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Initiative Musik macht die Schwäche der Thüringer Musikwirtschaft sichtbar

13. Juli 2026 • Geschrieben von Florian Dobenecker
In Thüringen bewerben sich zu wenig Musiker:innen. Foto: Pixabay

Die aktuelle Förderrunde der Initiative Musik bringt für Thüringen eine ernüchternde Bilanz. Wie Sprecherin Anne Jakisch mitteilt, wurde in der 73. Förderrunde kein einziger Antrag aus dem Freistaat bewilligt. Bundesweit erhalten dagegen 102 Musikprojekte aus Popularmusik und Jazz insgesamt 840.000 Euro – für neue Veröffentlichungen, Tourneen, Musikvideos sowie Marketingmaßnahmen.

Thüringen geht bei der Initiative Musik leer aus

Dabei fällt vor allem eines auf: Aus Thüringen wurden nur wenige eingereicht. „Es gab in dieser Förderrunde insgesamt leider nur neun Anträge. Keiner dieser Anträge wurde in der aktuellen Runde bewilligt“, erklärt Anne Jakisch. Bundesweit gingen 686 Anträge ein. Damit stammt nur rund ein Prozent des gesamten Antragsaufkommens aus Thüringen. Insgesamt wurden 102 Projekte gefördert – eine Bewilligungsquote von rund 15 Prozent.

Zwischen Thüringen und Berlin- eine klare Förder-Schieflage 

Der Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, dass Thüringen regelmäßig unterrepräsentiert ist. Seit 2023 wurden insgesamt 62 Anträge aus dem Freistaat eingereicht, lediglich sieben davon erhielten eine Förderung. Zum Vergleich: Allein in der aktuellen Förderrunde wurden in Berlin mehr als 30 Projekte bewilligt. Bayern kommt auf zwölf Förderungen, Sachsen auf sieben, Brandenburg auf eine. Thüringen und Sachsen-Anhalt gehen dagegen leer aus.

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Für die Initiative Musik steht dabei nicht der Standort, sondern die Qualität der eingereichten Projekte im Mittelpunkt. „Die Förderentscheidungen werden auf Grundlage der veröffentlichten Förderkriterien getroffen. Alle formal korrekten und vollständigen Anträge werden von einer unabhängigen Fachjury bewertet; die Förderung erfolgt auf Grundlage ihrer Empfehlung“, betont Jakisch. Über die Vergabe entscheidet eine zwölfköpfige Jury aus Künstlerinnen, Künstlern und Persönlichkeiten der Musikwirtschaft.

Nur neun Thüringer Anträge, kein Erfolg

Dass vergleichsweise wenige Anträge aus Thüringen kommen, überrascht dennoch. Nach Angaben der Initiative Musik bestehen grundsätzlich keine Hürden für eine Beteiligung aus dem Freistaat. „Unternehmen und andere Partner:innen aus Thüringen wie auch allen anderen Bundesländern können sich selbstständig in unserem Antragsportal registrieren und anschließend als Mitantragsteller:innen in Förderanträgen hinterlegt werden“, so Jakisch.

Thüringen braucht mehr Struktur, um bei der Initiative Musik zu bestehen

Nach eigenen Angaben bemüht sich die Initiative zudem um Präsenz in den Regionen. „Darüber hinaus informieren wir regelmäßig über unsere Fördermöglichkeiten in verschiedenen Regionen Deutschlands“, so die Sprecherin. Im Rahmen des Formats „Initiative Musik auf Tour“ war die Organisation 2024 gemeinsam mit der Musikinitiative diePOP in Weimar zu Gast, zuvor bereits 2022 auf Einladung der LAG Songkultur in Erfurt.

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Die Zahlen machen dennoch deutlich: Thüringer Musikerinnen und Musiker spielen bei der Bundesförderung bislang nur eine kleine Rolle. Das strukturelle Ungleichgewicht bei der Vergabe von Bundesfördermitteln wie denen der Initiative Musik ist ein altbekanntes und frustrierendes Phänomen für die Thüringer Kulturszene.

Initiative Musik macht die Schwäche der Thüringer Musikwirtschaft sichtbar

Wenn Berlin in einer einzigen Runde über 30 Zusagen erhält, während Thüringen leer ausgeht, liegt das jedoch selten an mangelndem Talent, sondern häufig an gewachsenen, strukturellen Nachteilen wie fehlender Musikwirtschafts-Infrastruktur und Mangel an professionellen Coworking- und Vernetzungsräumen. Auch das Fehlen von geeigneten Bühnen erschwert es Thüringer Musiker:innen den Karriereeinstieg. Abwanderung der Kreativen in die Metropolen ist die Folge.

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