2027 wird alles anders: Wie das Krämerbrückenfest die Fête de la Musique Erfurt verändert
10. Juni 2026 • Geschrieben von
Florian Dobenecker
Eigentlich findet bei der Fête de la Musique jeder einen Platz. Seit Jahren lebt das Musikfest davon, dass Profis, Hobbymusiker und spontane Neuentdeckungen gemeinsam die Erfurter Innenstadt bespielen. Doch 2026 ist vieles anders. Erstmals in der Geschichte der Erfurter Fête de la Musique musste Organisatorin Friederike Teichert einen Anmeldestopp für Bands verhängen.
Betroffen sind mit dem Wenigemarkt, dem Fischmarkt und dem Platz hinter der Krämerbrücke gleich mehrere zentrale Spielorte der vergangenen Jahre. Hinzu kommen Einschränkungen am Domplatz: Die Standorte am Eiscafé und an der Gedenkstätte Andreasstraße können erst ab 18 Uhr genutzt werden, wenn das Krämerbrückenfest endet. „Das bedeutet unterm Strich noch einmal mindestens vier Bands oder Musikerinnen, die mir wegfallen“, erklärt Teichert.
Fête de la Musique kollidiert mit Krämerbrückenfest
Der Grund liegt nicht in einem Mangel an Interesse. Im Gegenteil. Eine ungewöhnliche und zufällige Terminkollision ist Schuld. Die Fête de la Musique fällt in diesem Jahr auf denselben Tag wie das Krämerbrückenfest. Für die ehrenamtliche Organisatorin bedeutet das vor allem eines: weniger Platz für Musik.Auch für Solo-Musiker:innen wird es eng
„Der Anmeldestopp, den ich verhängt habe, bezieht sich ja explizit auf Bands. Und der hat schon damit zu tun“, sagt Teichert. Durch das Krämerbrückenfest fielen ausgerechnet jene Orte weg, an denen größere Ensembles normalerweise problemlos untergebracht werden könnten. Und auch für Solo-Musiker:innen wird es nunmehr eng.
Anmeldungsschluss für Bands: Erfurts Fête de la Musique und Krämerbrückenfest treffen aufeinander – und das sorgt für 2026 Turbulenzen. Foto: Markus Stelle
Erfurt fehlen plötzlich Bühnen
Die Auswirkungen sind vor allem für größere Formationen spürbar. „Eine Big Band kannst du nicht einfach irgendwo hinstellen“, sagt die Organisatorin. Geeignete Flächen seien ohnehin rar. Gleichzeitig lasse sich die Spielzeit einer Band nicht beliebig verkürzen. „Wenn vier Leute sich die Zeit nehmen, Gitarren und ein Drumset aufzubauen, dann ist eine halbe Stunde Spielzeit dafür doch ein bisschen wenig.“Trostpflaster vor der Reglerkirche
Ganz ohne Ersatz muss die Fête allerdings nicht auskommen. Mit der Fläche vor der Reglerkirche an der Bahnhofstraße kehrt ein Standort zurück, der bereits vor einigen Jahren Teil des Programms war. „Ich freue mich wirklich darüber“, sagt Teichert. „Ich hatte immer die Hoffnung, diesen Ort irgendwann wieder ins Programm zu holen. Der ist einfach wunderschön.“ Hinzu kommt ein weiterer Spielort in einem Innenhof nahe des Domplatzes.Rotkehlchen aus Erfurt: Thüringens derzeit bewegendster Chor ist explizit antifaschistischTrotzdem sind die neuen Orte kein ebenbürtiger Ersatz für die weggefallenen Flächen in der Innenstadt. Die Zahl der auftretenden Musiker:innen bleibt zwar nach Einschätzung der Fête-Organisatorin weitgehend stabil, die Möglichkeiten für größere Bands sind jedoch deutlich begrenzter. Dass sich die Anmeldungen in diesem Jahr besonders früh häuften, könnte aber ebenfalls mit der angekündigten Platzknappheit zusammenhängen. „Wir haben diesmal frühzeitig mitgeteilt, dass so ein Stopp kommen könnte“, erklärt sie. „Dadurch haben sich viele deutlich früher angemeldet als sonst.
Frederike Teichert koordiniert die Fête seit Jahren
Dass die Fête de la Musique trotz der schwierigeren Rahmenbedingungen erneut zustande kommt, ist vor allem dem ehrenamtlichen Engagement ihrer Organisatorin zu verdanken. Frederike Teichert koordiniert das Festival seit mehreren Jahren nahezu allein. „Unbezahltes Ehrenamt, möchte ich der Vollständigkeit halber dazusagen“, sagt sie lachend und verrät, warum sie sich die Arbeit trotzdem jedes Jahr wieder antut: „Ich freue mich, dass die Leute so Bock haben!“„Wer Lust hat, kann da spielen“
Die Fête sei einer der wenigen Orte, an denen jede und jeder auftreten könne, unabhängig von Bekanntheit oder Professionalität. „Es geht schlicht darum: Wer Lust hat, kann da spielen.“ Genau dieses Prinzip soll auch 2026 erhalten bleiben. Selbst wenn das Krämerbrückenfest der Fête diesmal einige ihrer wichtigsten Bühnen genommen hat.Der offizielle t.akt-Matcha-Latte-Check für Erfurt: Hier gibt’s die bestenOder wie Teichert es freudig formuliert: „Ich finde die Fête einfach schön. Und ich erfreue mich an der Freude der anderen. Daran, dass die Stadt für sechs, sieben Stunden plötzlich eine andere ist. Dass die Menschen gut drauf sind und an allen Ecken Musik genießen. Und nächstes Jahr macht die Stadt dann hoffentlich das Krämerbrückenfest nicht ausgerechnet wieder am 21. Juni“
Megafestival 2027 incoming
Kleiner Spoiler zum Schluss: 2027 machen dann Krämerbrückenfest plus Fête dem Rudolstadt-Festival ernsthafte Konkurrenz. Die Fête de la Musique fällt kommendes Jahr auf den Montag. Das heißt: vier Tage lang geballte Musik. Beide Festivals dauern dann gleich lange, nur Erfurt kann kommendes Jahr in Summe eindeutig mehr Musiker:innen bieten.Hard Facts:
- 49. Krämerbrückenfest | 19. bis 21. Juni 2026
- Weitere Infos gibt es hier
- Fête de la Musique | 21. Juni 2026 | 16 – 22 Uhr
- Weitere Infos gibt es hier
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