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Open-Air-Tour 2027: Kraftklub rufen die Äras aus – Thüringen guckt in die Röhre, Leipzig rettet den Sommer

9. September 2026 • Geschrieben von Florian Dobenecker
Mit Schweiß, Jubel und klarer Haltung sorgte Kraftklub in Erfurt für einen Abend, der mehr war als ein Konzert. Fotos: Nadja Schütze

„Dein Leben läuft gut, mein Leben läuft Amok.“ Mit dieser Zeile eröffnen Kraftklub das Video, mit dem sie ihre Open-Air-Tour 2027 ankündigen – und ja, es ist eine Ära-Tour. Nur eben nicht die von Taylor Swift, sondern die ostdeutsche Variante. Statt Glitzerbody und zwölf Kostümwechseln gibt es fünf Alben aus Chemnitz und rote Jacken.

Kraftklub kündigen Open-Air-Tour an

Wie die Band auf ihrem Instagram-Kanal mitteilt, geht es 2027 in fünf Städte. Die Caption zum Reel: „Ihr habt die Kraftklub Äras manifestiert!“ Rund 15.000 Likes und 369 Kommentare sammelte der Post laut Instagram in der ersten halben Stunde. Auf dem Titelbild steht in Versalien, was das Konzept in einem Satz erklärt: „Für diese Ankündigung mussten wir fünf Alben lang warten.“

Fünf Alben, fünf Äras – die Rechnung geht auf

Wer bei „fünf Alben“ kurz mitzählen musste: Es passt. „Mit K“ (2012), „In Schwarz“ (2014), „Keine Nacht für Niemand“ (2017), „KARGO“ (2022) und zuletzt „Sterben in Karl-Marx-Stadt“, erschienen am 28. November 2025. Fünf Platten, fünf Äras – das ist der Bauplan der Show. Und genau hier grinst der Swift-Vergleich einen an.

Bei der „Eras Tour“ wurden zehn Alben in dreieinhalb Stunden abgefeiert, komplett mit Freundschaftsarmbändern und Choreografie. Kraftklub haben halb so viele Äras, dafür aber vermutlich doppelt so viele Moshpits. Die Fans in den Kommentaren haben die Parallele sofort erkannt: „Einfach Eras Tour omg“, schreibt einer. „Kraftswiftis hatten Recht“, ein anderer. Man darf annehmen, dass die Band das exakt so eingeplant hatte.

Zwei Bildschirme, ein Flugzeug, ikonische Luftfinger

Das Video selbst ist aufwendiger, als man es von einer Tourankündigung erwarten würde. Die Band steht in einer inszenierten Kulisse vor einer schwarz-weiß-roten Leinwand, spielt, singt, wechselt permanent die Positionen. Alles läuft auf zwei Bildschirmen gleichzeitig, Frontmann Kummer marschiert durchs Bild. Sound und Optik sind auf die jeweiligen Songs abgestimmt – und „Keine Nacht für niemand“ ist auch dabei. Nett gedacht: Open Airs finden nun mal abends statt.

Kraftklub haben kryptisch geteaser

Ein Kommentar bringt das Medley aus allen fünf Album-Ären auf den Punkt: „Ich hab jetzt gleichzeitig von allen Songs ne Ohrwurm.“ Ein anderer schreibt schlicht: „Ihr glaubt nicht, wie glücklich mich dieses Video macht.“ Zum Finale dann Kraftklub in Reinform. Riesige aufblasbare K-Finger, ein Flugzeug fliegt durchs Bild – und mit ihm die Info, ab wann es Tickets gibt. Seit drei Tagen hatte die Band das Datum 16. September kryptisch in den sozialen Medien geteasert, unter anderem mit den Texttafeln „Was ist, wenn alles so bleibt, wie es ist?“ und „Die Menschen rufen unsren Namen“. Beides Zeilen aus dem eigenen Katalog. Jetzt ist es raus.

Die Termine

DatumStadt
05.06.Basel
11.06.Köln
26.06.Hamburg
03.07.Leipzig
14.08.München

Kraftklub nehmen in der deutschen Musiklandschaft eine Sonderstellung ein – und das seit über einem Jahrzehnt ohne Ermüdungserscheinungen. Angefangen hat es mit einem Crossover, den Anfang der 2010er kaum jemand kommen sah: treibende Post-Punk-Gitarren plus deutscher Sprechgesang, eine Brücke zwischen zwei Szenen, die sich bis dahin eher spöttisch beäugten.

Warum das Ganze überhaupt funktioniert

Dazu kommt Kummers Talent, Provinzkritik, Indie-Snobismus und gesellschaftliche Phänomene zu sezieren, ohne dabei den Zeigefinger auszufahren – „Ich will nicht nach Berlin“ ist bis heute das Musterbeispiel. Selbstironie und Identifikationsfläche in einem Song.

Exzessive Moshpits, Crowdsurfing

Live sind sie ohnehin berüchtigt: exzessive Moshpits, Crowdsurfing im Schlauchboot, spektakuläre Überraschungsaktionen. Konzerte sind bei Kraftklub kein Abarbeiten der Tracklist, sondern kollektives Erlebnis. Auch politisch haben sie sich nie weggeduckt: Kosmonaut Festival, kostenlose Spontankonzerte gegen Rechtsextremismus in Ostdeutschland, etwa nach den Ausschreitungen in Chemnitz 2018.

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Und dann ist da die Marke: rot-weiße Jacken, Poloshirts, das ikonische K als Logo, das geschlossene Auftreten als Gang aus Karl-Marx-Stadt. Wiedererkennungswert, den es im deutschen Indie selten gab. Wer eine „Äras“-Tour ankündigt, braucht genau das – eine visuelle Geschichte, die sich in Kapitel zerlegen lässt.

Thüringen? Diesmal nicht.

Die schlechte Nachricht für alle zwischen Eisenach und Gera: Thüringen taucht auf dem Plan nicht auf. 2026 war Erfurt noch dabei, und die Messehalle beim Vorverkaufsstart innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Die gute Nachricht: Leipzig steht am 3. Juli auf dem Zettel, und das ist von Thüringen aus nun wirklich keine Weltreise.

Zusatzshows mussten nachgelegt werden

Wer hinwill, sollte trotzdem zügig sein. Von den 18 Hallenshows der Tour 2026 waren mindestens zwölf ausverkauft, von sechs Open Airs vier. Zwei Zusatzshows mussten nachgelegt werden – Frankfurt am 26. März und die Berliner Wuhlheide am 21. August. Zusatztermine setzt niemand an, weil noch so schön viel Platz ist.

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2027 wird das Angebot offenbar deutlich knapper: fünf Termine statt rund zwei Dutzend. Hamburg und München waren schon 2026 ausverkauft. Köln stand gar nicht erst auf dem Plan, Leipzig ebenfalls nicht – dort spielte die Band nur das Highfield. Kurz: Entspannt wird hier kaum eine Show.

Und bitte nicht bei viagogo

Ein Hinweis, den der Veranstalter bei ausverkauften Shows selbst gibt: Finger weg von eBay, Kleinanzeigen, viagogo und unbekannten Social-Media-Profilen. Die Betrugsgefahr ist hoch, gefälschte Tickets bedeuten kein Einlass. Wer im Vorverkauf leer ausgeht, sollte auf den offiziellen Resale ausweichen. 2026 lief der Verkauf exklusiv über kraftklub.to – nicht über die üblichen Portale.

Also: Mittwoch, 16. September, 16 Uhr. Wecker stellen. Freundschaftsarmbänder optional.

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