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Das Somaphon-Festival bringt in Weimar den Alltag ins Wanken

8. September 2026 • Geschrieben von Claudia Dell
Das Somaphon Festival verwandelt Weimar in einen Klangraum, wie hier 2025. Alltagsorte klingen dann anders als sonst. Foto: Peechana Chayochaichana

Das Somaphon Festival geht in Weimar in die dritte Runde und bringt den gewohnten Blick auf die Stadt aus dem Takt. Alltägliche Wege durch die Stadt sollen wieder zum neuen Abenteuer werden. Dabei wird zwischen Soundwalks, Butoh-Tanz und Konzertnächten das Zuhören selbst zum Ereignis.

Weimar: Somaphon Festival

Vom 11. bis 19. September bringt das Somaphon Festival in Weimar Klang, Körper und Stadtraum zusammen. Galerie, Sendehalle und Plätze werden zu Erfahrungsräumen – und ein Workshop schickt klingende Drachen in die Luft. Wir verraten euch dazu Genaueres, wo was in Weimar los ist.

Wenn die Stadt zum Klangraum wird


„Man stumpft ja schnell ab“, sagt Cosmo Schüppel, einer der beiden Macher des Somaphon Festival Weimar. Gemeint sind die alltäglichen Wege durch die Stadt, die immer gleichen Plätze, Straßen und Geräusche. Was nimmt man von seinem gewohnten Umfeld überhaupt noch wahr? Was beginnt man zu übersehen – oder zu überhören? Vieles, da sind sich Schüppel und sein künstlerischer Partner Thai Tai Pham einig.

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Impressionen vom vergangenen Somaphon Festival in Weimar Peechana Chayochaichana
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Impressionen vom vergangenen Somaphon Festival in Weimar Peechana Chayochaichana
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Impressionen vom vergangenen Somaphon Festival in Weimar Peechana Chayochaichana
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Impressionen vom vergangenen Somaphon Festival in Weimar Peechana Chayochaichana
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Impressionen vom vergangenen Somaphon Festival in Weimar Peechana Chayochaichana
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Impressionen vom vergangenen Somaphon Festival in Weimar Peechana Chayochaichana
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Impressionen vom vergangenen Somaphon Festival in Weimar Peechana Chayochaichana

Genau da setzt das Somaphon Festival aus Weimar an. Vom 11. bis 19. September bringt die inzwischen dritte Ausgabe Klang, Körper und Stadtraum miteinander in Verbindung und versucht, den gewohnten Blick auf Weimar für ein paar Tage aus dem Takt zu bringen. Beide Festivalmacher haben hier studiert und die Stadt als kulturell lebendigen Ort kennengelernt. Was ihnen fehlte, war ein Format, das Klang- und Körperkunst stärker mit dem öffentlichen Raum verbindet.

Kunst und Gesellschaft in Kontakt

Dabei soll die Stadt nicht bloß Kulisse sein. Alltagsorte werden durch kleine Verschiebungen wieder neu wahrnehmbar. Ein vertrauter Weg wird zum Soundwalk, der eigene Körper zum Instrument oder die Geräuschkulisse einer Stadt plötzlich zum Gegenstand konzentrierten Zuhörens. Das Festival durchschreitet die Stadt: Spielstätten wie die Galerie Eigenheim, das mon ami, die Sendehalle Weimar und der Stéphane-Hessel-Platz werden zu temporären Klang- und Erfahrungsräumen.

Den Körper aus dem Takt bringen


Das Somaphon Festival Weimar bewegt sich dabei zwischen zwei Polen: Es will ausdrücklich raus in die Stadt und möglichst offen für alle sein. Gleichzeitig entstehen in den kleinen, intensiven Workshops Räume, in denen sich die Teilnehmenden über zwei Tage sehr konzentriert mit einer künstlerischen Praxis beschäftigen können. Genau diese Verbindung macht für die beiden den Kern von „Somaphon“ aus: experimentelle, technische und künstlerisch spezifische Arbeiten sollen nicht in einer eigenen Blase bleiben, sondern mit einer breiteren Stadtgesellschaft in Kontakt kommen. Gleichzeitig darf die Offenheit des öffentlichen Raums nicht bedeuten, dass die Kunst an Tiefe verliert. „Unsere Hoffnung ist, dass es sich irgendwo gegenseitig unterstützt“, sagt Schüppel.

Das Weimarer Somaphon Festival bringt künstlerische Arbeiten in direkten Kontakt mit der Gesellschaft. Foto: Peechana Chayochaichana


Wie intensiv diese Begegnung werden kann, zeigt ein Tanz-Workshop am 17. und 18. September. Er widmet sich dem Butoh, einer in Japan entstandenen Form des zeitgenössischen Tanzes. Unter der Leitung der Tänzerin und Choreografin Yumiko Yoshioka geht es nicht um festgelegte Bewegungsabläufe, sondern um Körperwahrnehmung und die Frage, wie der Körper auf seine Umgebung reagiert. Noch unmittelbarer wird die Verbindung von Klang, Körper und Raum beim Workshop des vietnamesisch-österreichischen Künstlerduos Siedl/Cao am 15. und 16. September.

Choreografie und Klangkomposition

Gemeinsam bauen die Teilnehmenden Flugdrachen (wind kites), die mit unterschiedlich klingenden äolischen Flöten ausgestattet sind. Steigen sie in den Himmel, wird der Wind zum Orchester: Die Bewegungen der Drachen erzeugen Klänge, aus Flug und Luft entsteht eine eigene Choreografie und Klangkomposition. Am 17. September wird das Ergebnis im Kirschbachtal als Gruppenperformance zu erleben sein. Schon im vergangenen Jahr war das Künstlerduo mit den äolischen Flöten zu Gast. Damals wurden die Flöten auf den Köpfen der Teilnehmer:innen getragen und es ging per Fahrrad durch die Stadt. Eigentlich fängt sich hier das Bild, das man vom „Somaphon“ zeichnen könnte, am besten ein: „Klang auf dem Körper, Bewegung, Stadtraum – alles gleichzeitig“, so Pham.

Alltagsorte, die anders wirken

Auch das Hören selbst bekommt in diesem Jahr einen größeren Raum. Mit den Konzertnächten in der Sendehalle Weimar feiert ein neues Format seine Premiere. Sie widmen sich elektronischer Musik und Klang und bewegen sich dabei zwischen klassischer und moderner Musik. Das Zuhören wird zum eigentlichen Ereignis. Die besondere Akustik der Gewölbehalle verstärkt diesen Ansatz noch: Klänge können sich ausbreiten, nachhallen und den Raum selbst erfahrbar machen.


Eröffnet wird das Festival am 11. September auf dem Stéphane-Hessel-Platz mit dem partizipativen Radioballett „Fragment“. Über Anweisungen aus dem Radio werden die Teilnehmenden dazu eingeladen, ihre Bewegungen und ihren Blick auf den unmittelbaren Stadtraum zu verändern. Was normalerweise Hintergrund ist, rückt plötzlich ins Zentrum: der eigene Körper, die anderen Menschen, der Platz, die Geräusche um einen herum. Vielleicht liegt genau darin die unmittelbare Kraft hinter dem Somaphon Festival Weimar: Die Stadt für einen Moment nicht als den Ort zu erleben, den man längst kennt. Sondern als einen, den man wieder hören, sehen und mit dem eigenen Körper entdecken kann.

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