House-Musik statt Hardtekk-Hype: Neues Elektro-Open-Air will Thüringen erobern
House statt Hype, musikalische Tiefe statt Dauer-Eskalation: Mit b:wired kommt am 2. August ein neues Kollektiv und Format an den Start, das elektronische Musikkultur abseits von TikTok und Techno-Edits auf den Plan bringen möchte. Deshalb zieht am Wochenende ein neues Open Air ins Jenaer Paradies Café ein, das dabei nicht gegen Hardtekk und Co. antreten, sondern an etwas erinnern will, das im Clubbetrieb manchmal zwischen Bass und TikTok-Clip verloren geht: gute Musik.
b:wired-Open-Air in Jena
Denn die elektronische Musiklandschaft ist groß, bunt und manchmal ziemlich laut. Zwischen EDM-Hymnen, Techno-Revival und Hardtekk-Boom bleibt jedoch für House offenbar noch genug Platz. Genau den will b:wired besetzen. Wie Diana, die Teil der Veranstaltungsreihe ist, erklärt, geht es dem Kollektiv vor allem darum, „den Fokus stärker auf das zu legen, worum es für uns geht: die Musik“.
Luna City Express, Sarah Wild und Mathias Kaden
b:wired ist Anfang des Jahres entstanden und fußt auf einer langjährigen Zusammenarbeit von Künstler:innen der House- und Elektro-Szene. DJs, Veranstalter:innen und Booker:innen sind Teil des Kollektivs, dem unter anderem bekannte Namen wie Luna City Express, Sarah Wild und Mathias Kaden angehören. Nach einer ersten Veranstaltung im Berliner Sonnenraum zieht die Reihe nun nach Jena. Am Sonntag, dem 2. August, soll im Paradies Café unter freiem Himmel House in seinen verschiedenen Spielarten im Mittelpunkt stehen.
Dabei geht es laut Diana ausdrücklich nicht darum, andere Genres kleinzureden. „Wir sehen das nicht als Gegeneinander“, sagt die Bookerin, die sich unter anderem auch bei der Thüringer Booking-Agentur paracou verdingt, mit Blick auf den aktuellen Hardtekk-Trend. Schließlich hätten unterschiedliche Genres ihre eigene Kultur, Geschichte und ihr eigenes Publikum. Der Ansatz von b:wired liege schlicht woanders: „Wir setzen auf musikalische Tiefe, Dynamik und Vielfalt statt auf maximale Härte oder permanente Eskalation.“
Unterschiedliche Emotionen erzeugen
Ein gutes DJ-Set müsse deshalb nicht zwangsläufig immer schneller, lauter und härter werden. „Es darf sich entwickeln, überraschen und unterschiedliche Emotionen erzeugen“, sagt Diana. Für sie liegt genau darin eine Stärke von House: Sets, die Geschichten erzählen, Stimmungen aufbauen und einen Dancefloor auch über Stunden tragen können. Es geht also weniger um den maximalen Drop und mehr um die Frage, was danach kommt.
House in seiner ganzen Vielfalt
Interessant findet das Kollektiv dabei auch die Verbindungen zwischen den Genres. Denn selbst Hardtekk greife immer wieder auf Elemente zurück, die aus dem House kommen: Akkorde, Vocals und Melodien würden gesampelt, beschleunigt und mit härteren Beats neu interpretiert. „Das zeigt, wie prägend House in seiner ganzen Vielfalt ist“, sagt Diana. Genau diese Vielfalt wolle b:wired sichtbar machen – von Klassikern bis zu modernen Spielarten und neuen Einflüssen.
Warum ausgerechnet Jena? Für Diana ist die Stadt kein Zufall. Teile des Teams sind in Thüringen verwurzelt und kennen die lokale Club- und Kulturszene seit Jahren. Gleichzeitig wolle man Veranstaltungen nicht nur in den großen Metropolen stattfinden lassen, sondern auch Regionen erreichen, in denen kulturelle Strukturen weniger stark ausgeprägt sind. Jena bringe dafür eine lebendige Szene und viel kulturelle Energie mit. Das Paradies Café wiederum liegt direkt an der Saale und mitten im Grünen – also ziemlich genau dort, wo man einen Sommertag mit House-Musik verbringen möchte.
Vor allem musikalische Qualität
Auf dem Line-up stehen unter anderem Mathias Kaden, Kristin Velvet, Norman Weber mit Paul on Sax, Caren Callas, Elli Altenberger und Finde. Bei der Auswahl, so Diana, gehe es vor allem um musikalische Qualität und darum, ob die Künstlerinnen und Künstler zur Idee von b:wired passen. Gleichzeitig wolle das Kollektiv künftig stärker neue Talente fördern. Denn eine Szene, findet Diana, lebe davon, dass Erfahrung weitergegeben wird und gleichzeitig neue Impulse entstehen.
Regelmäßige Thüringen-Reihe?
Ob aus dem Open Air in Jena eine regelmäßige Thüringen-Reihe wird, ist noch offen. b:wired wolle zunächst organisch wachsen und eine Community rund um die Idee entwickeln. Weitere Veranstaltungen in Thüringen könne man sich aber gut vorstellen. Auch die Idee eines eigenen Labels steht laut Diana im Raum.
Bis dahin gilt: Im Paradies darf getanzt werden. Nur eben nicht zwingend im Dauer-Sprint. B:wired setzt auf House mit Groove, Dynamik und musikalischer Tiefe – und auf einen Dancefloor, der nicht ständig maximal eskalieren muss, um interessant zu bleiben.
Hard Facts:
- 2. August von 14 bis 22 Uhr
- Paradies Café Jena
- Weitere Infos gibt es hier!
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