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Großes Jubiläum: Landeszentrale feiert in Erfurt die Demokratie

10. September 2026 • Geschrieben von Florian Dobenecker
Zum 35. Geburtstag tauscht die Landeszentrale mit der streit:bar tauscht Getränke gegen Gespräche: die Mitarbeitenden gehen mit Bürger:innen in den Austausch zu jeglichen aktuellen politischen Fragen. Foto: Franziska Gräfenhan

Die Thüringer Landeszentrale für politische Bildung wird 35 und feiert das mit einem offenen Nachmittag im Erfurter Hirschgarten. In Form von XXL-Memory, Illumat und Streit:BAR bietet sie politische Bildung zum Mitmachen und will den Besucher:innen so spielerisch zeigen, wie Demokratie im Alltag greifbar wird.

Landeszentrale: 35. Geburtstag im Hirschgarten

Politische Bildung ohne dicke Bücher: Beim Fest „Hallo Zukunft!“ am 11. September in Erfurt setzt die Landeszentrale auf Spiele und Erzählkunst. Leiterin Franziska Wittau erklärte vorab im Gespräch mit unserer Redaktion, warum die Einrichtung keinesfalls eine Meinungsmaschine ist und warum Kinder bei politischen Dingen mit einbezogen werden müssen.


Möglichkeit zum Einmischen


Politische Bildung klingt erst einmal nach dicken Büchern, Podiumsdiskussionen und ziemlich viel Ernst. Die Thüringer Landeszentrale für politische Bildung will zeigen, dass es auch anders geht. Zum 35. Geburtstag wird der Erfurter Hirschgarten zum offenen Treffpunkt mit Theater, Spielen, Geschichten und der Frage, wie wir eigentlich morgen leben wollen.

Franziska Wittau, Leiterin der TLpB, nimmt sich Zeit, um mit interessierten Passant:innen zu diskutieren. Foto: Franziska Gräfenhan


„Politische Bildung will Menschen dabei unterstützen, zu einer fundierten Meinung über das zu kommen, was in Politik und Gesellschaft diskutiert wird“, sagt Dr. Franziska Wittau, Leiterin der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung. Dafür organisiert die 1991 gegründete Einrichtung Veranstaltungen und stellt Publikationen bereit. Es geht um Information, Diskussion und letztlich um die Möglichkeit, sich einzumischen. Denn, so Wittau: „Dass wir in einer Demokratie leben, ist alles andere als selbstverständlich.“


1991 noch ohne Instagram und TikTok


Als die Landeszentrale vor 35 Jahren gegründet wurde, war politische Bildung, die ausdrücklich auf selbstständige Urteilsbildung setzt, in Thüringen noch neu. Nach der Wiedervereinigung musste zunächst Vertrauen in eine staatliche politische Bildung geschaffen werden, die eben nicht vorgibt, was Menschen zu denken haben. Unterschiedliche Sichtweisen und gesellschaftliche Kontroversen sollten abgebildet werden – solange sie demokratischen Grundsätzen entsprechen. Dieser Anspruch gilt bis heute.

Die Themen haben sich derweil ordentlich verändert. 1991 gab es weder Instagram noch TikTok, soziale Medien waren kein Thema. Heute gehört der digitale Wandel zu den Dauerbrennern. Ebenso wie die Frage, welchen Einfluss Künstliche Intelligenz auf unseren Alltag haben wird. Dazu kommen Wahlen, die Aufarbeitung der deutschen und regionalen Demokratie- und Diktaturgeschichte und ganz grundsätzlich die Frage, wie wir unsere Gesellschaft gestalten wollen. „Letztlich ist all das, wo wir gemeinsam entscheiden, wie wir leben, arbeiten und Gesellschaft gestalten wollen, politisch“, sagt Wittau.


„Diskutieren, Weiterdenken und Mitmachen“


Dabei versteht sich die Landeszentrale ausdrücklich nicht als politische Meinungsmaschine. „Kontroversität ist hier das wichtigste Maß“, sagt Wittau. Die Aufgabe bestehe darin, unterschiedliche Deutungsangebote zur Verfügung zu stellen und Anstöße zum „Diskutieren, Weiterdenken und Mitmachen“ zu geben.


Kinder aktiv mit einbinden


Das ist gerade dort wichtig, wo Menschen mit Politik wenig anfangen können. Die Landeszentrale versucht deshalb, Politik nicht nur als etwas zu vermitteln, das im Landtag oder in Ministerien passiert. „Vieles in unserem Alltag ist hochpolitisch“, sagt Wittau. Genau dort könne politische Bildung ansetzen. Bei Dingen also, die Menschen unmittelbar beschäftigen.


Zum 35. Geburtstag wird dieses Prinzip kurzerhand auf die Straße gebracht. Unter dem Motto „Hallo Zukunft!“ lädt die Landeszentrale am Freitag, 11. September, von 14 bis 18 Uhr in den Erfurter Hirschgarten am Wachhaus in der Regierungsstraße ein. Das Programm ist bewusst offen gestaltet: Erzählkunst, Theater, Puppenspiel, Bücher, Spiele und Mitmachangebote sollen Menschen jeden Alters zusammenbringen. Der Eintritt ist frei.

Täglich mit Politik konfrontiert


Auch Kinder und Familien stehen im Mittelpunkt. Denn die Vorstellung, Kinder seien unpolitisch, hält Wittau für „vollkommen überholt“. Kinder seien täglich mit Politik konfrontiert und hätten längst eigene Vorstellungen davon, „wie sie leben wollen, was sie ändern würden, wenn sie könnten“. Politische Bildung müsse dafür Räume schaffen.


„Spielen begleitet die Kulturgeschichte“


Dass das auch spielerisch funktionieren kann, zeigen Angebote wie die Streit:BAR, der Illumat, das XXL-Memory Thüringen oder LEGO Serious Play. „Spielen begleitet die Kulturgeschichte der Menschen von jeher“, sagt Wittau. Es brauche Kommunikation, Regeln, mache Spaß und rege gleichzeitig zum Weiterdenken an. Gerade das gemeinsame Spielen könne demokratische Kommunikation stärken.

Besonders auch Familien mit Kindern sind zum Fest der Landeszentrale in den Hirschgarten eingeladen, um über Politik ins Gespräch zu kommen. Foto: Franziska Gräfenhan

Über allem steht dabei natürlich die Zukunft. Und die ist für Wittau keineswegs nur ein Anlass zum Optimismus. „Wir leben in einer Zeit, die durch Unsicherheit und auch viele sich häufende Krisenerfahrungen geprägt ist.“ Eine der entscheidenden Fragen sei deshalb, „bei all diesen Herausforderungen optimistisch zu bleiben und wie dies gelingen kann“.


Blick nach vorne gerichtet

Doch 35 Jahre nach ihrer Gründung blickt die Thüringer Landeszentrale aber nicht nur zurück. Ihr größter Wunsch für die kommenden Jahre ist erstaunlich schlicht: „Ein ganz wichtiger Schritt wäre, dass die Landeszentrale möglichst vielen Menschen in Thüringen ein Begriff ist.“ Politische Bildung solle ein selbstverständlicher Bestandteil der Thüringer Bildungslandschaft sein und bleiben. Am 11. September kann man damit schon einmal anfangen: offene Türen nutzen, in den Hirschgarten gehen, mitmachen, streiten, spielen. Und vielleicht gemeinsam darüber reden, was aus dieser Zukunft in Thüringen und Deutschland eigentlich werden soll.

Hard Facts:

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