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Einmal Rennsteig via Rad: Alvaro Soler ist auf dem Camino nach Erfurt

20. Juli 2026 • Geschrieben von Florian Dobenecker
Alvaro Soler kommt das zweite Mal nach Thüringen und Erfurt. Foto: Michael Uhmeyer/regios24

Plötzlich spricht die Stimme aus dem Off: „Ihr habt maximal 15 Minuten“. Alvaro Soler, spanisch-deutscher Sänger und Schwiegermutters Liebling geht auf Tour – und wir haben deshalb die einmalige Chance mit ihm zu sprechen. Ebenso wie mit der digitalen Aufsicht. Die Stimme aus dem Off. Und wie sollte es bei einem Star seiner Größenordnung anders sein, ist der Interviewtag streng durchgetaktet.  

Alvaro Soler kommt nach Erfurt

Radio Dresden, Mannheimer Morgen, Ostseewelle Schwerin und zwischendrin irgendwo FUNKE Thüringen. Fragen beantworten wie am Fließband. Und Alvaro? Der sitzt im Zoom-Call so freundlich und maximal ungestresst wie man sich nur vorstellen kann. Er beweist, dass neben popmusikalischem Können und Stimme eines ganz wichtig ist, wenn man Star sein will: Charm. Den hat er. Und bringt das Gesamtpaket tausendprozentig auch nach Thüringen mit. Am 4. September spielt er beim Konzertsommer auf dem Petersberg. Sein offenbar zweites Konzert in Thüringen …

Ganz authentisch ist neben Alvaro (l.) auf dem genehmigten Screenshot auch der Mauszeiger mit ins Bild gerutscht. Und der unsichtbare Dritte auch … Screenshot: Florian Dobenecker

Ich war damals auf einem Konzert von dir, als du während Corona im Stadion in Erfurt gespielt hast, mit viel Abstand und allem, was damals eben dazugehört hat. Deshalb mal direkt gefragt: Verbindest du eigentlich etwas mit Thüringen?

Alvaro Soler: Ich glaube, das war tatsächlich bisher das einzige Mal, dass wir da waren – also genau das Konzert, bei dem du auch dabei warst. Und klar, wegen Covid war damals alles total komisch. Gerade deshalb freue ich mich jetzt umso mehr, diesmal wieder hinzukommen und eine richtige Thüringen-Erfahrung zu haben – nicht nur so kurz, unter Einschränkungen, mit Kontaktverboten und all diesen Sachen. Darauf freue ich mich wirklich sehr.

Dann lass uns mal auf dein aktuelles Album kommen. Das heißt ja „El Camino“ – also „Der Weg“. Was steckt für dich hinter diesem Titel?

Alvaro Soler: „Camino“ ist für mich einfach ein total starkes Bild. Als das Album rauskam, waren es zehn Jahre, in denen ich professionell Musik gemacht habe, davon leben konnte und die Songs erfolgreich waren. Bei „El Camino“ habe ich mich deshalb sehr von diesem ganzen Weg inspirieren lassen, von allem, was Teil von mir ist.

Viele Sachen, die vielleicht unterwegs liegen geblieben sind, sind jetzt auf dem Album wieder da – auch ästhetisch, auch als Teil meines Ichs. Das Ganze ist wie eine Reise aufgebaut. Und musikalisch ist das Album wirklich eine große Reise. Es geht durch verschiedene Moods, verschiedene Vibes, verschiedene Inspirationsquellen.

Und genau deswegen ist es für mich „El Camino“. Ich meine, es gab auch schon auf dem ersten Album einen Song, der „Camino“ hieß, und der war sehr ehrlich. Überhaupt steckt in diesem Album sehr viel Ehrlichkeit. Deshalb war es für mich ganz natürlich, dass das Album auch so heißen muss: „El Camino“.

Bist du eigentlich auch schon mal selbst den Camino gelaufen?

Alvaro Soler: Nee, das nicht. Ich wollte das immer mal machen. Aber eigentlich eher mit dem Fahrrad oder so. Das wäre irgendwie cool, glaube ich, vom Baskenland direkt bis nach Santiago. Aber ich habe dafür bisher nie die Zeit gefunden.

Dann gebe ich dir gleich noch eine Empfehlung für Thüringen mit: Der Thüringer Weg heißt Rennsteig. Da kann man auch sehr gut laufen und auch Fahrrad fahren …

Alvaro Soler: Ja, also ich habe das nur gesagt, weil es mit dem Fahrrad wahrscheinlich einfach schneller geht und die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass ich das irgendwie in meinen Terminkalender reinbekomme. Aber ja, wenn das ein cooler Wanderweg ist, dann schreibe ich mir das mal auf meine Bucketlist.

Dein aktueller Song heißt „Adiós“. Der ist aber nicht auf dem Album. Kommt da bald noch was Neues?

Alvaro Soler: „Adiós“ ist ein Feature. Das ist ein Song von Lavinia, und ich bin sozusagen das Feature darauf. Der hat erstmal mit „El Camino“ gar nichts zu tun. Das ist eher eine parallele Welt, in der sowas entsteht.

