In Erfurt führt eine intergalaktische Kooperation zu einem Festival, das es so in Thüringen noch nicht gegeben hat. Kunst trifft Elektropunk, Flinta*-Power trifft Jugendträume und Lesungen, Graffiti und Hip-Hop verschmelzen zu einer planetaren Supernova. Vom 4. bis 8 August findet am Zugahfen in Erfurt das erste „Sonnenunterklang“-Open-Air statt. Retronom und Kleine Rampe verwandeln den Güterbahnhof 20 in einen großen bunten Kulturkosmos.
Kreativ, laut, anders: Sonnenunterklang in Erfurt
Von außen betrachtet wirkt das „Sonnenunterklang“-Festival vielleicht wie ein weiteres Sommer-Open-Air – aber wer genauer hinsieht, entdeckt schnell: Hier geht es um mehr. Hinter der Veranstaltung stehen zwei Kulturinitiativen aus Erfurt, das Retronom und die Kleine Rampe, die mit viel Herzblut und ehrenamtlichem Engagement ein Festival auf die Beine stellen, das Kreativität, Vielfalt und gelebte Teilhabe feiert.
Für Klarke, Initiator und Mitbegründer des Retronoms, war der Impuls zur Festivalgründung klar: „Da wir als Retronom im Sommer mit Veranstaltungen pausieren, war die Langeweile fast genauso groß wie die Lust auf Kultur. Aus diesem Vakuum entwickelte sich der Drang, etwas Neues zu erschaffen.“
Dass dieses Neue nicht allein entstehen sollte, war ebenso schnell klar. Die Kleine Rampe ist Wunschpartnerin – aus gutem Grund. „Wir lieben die Kleine Rampe wie unsere Familie. Sie ist das wahre Juwel in der funkelnden Location-Schatzkiste unserer Stadt und doch immer noch ein echter Geheimtipp“, erklärt Klarke. Eine enge Verbindung bestand schon lange, doch bis jetzt fehlte der gemeinsame Rundumschlag. 2025 ändert sich das.
Intergalaktische Kunstaktion trifft FLINTA*-Beats
Vom 4. bis 8. August verwandeln die beiden Kollektive den Zughafen in eine kreative Spielwiese, die weit über klassische Konzerte hinausgeht. Die Besucher:innen erwarten Mitmachformate, Workshops, Lesungen und Musik und mehr – stets mit niedrigschwelliger Zugangshürde, oft kostenlos und für alle offen. Schon am Montag beginnt das Festival mit einem kollektiven Deko-Workshop, bei dem Blumen und Planeten aus Papier und Draht gebastelt werden – eine Einladung, aktiv mitzuwirken und das Festival nicht nur zu besuchen, sondern mitzugestalten.
Zwischen Papierplaneten und Punk: Festival in Erfurt
Am Dienstag startet mit dem „Juicy Tuesday“ bei dem die Punk-Rave-Künstlerin Baustelle3000 die Bühne in ein Kunstmusikexperiment verwandelt. Unterstützt wird sie von DJ FunkmasterRoboSex – laut Programm wartet eine „Taxifahrt durch die Galaxie“. Mittwoch wird dann besonders FLINTA*-freundlich: Der Hamburger LiveArtClub bietet einen Postkarten- und einen Graffiti-Workshop exklusiv für Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Menschen an. Zudem lockt ab 18 Uhr Teenage Dream mit feinstem 2000er Pop-Träumen zum Sonnenunterklang – empowernd, laut, tanzbar.
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Ein Festival, das Teilhabe wirklich ernst nimmt
Auch das Publikum ist eingeladen, selbst aktiv zu werden. „Bei einem normalen Konzert kannst du nur zuhören. Beim Sonnenunterklang kannst du aber auch selbst mitmachen“, so Klarke. Besonders die offene Jam Session am Donnerstagabend mit Live-Band lebt davon: Hier kann jede*r auf die Bühne – ob Rap, Gesang oder Impro. Wer lieber visuell kreativ wird, kann sich am Sprayen probieren oder bei der Erfurter Zeichenrunde mitmachen.
Sonnenunterklang Festival bringt Erfurt zum Leuchten
Der Freitag bringt das Festival zu einem vielstimmigen Finale. Literarisch beginnt der Abend mit Klarkes eigener Lesung aus „Kontraste der Astkrone“, musikalisch begleitet von Kiddie und Thalena. Danach liest Kurt Tallert aus seinem Debüt „Spur und Abweg“, bevor Haberland & Latzmann sowie Gündalein die Bühne mit sozialkritischem, queerfeministischem und ehrlichem Hip-Hop füllen.
Und schließlich der Höhepunkt: Retrogott und Hulk Hodn. Für Klarke ein persönlicher Gänsehautmoment. „Das Retronom und Retrogott verbindet über die Liebe zum Stil und der Ästhetik vergangener Zeiten eine zarte Freundschaft.“
Ein Erfurter Festival will Kultur neu denken
Die Macher:innen des Sonnenunterklang-Festivals setzen auf kulturelle Vielfalt und Weltoffenheit – nicht als Marketinglabel, sondern als gelebte Realität. „Wir machen Kultur. Nicht des Geldes wegen. Sondern aus purer Liebe zum Leben“, betont Klarke. Die gesamte Veranstaltung ist ehrenamtlich organisiert, alle helfen unentgeltlich mit und auch das Publikum wird nicht in Kategorien sortiert. „Wir wollen generell alle kunst- und kulturinteressierten Menschen ansprechen und erreichen, völlig unabhängig von Alter, Religion, Herkunft oder sexueller Orientierung.“
Das spiegelt sich auch in der Atmosphäre wider. Es soll ein Ort entstehen, an dem Menschen zusammenkommen, mitmachen, entdecken können. „Das Sonnenunterklang Festival wird ein knallbunter Blumenstrauß an Emotionen. Euch erwartet eine herzliche, familiäre Atmosphäre, spannende Workshops mit Mehrwert, großartige Lesungen zeitloser Meisterwerke und natürlich energiegeladene Konzerte zwischen Hip-Hop, Pop und Soul“, so Klarke.
Sonnenunterklang: Kulturfestival mit Gänsehautmoment
Dass ein solches Festival gerade in Erfurt entsteht, ist kein Zufall – und doch auch keine Selbstverständlichkeit. Der Festival-Initiator sieht das Sonnenunterklang als Teil einer lebendigen, freien Kulturszene, die mit der städtischen Kulturförderung und der Landeszentrale für politische Bildung gut zusammenarbeitet, aber dennoch stets gefährdet ist: „Die freie Kulturszene ist die Seele einer Stadt. Das kann man nicht kaufen oder künstlich erzeugen. Das muss über die Jahre zusammenwachsen.“
Festival am Zughafen mischt Erfurts Kulturszene auf
Ein Wunsch bleibt: langfristige Strukturen und Schutz vor Kürzungen. Denn nur so kann Kultur wirken – wie es das Sonnenunterklang mit so viel Leichtigkeit vorlebt. Vielleicht liegt gerade darin die Magie. Oder, wie Klarke es formuliert: „Eine tolle Location, fantastische Konzerte, clevere Workshops, Lesungen und Wortspiele. Dazu jede Menge liebevoller Menschen. Erst wenn die Sonne untergeht, kannst du unsere Kunst verstehen.“
Hardfacts:
- Wann: 4. bis 8. August
- Wo: Zughafen Erfurt
- Tickets für Freitag mit Retrogott und Hulk Hodn
