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Saufkultur adé? Thüringer Veranstalter sieht die traditionelle Clubszene in Gefahr

18. Juni 2026 • Geschrieben von Florian Dobenecker
Die Tanzflächen sind nicht leer. Die Festivals nicht ausgestorben. Und trotzdem sieht Alexander Theis ein Problem, über das seiner Meinung nach viel zu wenig gesprochen wird. Der Thüringer Veranstalter hat kürzlich mit einem ausführlichen Social-Media-Post eine Debatte angestoßen. Seine Beobachtung: Die junge Generation feiert noch. Aber sie feiert anders. Und genau das bringt Clubs, Veranstalter und die gesamte Eventbranche unter Druck, wie er meint.

Thüringer Clubszene verändert sich

„Diese ganze Entwicklung rund um das Ausgehverhalten der Menschen, besonders der jüngeren Generation, spüren wir unmittelbar“, sagt Theis. Als Veranstalter des Fantasy Beach Festivals und zahlreicher weiterer Events beobachtet er seit Jahren, wie sich die Feierkultur verändert. Dabei stützt er sich nicht nur auf eigene Erfahrungen, sondern auch auf aktuelle Studien. Laut den von ihm zusammengetragenen Daten ist der Alkoholkonsum junger Menschen seit Jahren rückläufig. Während im Jahr 2000 noch 72 Prozent der unter 35-Jährigen Alkohol konsumierten, lag der Wert 2023 bei 62 Prozent. Für die kommenden Jahre wird ein weiterer Rückgang prognostiziert.

„Das ist kein Trend. Das ist ein Shift“

Laut Theis ist das mehr als eine statistische Randnotiz. „Das ist kein Trend. Das ist ein Shift“, schreibt er in seinem Beitrag. Die Folgen spürt er längst im Veranstaltungsalltag. Besonders deutlich wurde das für ihn zuletzt beim Fantasy Beach Festival. „Von drei Veranstaltungstagen liefen zwei schlechter als im Vorjahr, während ein Tag sogar besser war“, erzählt er. Für ihn zeigt das einen klaren Trend: Die Menschen konzentrieren sich eher auf den Besuch weniger Veranstaltungen. „Die großen Highlights funktionieren weiterhin. Veranstaltungen mit bekannten Acts, großen DJs oder einem besonderen Rahmenprogramm haben nach wie vor guten Zulauf.“ Dagegen hätten es klassische Wochenend-Veranstaltungen ohne große Namen oder besondere Erlebnisse zunehmend schwer. Einfach nur tanzen gehen, sei nicht mehr gefragt.

„Man merkt dabei zwei Extreme“

Hinzu komme ein zweiter Faktor: Der Getränkeumsatz, lange eine der wichtigsten Einnahmequellen vieler Clubs und Veranstaltenden, bricht weg. „Man merkt dabei zwei Extreme“, sagt Theis. „Diejenigen, die richtig feiern und trinken wollen, trinken vorher vor. Die andere Gruppe bleibt bewusst nüchtern oder konsumiert deutlich weniger Alkohol.“ Das Ergebnis: weniger Umsatz an der Bar – und damit weniger Geld für Technik, Personal oder Programm.

„Man müsste die Eintrittspreise erhöhen“

Dabei hängt für viele Veranstalter genau daran die gesamte Kalkulation. „Wenn die Einnahmen über Getränke fehlen, hat das Folgen für alles andere“, erklärt Theis. „Rein theoretisch müsste man die Eintrittspreise erhöhen, um diesen fehlenden Getränkeumsatz zu kompensieren.“ Gleichzeitig seien viele Gäste aber nicht bereit, für Standardveranstaltungen deutlich mehr Geld auszugeben.
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Auch die Kosten auf der anderen Seite steigen. Wer heute bekannte Künstler:innen buchen möchte, muss tief in die Tasche greifen. „Wenn du heute einen Künstler buchen willst, der gerade wirklich zieht, bist du schnell bei 6.000 oder 7.000 Euro Gage“, sagt er. Ein Großteil der Eintrittseinnahmen fließe inzwischen direkt an Künstler:innen und Agenturen. Die Konsequenz: Der Veranstalter hat sein eigenes Programm drastisch reduziert. „Vor Corona und auch noch in den ersten Jahren danach habe ich zwischen 120 und 150 Veranstaltungen pro Jahr organisiert. Dieses Jahr werde ich wahrscheinlich irgendwo zwischen 35 und 40 Veranstaltungen landen.“

„Erlebnis ist die neue Währung.“

Gleichzeitig sieht Theis den Wandel nicht nur negativ. Für ihn verändert sich vor allem die Motivation der Gäste. „Die Leute gehen heute nicht mehr einfach nur zum Feiern oder Trinken aus. Sie wollen etwas erleben.“ Sein häufig zitierter Satz aus dem Post lautet deshalb: „Erlebnis ist die neue Währung.“

Menschen suchen etwas Besonderes

Was das konkret bedeutet? „Es reicht nicht mehr, einfach eine Location zu öffnen und Musik laufen zu lassen“, sagt er. Gefragt seien besondere Konzepte, aufwendige Lichtshows, Dekorationen oder außergewöhnliche Künstler:innen. „Die Menschen suchen etwas Besonderes.“ Das klassische Ziel, „irgendwo hinzugehen, fünf Bier zu trinken und irgendwann voll in der Ecke zu liegen“, spiele für viele junge Menschen keine Rolle mehr. Als Gründe nennt Theis mehrere Entwicklungen gleichzeitig: gestiegene Lebenshaltungskosten, ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein, Fitness- und Lifestyle-Trends sowie Erfahrungen aus der Corona-Zeit. „Viele Menschen haben damals gelernt, dass man auch ohne Party ein schönes Wochenende haben kann“, sagt er.

Tagesveranstaltungen könnten künftig wichtiger werden

Die Branche müsse darauf reagieren. Theis experimentiert deshalb bereits mit neuen Formaten. Ein Konzept, an dem er derzeit arbeitet, heißt „Beats & Breakfast“ – eine Mischung aus Frühstücksevent und Musikveranstaltung am Vormittag. Auch Tagesveranstaltungen könnten künftig wichtiger werden. „Viele Menschen haben gar keine Lust mehr, bis vier oder fünf Uhr morgens unterwegs zu sein und am Folgetag auskatern.“

Disco bis um Mitternacht

Für die Zukunft erwartet er weitere Veränderungen. Vielleicht sogar eine Rückkehr zu früheren Zeiten, als Diskotheken bereits am Abend begannen und gegen Mitternacht endeten. „Genau das ist für viele attraktiv: einen intensiven Abend erleben, ohne anschließend einen ganzen Tag zu verlieren“, sagt Theis.
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Sein Fazit fällt deutlich aus: Die Club- und Eventkultur verschwindet nicht. Aber ihre Spielregeln haben sich verändert. Wer weiter auf billige Drinks und reine Saufkultur setzt, könnte es künftig schwer haben. Oder, wie Theis es selbst formuliert: „Die Clubszene verändert sich. Die Frage ist nicht, ob sie sich verändert, sondern ob du dich als Veranstalter mitveränderst.“

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