden, in denen Rapper:innen ihre Texte improvisieren. Es geht dabei um Schlagfertigkeit, Kreativität, Technik und Spontanität.
Wie Rapper Slix und Produzent Veto Thüringens Hip-Hop-Szene aufmischen
Freestyle begeistert Slix, so dass er für seine Debut-EP den Track „Scherben“ im Studio frei improvisiert – allein der Refrain stand vorher fest. „Das war in dem Moment einfach geil, so viel Energie und egal, was ich später hingeschrieben hätte, es hätte ein Stück dieser Energie gekillt. Ich hätte da Wortspiele und einen Double-Time-Part mit rein bringen können, aber das wäre nicht der Track gewesen. Er klingt einfach, als würde man an der Tanke stehen und hätte gerade eine Flasche Wein fallen lassen“, so der Musiker. „Scherben bringen Glück“, rappt Slix dazu im Track und fragt sich dabei mit verzweifelter, heiserer Stimme, wo eigentlich seins geblieben ist.
Einzigartige Stimme: Slix als „Annenmaykante-Trap“
Dieser markante, außergewöhnliche Klang von Slix’ Stimme hat auch den Erfurter Newcomer-Produzenten Veto beeindruckt. „Seine Stimme ist unser Hauptinstrument. Ich sag immer, er ist der nächste Annenmaykante-Trap, weil er wie Henning May mit seiner Stimme richtig reinhaut. Er kennt da wirklich kein Limit und keine Scham. Und auch jedes Mal, wenn er live performt, verzaubert er“, sagt Veto.
Entstehung des Duos: Begegnung über Social Media
Die beiden Männer haben sich letztes Jahr online kennengelernt. Damals war Slix für eine Single-Produktion aus gesundheitlichen Gründen abgesprungen. Also startete er über Social Media einen Aufruf. Veto meldete sich und eine Woche später standen sie zusammen in Vetos Studio. Dass „Sex & Drugs“ musikalisch so vielfältig klingt, liegt am breiten Musikgeschmack des Erfurters: „Ich produziere auch Techno, Hard-Tekk, R’n’B und ein bisschen Jazz“, erklärt Veto. Slix Texte hat er in der aktuellen Veröffentlichung mit Sounds aus chilligem Trap, Lo-Fi, zurückhaltendem Drum & Bass und melancholischem Indie unterlegt.
Die EP als Nachtchronik: Eskalation und Herzschmerz
Die EP selbst erzählt eine durchgefeierte Nacht – mit dem Absturz am Ende. Rappt Slix erst noch in „Vogel“ darüber, wie er sich mit seinen Freund:innen trifft und sie sich anstacheln, zu eskalieren, sind sie im nächsten Track schon betrunken, high und ausgelassen ohne Orientierung auf dem Weg nach Hause. Im improvisierten Song „Scherben“ endet der Heimweg an der Tankstelle, mit Herzschmerz und Melancholie.
Hedonistische Perspektive: Kater ohne kritische Reflexion
Danach kommt der Kater am nächsten Tag: „Der Schädel drückt viel zu krass / wie gewohnt / aber wir lieben das“, heißt es im Song. Doch selbst bei den Konsequenzen von Alkohol und Drogen wirkt Slix Blick hedonistisch. Negative Nachwirkungen und kritische Reflexion mit Konsum bleiben in den Texten eher aus.
Authentizität durch unmittelbare Erlebnisse
Dass Slix raue, manchmal fast heisere Stimme, so authentisch zu den in den Texten beschriebenen Situationen passt, hängt mit der Entstehung der Songs zusammen. Im vergangenen Winter trafen sich Veto und Slix oft sonntags nach einem Wochenende auf Abriss. Der Rapper erinnert sich, dass er beim Schreiben seinem Kater mit Alkohol begegnet ist: „Ich kam ins Studio und habe angefangen, zu kontern. Die Gedanken, die ich von letzter Nacht noch im Kopf hatte, habe ich dann auf’s Blatt niedergeschrieben und schon war die Hook (deutsch: Refrain) fertig.“
Produktion im Einklang: Tagesstimmung bestimmt Sound
Veto war es bei dem Sound wichtig, auf die Tagesstimmung des Rappers einzugehen: „Ich habe Slix gefragt, wie sein Tag war und wie es ihm geht und anhand von diesen Infos fange ich dann an, die ersten Noten auf dem Keyboard zu spielen. Dann entsteht langsam eine Melodie, dann entstehen die Akkorde und dann entstehen die Drums. Und irgendwann, wenn ich mit dem Beat fertig bin, ist Slicks gleichzeitig mit seinem Text fertig. Und dann geht es steil rein ins Aufnehmen.“
„Sex & Drugs“ als Momentaufnahme: Roh, ehrlich und hungrig
Für Slix und Veto ist „Sex & Drugs“ mehr als ein Debüt – es ist eine Momentaufnahme. Roh, hungrig, ehrlich und ungeschminkt. Zwei Newcomer aus Thüringen, die Indie- und rockige Einflüsse mit Rap verbinden und daraus einen Sound formen, der in der Thüringer Szene heraussticht. Dazu Slix markante, raue Stimme – mal treibend, mal brüchig – als roter Faden durch jede Hook und jede Strophe. Jetzt wollen sie genau das tun, wofür sie brennen: live spielen, vor Publikum stehen und sehen, wohin dieser Rausch sie als Nächstes trägt
Hard Facts:
- Mehr zu den Musikern auf Instagram: @slix4reels, @prodbyveto