Dann brauchte ich da ja fast gar nicht weiter nachzuhaken. Der Song hat mich nämlich ein bisschen an Enrique Iglesias erinnert.

Alvaro Soler: Ja, das ist auch seine Melodie. Das ist ja ein Remake. Genau die Idee hatte Lavinia mit ihrem Team. Die wollten diese Interpolation machen – also eine alte Melodie, die schon existiert, nochmal aufgreifen und einen anderen Text draufsetzen. Und dann haben sie eben einen englischen Text auf den Song geschrieben. Ich fand die Idee ehrlich gesagt mega cool, und deswegen bin ich da direkt aufgesprungen.

Wenn wir schon bei älteren spanischen Songs sind: Inspirieren dich solche Songs von damals auch? Enrique Iglesias zum Beispiel – und sein Vater hat ja auch schon Musik gemacht.

Alvaro Soler: Auf jeden Fall. Ich glaube, Inspiration ist wirklich überall. Vor allem gibt es ja so viele alte Songs, die immer noch Hammer sind und deren Melodien einfach total gut funktionieren. Gefühlt hat inzwischen jeder zweite Song im Radio oder auch international irgendeine Interpolation. (Red.: Unter Interpolation versteht man die Nachbildung einer Melodie aus einem anderen Song, ohne jedoch zu kopieren.)

Ich meine, sogar „Dragostea Din Tei“ ist nochmal neu rausgekommen, mit jemand anderem zusammen. Das ist gerade schon eine krasse Zeit dafür. Und es gibt einfach viele tolle spanische Melodien.

Und gerade erlebt spanische Musik ja sowieso einen ziemlichen Hype. Merkst du das bei dir auch? Und wie blickst du auf internationale spanisch Stars wie Bad Bunny und dergleichen?

Alvaro Soler: Also ich finde, die Zeit, in der wir gerade leben, ist echt gut für spanische Musik. Für mich war sie ehrlich gesagt aber auch schon immer gut. Das muss man auch sagen. Schon von Anfang an, mit „El mismo sol“, war das eine tolle Sache, dass man mit spanischer Musik so viele Länder bereisen konnte. Und zwar auch Länder, in denen Spanisch gar nicht gesprochen wird. Deshalb ist mir das schon sehr vertraut.

Jeder Schwiegermutter möchte einen Alvaro. Foto: Paula von Guisande

Aber ich glaube, gerade für viele neue Künstler, die jetzt anfangen, ist das eine tolle Basis. Da haben Leute wie Bad Bunny oder Rosalía natürlich Türen geöffnet. Deswegen ist das eine gute Entwicklung. Auch wenn viele Texte von Bad Bunny – was meine persönliche Meinung angeht – inhaltlich noch eher sehr oldschool sind. Was er bei der Super Bowl gemacht hat, war natürlich total cool – einfach alle Länder zusammenzubringen. Das ist auch eine Message, die ich seit „El mismo sol“ sehr stark in mir trage.

Würdest du dann sagen, dass spanische Musik nach englischer vielleicht am anschlussfähigsten ist?

Alvaro Soler: Ja, voll. Also ich glaube, Englisch liegt natürlich durch die Internationalität der Sprache sehr, sehr nahe. Aber Spanisch hat eben auch ein bestimmtes Gefühl. Und man darf nicht vergessen, dass einfach sehr viele Menschen auf der Welt Spanisch sprechen.

Apropos spanische Musiker:innen: Wie war es eigentlich, Jennifer Lopez kennenzulernen?

Alvaro Soler: Jennifer Lopez ist echt eine Superwoman. Das muss man wirklich sagen. Auch damals, als wir zusammengearbeitet haben, hatte sie ja schon so viel in ihrem Leben gemacht. Eigentlich musste sie gar nichts mehr. Sie hätte überhaupt nicht noch stundenlang mit uns ackern müssen. Trotzdem hat sie superlange mit uns für das Musikvideo gearbeitet.

Ich weiß noch, das werde ich nie vergessen, weil sie selbst um zwei, drei Uhr morgens immer noch so professionell am Start war. Diese Dankbarkeit, die sie dabei ausgestrahlt hat, war für mich wirklich ein großes Beispiel dafür, wie man in der Musikindustrie sein sollte – und generell im Leben. Deswegen: top. Ich bin super dankbar, dass sie den Song mit mir machen wollte und dass sie den so gefeiert hat. Für mich war das ein riesiger Push.

In Thüringen wir JLo wohl leider nicht dabei sein. Was können die Fans von deinem Konzert erwarten?

Wir haben eine komplett neue Setliste erstellt, wie ein Menü. Erstmals spiele ich auch Medleys, weil ich schon so viele Songs habe. Ich freue mich wahnsinnig, das wird mehr als ein Konzert, eine richtige Show. Ich werde auch wieder viel mehr den Kontakt zum Publikum suchen. Nach der Corona-Zeit hat es sich für mich komisch angefühlt, in die Menge abzutauchen. Aber seit dem vergangenen Jahr genieße ich es wieder, das Miteinander zu erleben.

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