Highfield-Ende oder „kreative Pause“? Das sagen die Festival-Organisatoren dazu
Was heißt das genau „2027 eine kreative Pause einlegen“? Besteht die Möglichkeit, dass das Highfield in einer anderen Form zurückkommt? Ist die Marke Highfield endgültig begraben und es wird eine neue aufgebaut? Was heißt „an einer Konzeption arbeiten, die den veränderten Anforderungen gerecht wird“? Es ploppten viele Fragen auf, nachdem vergangenen Woche bekanntgegeben wurde, dass das Highfield Festival 2026 vorerst zum letzten Mal stattfinden wird.
Highfield‑Pause 2027?
Veranstalter FKP Scorpio und Semmel Concerts haben entschieden, 2027 eine „kreative Pause“ einzulegen. „Diese Zeit soll genutzt werden, um innezuhalten und an einer Konzeption zu arbeiten, die den veränderten Anforderungen gerecht wird“, heißt es in einer Mitteilung, die die Hoffnung der Highfield-Fans zumindest nicht komplett begraben will.
Was hinter der „kreativen Pause“ steckt
Und wir wollten es genauer wissen. Also schickten wir genau diese vier Fragen an das Presseteam von FKP Scorpio. Die Antwort fiel allerdings knapp aus: „Derzeit haben wir über das Pressestatement hinaus nichts zu sagen. Wenn sich das in Zukunft ändert, melden wir uns natürlich über Social Media oder die Presse“, antwortet Jonas Rohde, PR-Chef des Konzertveranstalters.
Mehr Antworten gibt es also vorerst nicht. Fest steht nur: Das deutschlandweit bekannte Festival geht ausgerechnet ein Jahr vor seinem 30. Geburtstag (zumindest kalendarisch) in die „Pause“. Als Hauptgrund nennen die Veranstalter die „branchenweit stark gestiegenen Produktionskosten“. FKP Scorpio und Semmel Concerts hätten bis zuletzt verschiedene Szenarien geprüft, seien am Ende aber zu dem Schluss gekommen, dass das Highfield in seiner bisherigen Form wirtschaftlich nicht mehr tragfähig ist.
Ein Jahr vor seinem 30. Geburtstag
Diese Begründung klingt zunächst nüchtern – ist aber alles andere als aus der Luft gegriffen. Die Nachfrage leidet unter den gestiegenen Lebenshaltungskosten. Gleichzeitig sind Ausgaben für Personal, Material, Künstlergagen oder Energie laut Veranstaltern im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie um rund 45 Prozent gestiegen. Ticketpreise lassen sich jedoch längst nicht im gleichen Tempo anheben.
Wenn Festivals neu denken müssen
Ein Blick auf die Zahlen zeigt das Dilemma: Das Festivalticket kostet 2026 insgesamt 154 Euro, für Camping kommen 64 Euro hinzu. Macht zusammen 218 Euro. Würden die Ticketpreise die gestiegenen Kosten eins zu eins widerspiegeln, läge das Wochenende bei rund 315 Euro. Das dürfte für viele Fans schlicht nicht mehr bezahlbar sein.

Mit dieser Einschätzung stehen die Veranstalter nicht allein da. Was beim Highfield passiert, ist längst kein Einzelfall. Aus der Festival- und Livebranche kommen seit Monaten ähnliche Signale. Branchenvertreter sprechen sogar von Kostensteigerungen von bis zu 50 Prozent. Verbände und Fachmedien sehen darin einen strukturellen Wandel: Während große Festivalmarken ihre Zugkraft besser ausspielen können, geraten vor allem mittelgroße und kleinere Veranstaltungen zunehmend unter Druck.
Highfield Festival nicht mehr möglich?
Die Aussage, das Highfield sei „in der bekannten Form wirtschaftlich nicht mehr möglich“, wirkt deshalb weniger wie ein vorgeschobenes Argument als vielmehr wie ein Symptom einer Branche, die sich neu erfinden muss.
Stausee Hohenfelden in Thüringen
Das Ende eines Festivals, das einst am Stausee Hohenfelden in Thüringen begann und später am Störmthaler See zur festen Größe wurde, ist deshalb zwar nachvollziehbar, aber keineswegs zwangsläufig endgültig. Vielmehr steht es exemplarisch für einen Wandel, der auch Chancen eröffnet.
Branchenverbände wie der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) oder die LiveMusikKommission empfehlen Veranstaltern schon länger, sich stärker auf klare Zielgruppen, unverwechselbare Profile und besondere Standortqualitäten zu konzentrieren, statt immer größere Massenprogramme auf die Beine zu stellen. Denn eine treue Community kauft früher Tickets und trägt Konzepte mit, die nicht allein vom Wettstreit um die größten Headliner leben.
Wohin weist „kreative Pause“?
Hinzu kommen weitere Stellschrauben: zusätzliche Einnahmequellen, nachhaltigere Veranstaltungskonzepte sowie flexiblere Preis- und Zugangsmodelle. Genau in diese Richtung könnte auch die angekündigte „kreative Pause“ weisen. Ein neues Konzept, eine andere Größe, eine veränderte Kostenstruktur oder neue Erlösmodelle – all das dürfte jetzt auf dem Prüfstand stehen.
Festivals als Kulturstruktur sehen
Gleichzeitig richtet sich der Blick auch an Politik und Kommunen. Immer häufiger wird gefordert, Festivals nicht nur als Wirtschaftsunternehmen, sondern als kulturelle Infrastruktur zu begreifen – mit besseren Fördermöglichkeiten, gesicherten Flächen und verlässlicheren Rahmenbedingungen.
Bis klar ist, wie es mit dem Highfield weitergeht, bleibt nur der Blick nach vorn. Oder, um es mit Dieter Semmelmann, Geschäftsführer der Semmel Concerts Entertainment, zu sagen: „Zunächst aber freuen wir uns auf einen würdigen Abschluss: einen unvergesslichen ‚One Last Dance‘ vom 13. bis 16. August 2026 – mit großartigen Acts und vor allem mit unseren fantastischen Fans.“
Hard Facts:
- 13. bis 16. August 2026
- Störmthaler See Grosspösna
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