Ein Wald, ein Floor, ein Gefühl – so könnte man das „einfach draußen“-Open-Air in drei Worte fassen. Was 2021 als Corona-bedingte Notlösung begann, hat sich zu einem festen Ritual im Veranstaltungskalender des Mikro Clubs Jena entwickelt. Am 14. Juni geht das Open-Air in die mittlerweile sechste Runde – mit einem Line-up, das sowohl Houseliebhaber:innen als auch Tanzhungrige anzieht.
Wald und Bass: Jenas Mikro Club lädt zum Open-Air
„Das erste Mal war’s eigentlich nur eine spontane Idee – wir wollten trotz der Pandemie irgendwie Musik machen. Drinnen ging nicht, also raus auf die Wiese“, erinnert sich Jan Nagler-Jahn, Chef des Mikro Clubs und Veranstalter. Laut ihm entstand das Format auf einer Wiese nahe des Sportplatzes Rothenstein, wo von Juli bis September 2021 jeden Monat ein Mini-Open-Air stattfand – stets unter freiem Himmel, stets im kleinen Rahmen. Nach einer kurzen Pause kehrte das Event 2023 zurück, nun auf einer festen Fläche, bereitgestellt vom Rothensteiner Felsen e.V.
Ein exklusives Event an einem wunderschönen Ort
Der Mikro Club in Jena gilt als einer der letzten echten Liebhaber-Clubs der Stadt – klein, familiär, ohne Kommerz-Attitüde. Und genau dieses Konzept zieht sich auch durch das Open-Air-Format. „Wir wollen kein riesiges Festival veranstalten, sondern ein feines, exklusives Event an einem wunderschönen Ort“, betont Jan. Für ihn sei „einfach draußen“ eine Art „zweites Gesicht“ des Clubs. Nicht nur das Innenleben der elektronischen Musikszene zeigen, sondern auch die Natur drumherum einbeziehen – das sei das Ziel.
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Tatsächlich kommt die Bühne nahe der Bastei Rothenstein ganz ohne übermäßigen Schnickschnack aus. Es gibt eine Bar, einen kleinen Snackwagen, liebevolle Deko und: die Aussicht. „Wir nutzen die natürliche Kulisse, ohne sie zu überladen – Floor und Fauna dürfen sich ruhig begegnen“, so Jan. Genau dieser Anspruch erklärt auch die zeitliche Verlegung der Veranstaltung: Ursprünglich für den Abend geplant, beginnt das Open Air nun schon um 13.30 Uhr und endet gegen 22 Uhr – aus Rücksicht auf die örtliche Tierwelt.
Elektronisches Open-Air in Jena feiert Wald und Sound
„Der Naturschutzbund hat uns auf die vielen Nestbrüter in der Umgebung hingewiesen. Da war für uns klar: Wir passen uns an. Und ehrlich gesagt: So hat man auch mehr vom Ausblick“, verkündet der Club bei Instagram. Statt gegen den Wald zu feiern, feiert man nun mit ihm – und beweist, dass elektronisches Nachtleben auch am Tag funktioniert.
Super Flu spielen Open-Air beim Mikro Club Jena
Musikalisches Highlight ist das Duo Super Flu, das aus Halle stammt und mit seinem groovigen, funkigen Sound längst über die Grenzen Mitteldeutschlands bekannt ist. „Super Flu begleitet uns musikalisch schon seit Jahren. Ihre Tracks haben uns in vielen Nächten durchgetanzt – sie stehen genau für das, was wir unter elektronischer Musik verstehen: verspielt, tanzbar, emotional“, erklärt Jan die Entscheidung für den Headliner.
Mit dabei sind auch Ava Irandoost, die als drittes Standbein des Berliner Labels Katermukke gilt, und Daniel Stefanik, ein bekannter Name aus der deutschen House- und Techno-Szene. Dazu gesellen sich natürlich die hauseigenen Mikro-Residents, die in Jena längst Kultstatus genießen.
Rothenstein wird Kulisse für Musik und Community
Eine offizielle Kooperation mit dem legendären Berliner Club Kater Blau gibt es zwar noch nicht – „aber wer weiß, was noch kommt“, meint Jan mit einem Augenzwinkern. Dass AVA vom Katermukke-Mitgründer Dirty Döring persönlich empfohlen wurde, sei jedenfalls ein gutes Zeichen.
Ein Open-Air mit Haltung: „Einfach draußen“ in Jena
Laut Jan versteht das „einfach draußen“-Open-Air nicht als Konkurrenz zu großen Festivals, sondern als bewusst gesetzter Kontrapunkt. Keine riesige Mainstage, keine Sponsoren, keine Effekthascherei – stattdessen ein klarer Fokus auf Sound, Atmosphäre und Gemeinschaft. „Wir wollen einfach ein Stück Clubkultur mitnehmen nach draußen. Raus aus dem Keller, rein in den Wald. Und dabei unseren eigenen Stil bewahren“, sagt Jan.
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Clubsound in der Natur: Open-Air-Highlight in Jena
Das klingt nicht nur romantisch, sondern ist auch praktisch gedacht: Kleinere Veranstaltungen lassen sich schneller organisieren, nachhaltiger gestalten – und sind oft näher an dem, was elektronische Musik ursprünglich ausmachte – Nähe, Austausch und ein kollektives Erlebnis. Oder, wie Jan es sagt: „Wer auf funky, groovigen Sound steht, Lust auf einen Tag in der Natur hat und sich vom Gummibärchen-Techno verabschieden will, ist bei uns genau richtig. Denn wir feiern nicht für Instagram, sondern für uns.“
Hard Facts:
- Einfach draußen Festival am 14 Juni
- Beginn: 13 Uhr – 22 Uhr
- Wo: Bastei Rothenstein
- Tickets und Infos
