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Krasse Open-Air-Orte in Thüringen: Tanzen in filmreifer Flug- und Militärinfrastruktur

22. Juni 2026 • Geschrieben von Florian Dobenecker
Party.San - das Extrem-Metal-Festival im beschaulichen Obermehler. Foto: Party.San
Die Bastion auf dem Petersberg in Erfurt, die Creuzburg im Wartburgkreis oder die Seestern-Panorama-Bühne in Zeulenroda-Triebes direkt an der Talsperre – immer mehr außergewöhnliche Open-Air-Spielorte versüßen den Thüringer Konzertsommer. Der Freistaat mausert sich, und immer mehr Veranstaltende und Gäste entdecken das Live- und Draußen-Gefühl neu. In unserer Reihe wollen wir die außergewöhnlichsten Venues, also Veranstaltungsorte, ins Spotlight nehmen und schauen, welche Events sie bieten und was sie so besonders macht.

Zwischen Hangars und Horizont

Mitten im „grünen Herzen“ Deutschlands, im Unstrut-Hainich-Kreis nahe Schlotheim, liegt der Verkehrslandeplatz Obermehler-Schlotheim. Asphalt trifft hier auf Weite, Start- und Landebahn auf Himmelsoffenheit. Wer hier ankommt, landet nicht nur physisch, sondern auch gedanklich ein bisschen außerhalb des Alltags. Zwischen Hangars und Horizont wirkt alles ein wenig wie ein Ort, an dem selbst der Wind gern noch eine Extra-Runde dreht.

Party.San 2019 das Extrem-Metal-Festival im beschaulichen Obermehler. Foto: Party.San

Der Blick über das Gelände ist dabei fast schon filmreif: endlose, offene Flächen ehemaliger Flug- und Militärinfrastruktur breiten sich aus, durchzogen von einer langen, schnurgeraden Piste. Es ist diese Mischung aus technischer Strenge und natürlicher Weite, die den Ort besonders macht. Historisch gesehen trägt der Platz ebenfalls einige Kapitel im Gepäck: Zwischen 1955 und 1957 als sowjetischer Militärflugplatz errichtet, waren hier einst MiG-Jets, Hubschrauber und Fallschirmjäger stationiert. Bis in die 1980er Jahre blieb das Gelände militärisch geprägt, bevor 1991 der Abzug der sowjetischen Streitkräfte erfolgte und 1997 schließlich die offizielle zivile Eröffnung als Verkehrslandeplatz folgte. Aus einer ehemaligen Flugzone wurde so Schritt für Schritt ein Raum mit neuen Möglichkeiten.

Etablierte Sommerbühne unter freiem Himmel

Als Open-Air-Spielort hat sich das Gelände erst nach dieser zivilen Umwidmung entwickelt. Erste Veranstaltungen fanden ab Ende der 1990er-Jahre statt, doch so richtig in den Eventmodus schaltete der Platz ab den 2000er-Jahren. Heute ist er eine etablierte Sommerbühne unter freiem Himmel.

„Headbang-Bahn“

Ein Highlight im Kalender 2026 ist definitiv das Party.San Metal Open Air vom 6. bis 8. August. Dann wird die einstige Startbahn zur „Headbang-Bahn“, und wo früher Triebwerke heulten, röhren heute Gitarren. Zwischen Staub, Sonne und sattem Sound entsteht ein Festivalerlebnis, das so kompromisslos ist wie die Location selbst. Der Bass rollt dann über das Gelände wie einst die Maschinen – nur deutlich rhythmischer und mit mehr Bierbechern in der Luft. Doch nicht nur Metal regiert hier den Himmel. Der Flugplatz ist auch Bühne für Flugtage Obermehler, das BMW Syndikat Asphaltfieber, Motorsport-Events, Großkonzerte, Firmenveranstaltungen und vielfältige Sommerformate. Mal wird geschraubt und geschaut, mal getanzt und gefeiert – der Ort wechselt seine Rollen so leicht wie andere ihre Playlist.

Mischung aus Geschichte und Gegenwart

Was Obermehler-Schlotheim besonders macht, ist diese seltene Mischung aus Geschichte und Gegenwart, aus militärischer Vergangenheit und kultureller Neuinterpretation. Wo einst Strenge und Strategie dominierten, entsteht heute Raum für Kreativität, Klang und Begegnung. Die Weite ist hier nicht nur Kulisse, sondern Hauptdarstellerin. Und während anderswo Bühnen gebaut werden, ist sie hier längst vorhanden – groß, offen und bereit für den nächsten großen Auftritt.

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