Kleinstadtaufruhr: Weimar bekommt neues Festival mit Punk-Credibility
18. Juni 2026 • Geschrieben von
Florian Dobenecker
Von wegen Klassikerstadt. Weimar bekommt einen neuen Termin im Kulturkalender, den Goethe so garantiert nicht erwartet hätte. Und der dürfte deutlich lauter ausfallen als so mancher Literaturabend. Am 20. Juni veranstaltet die PunkGerCrew aus Weimar im Gaswerk das erste „Kleinstadtaufruhr“-Open-Air. Auf dem Programm stehen fünf Bands, eine Lesung, Zauberei und verschiedene Informations- und Mitmachangebote. Laut PunkGerCrew steckt hinter dem Festival vor allem eins: jede Menge Eigeninitiative, Herzblut und die Überzeugung, dass Kultur von Menschen gemacht wird, die selbst anpacken.
Punk bedeutet für die Crew dabei deutlich mehr als Nieten, Aufnäher oder Irokesenschnitt. „Punk bedeutet für uns eine gewisse, klare Haltung“, sagt die Crew. Gerade in einer Zeit, in der Menschen ausgegrenzt würden und politische Spannungen zunehmen, sei es wichtig, „Stellung zu beziehen und laut zu werden“. Gleichzeitig gehe es um den DIY-Gedanken: Dinge selbst anzupacken, statt auf andere zu warten. „Menschen zu sehen, die bei unseren Veranstaltungen tanzen und glücklich sind, ist überwältigend.“
Kleinstadtaufruhr in Weimar
Die Geschichte der Crew beginnt dabei nicht auf einer Festivalwiese, sondern in der Gerberstraße 3, einem Zentrum für Subkultur. „Wir sind schon seit unserer Jugend in der Gerber zu Gast gewesen und auch unabhängig davon viel auf Konzerten und Festivals unterwegs“, erzählt Mary von der PunkGerCrew.Punk-Open-Air mit Haltung
Weil Punkkonzerte dort immer seltener wurden, entstand irgendwann die Idee, selbst Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Nach einer öffentlichen Geburtstagsfeier mit Livebands wurde klar: „Da war eine Tür geöffnet und wir haben uns entschieden, weiterzumachen.“ Heute fließt nach eigenen Angaben „unheimlich viel Herzblut“ in das Projekt.- Weimar bekommt mit dem ersten Kleinstadtaufruhr-Open-Air in Thüringen einen lauten Auftakt mit Haltung und Herz. Foto: PunkGerCrew
- Weimar bekommt mit dem ersten Kleinstadtaufruhr-Open-Air in Thüringen einen lauten Auftakt mit Haltung und Herz. Foto: PunkGerCrew
- Weimar bekommt mit dem ersten Kleinstadtaufruhr-Open-Air in Thüringen einen lauten Auftakt mit Haltung und Herz. Foto: PunkGerCrew
- Weimar bekommt mit dem ersten Kleinstadtaufruhr-Open-Air in Thüringen einen lauten Auftakt mit Haltung und Herz. Foto: PunkGerCrew
- Weimar bekommt mit dem ersten Kleinstadtaufruhr-Open-Air in Thüringen einen lauten Auftakt mit Haltung und Herz. Foto: PunkGerCrew
- Weimar bekommt mit dem ersten Kleinstadtaufruhr-Open-Air in Thüringen einen lauten Auftakt mit Haltung und Herz. Foto: PunkGerCrew
Musik, Meinung und Mitmachkultur
Dass das erste Open-Air ausgerechnet im Gaswerk stattfindet, ist kein Zufall. Die Crew träumte schon länger von einem eigenen Festival unter freiem Himmel. „Das Größte sind für uns immer die Open Airs im Sommer“, erinnert sich Mary. Weil der Außenbereich der Gerber dafür zu klein ist, kam die Anfrage des Gaswerks genau zum richtigen Zeitpunkt. „Das war natürlich wie ein Hauptgewinn für uns.“ Die Location passe nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich. Das Gaswerk sei wie die Gerber ein Ort für Subkultur, Kunst und Kultur und stehe für Offenheit – Werte, mit denen sich die Crew identifiziert.Das erste Mal ein Festival
Ganz ohne Stolpersteine läuft die Festivalpremiere allerdings nicht. „Das erste Mal ein Festival zu organisieren ist so oder so eine Herausforderung“, sagt Mary. Themen wie Stromversorgung, Technik oder zusätzlich benötigtes Equipment hätten die Crew vor neue organisatorische und finanzielle Aufgaben gestellt. Vieles müsse erst gelernt und geplant werden. Musikalisch setzt die PunkGerCrew auf eine Mischung aus regionalen und überregionalen Acts. Mit dabei sind HobelX aus Weimar, N.T.Ä. aus dem Saarland, Fahnenflucht aus Rheinberg, The Dead End Kids aus Leipzig und Dresden sowie Trickel aus Weimar. Die Auswahl folgt klaren Kriterien. „Unsere persönliche Vorliebe gilt dem Deutschpunk“, erklärt Mary und fügt an: „Uns ist wichtig, dass die Bands vielfältig und divers sind. Es sind alles Menschen, die ehrliche Musik machen, sich offen politisch äußern und sich selbst treu bleiben.“Im Gaswerk Weimar trifft Deutschpunk auf Lesung
Dass neben Musik auch eine Lesung von Geralf Pochop und Zauberkünstler Heiner auf dem Programm stehen, ist gewollt. „Festivals sind mehr als nur Musik“, sagt Mary. So schafft die Lesung Raum zum Zuhören und Nachdenken, während Zauberer Heiner besonders die jüngeren Gäste begeistern soll. Dazu kommen Informationsstände zu politischen und Tierschutzthemen, ein Plattenstand und sogar die Möglichkeit, sich tätowieren zu lassen. „Wir finden es wichtig, dass es in der Szene Nachwuchs gibt und wollen auch, dass Familien mit Kindern die Möglichkeit haben, an unserem Festival teilzuhaben und wünschen uns, dass auch die Kids ihre Highlights erleben.“Menschen, Begegnungen und Kultur
Für einen Tag wird Weimar also zur Punk-Hochburg. Nicht mit einem gigantisches Massenfestival, sondern dem, was die PunkGerCrew selbst am treffendsten beschreibt: mit einem DIY-Projekt von Menschen, die Kultur nicht nur konsumieren, sondern selber machen und dabei Haltung bewahren. Oder wie Mary sagt: „Uns ist bewusst, dass ein Open Air da nicht allein die Welt verändern wird, aber trotzdem ist es wichtig, Stellung zu beziehen und Menschen, Begegnungen und Kultur in einem sicheren Umfeld zu ermöglichen.“Hard Facts:
- Wo: Gaswerk Weimar – Schwanseestraße 92
- Wann: 20. Juni ab 13 Uhr
- Weiter Infos und Tickets gibt es hier
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